Eigentlich bin ich ganz schön doof (1)

Irgendwie ist es merkwürdig, mich jetzt hinzusetzen, um über etwas zu schreiben, was ich eigentlich am liebsten schon vor ein paar Monaten getan hätte. Aber es wird ja auch nicht weniger merkwürdig dadurch, noch länger damit zu warten. Primär hat mich mal wieder (m)eine Angst davor abgehalten zu erzählen, was ich eigentlich so gerne erzählt hätte. Dieses Mal aber eine ganz konkrete Angst, nämlich jene, welche von euch, die hier lesen und die mir ans Herz gewachsen sind, vor den Kopf zu stoßen und/oder mich wieder einmal nicht richtig erklären zu können. Vielleicht sollte ich einfach vorne anfangen, also zumindest an der Stelle, die sich für mich nach vorne anfühlt.

Alles fing vor ein paar Jahren mit A. an. A. hatte ich online kennengelernt und wir verstanden uns auf Anhieb total gut. Das war zu einer Zeit, als es mir schon wieder so gut ging, dass ich wieder halbwegs rausgehen konnte, aber damals war ich eigentlich nie alleine unterwegs und hatte auch mein Auto noch nicht. Mit A. verstand ich mich unter anderem deswegen gut, weil uns, wie wir schnell feststellten, diese Unsicherheit im Umgang mit Menschen, verband. Uns unterschied hauptsächlich, dass ich das einigermaßen offen kommunizierte und sehr zurückgezogen lebte, er hingegen versuchte, die Angst zu verstecken und mit einer Maske zu überspielen, was er mir nur gestand, weil ich mit meiner Angst so offen umging. Ich fand den Menschen unheimlich interessant und sympathisch und vielleicht war es gerade, weil ich wusste, dass wir diese Ängste teilten, dass es mir ziemlich leicht fiel, mich mit ihm, der nicht so weit von mir wegwohnte, zu verabreden.

Ich hatte vorher schon einige Menschen, die ich aus dem Web kannte, live kennengelernt, eigentlich sogar alle, die ich jetzt zu meinen Freunden zähle. Aber die kannte ich alle schon wesentlich länger und besser, wenn wir uns ‚in echt‘ trafen.

Vorm Treffen mit A. war ich zwar nervös, aber erstaunlicherweise gehörte er zu den wenigen Menschen, vor denen ich damals keine Angst hatte. Und ich fand das Treffen auch gut. Wir saßen etliche Stunden kaffeetrinkend und redend, ich ein bisschen stiller, er seine Angst überspielend und viel erzählend und ich habe mich echt wohl gefühlt. Dann verabschiedeten wir uns, in meiner Wahrnehmung und Erinnerung mit dem Vorsatz bei uns beiden, das Treffen bald zu wiederholen.

Ja und dann war alles anders. Vorher, und das war zu einer Zeit, als ich wirklich noch viel online war und auch viel chattete, hatten wir viel Zeit verquatscht, auf einmal schwieg A. mich an. Ich habe in den nächsten Tagen irgendwann einen Versuch unternommen, herauszufinden, was los sei, aber A. wies mich brüsk damit zurück, dass gar nichts sei und schwieg weiter. Das war seltsam, weil er eigentlich immer sehr sorgsam darauf bedacht war, niemanden zu verletzten – nicht mal versehentlich.
Ich traute mich damals nicht, nochmal nachzuhaken. Stattdessen zermarterte ich mir das Hirn, was da so verkehrt gelaufen ist und was zur Hölle ich so falsch gemacht haben konnte und das frage ich mich auch noch bis heute gelegentlich ganz schön oft, weil ich solche Sachen, die ich nicht verstehen kann, nicht gut abhaken kann. Ich hatte einen Menschen kennengelernt, den ich so sehr auf der gleichen Wellenlänge empfunden hatte, dass ich dachte, daraus könnte eine Freundschaft werden und ich habe nie verstanden, was passiert war. Seitdem habe ich ein echtes Problem, in solchen Begegnungen auf meine Wahrnehmung zu vertrauen und eine furchtbare Angst davor, Menschen – speziell jene, die ich online eine Weile kenne und ins Herz geschlossen habe – live kennenzulernen.

Ich weiss, dass das natürlich nur eine einzelne Erfahrung war und vielleicht ist es einfach so, dass er ein doofer Arsch ist (nein, eigentlich ist er das nicht und das weiss ich – was es ja nicht einfacher macht), aber ich habe eben in den ganzen letzten Jahren so wahnsinnig wenige Erfahrungen damit gemacht, Menschen kennenzulernen (oder auch nur Menschen zu treffen. Vor meinem Spanischkurs und den begann ich erst später, kannte ich in der Gegend ja gar niemanden) und das war damals die erste solche Begegnung seit Jahren und die ging so in die Hose.

Und ich weiss, dass es furchtbar ungerecht ist, aus einer einzelnen sehr doofen Erfahrung heraus zu vermuten, das könnte immer so sein. Aber wenn man ein unsicherer Mensch ist, der natürlich davon ausgeht, dass er selber etwas falsch gemacht hat und der keine Chance hatte, herauszufinden, was überhaupt, dann kommt da diese irrationale Angst ins Spiel, man könnte das immer so vermasseln. Deswegen bin ich hier jahrelang immer ausgewichen, wenn jemand von euch sich mit mir treffen wollte. Und das wollte ich eigentlich schon furchtbar lange mal erzählt haben. Es hat mich nämlich jedesmal zerrissen, wenn mich jemand nach einem Treffen gefragt hat und ich eigentlich so gerne ‚ja‘ gesagt hätte, aber diese doofe Angst mich so gelähmt hat, dass ich es nicht konnte. Bei euch (ihr wisst ja selber, wen ich in den letzten Jahren alles vor den Kopf gestoßen habe) wollte und will ich nämlich nix vermasseln. Ich weiss, das das alles nicht sehr rational ist, aber das ist diese doofe Angst ja leider nie.

Das ist jetzt schon so ellenlang geworden und ich bin noch nicht mal dazu gekommen, zu erzählen, was ich eigentlich erzählen wollte, aber ich muss jetzt erst mal los.  *soifz* Weil’s ohnehin schon so viel ist, hau ich das mal so raus. Fortsetzung später / in den nächsten Tagen.

Katja