Wenn einer eine Reise tut (Spanien 2011) #5

(Was bisher geschah: #1, #2, #3, #4)

Am nächsten Tag wollen wir uns dann endlich Portugal mal aus der Nähe anschauen. Gegen Mittag brechen wir auf in Richtung Tavira, das zu besuchen mir eine Frau aus meinem Spanischkurs, die dort vor Jahren einige Urlaube verbracht hat, ans Herz gelegt hatte. Die Verwirrung über die Ankunftszeit, die das Navi berechnet hat, legt sich kurz hinter der Brücke über den Grenzfluss und wir lernen an diesem Tag, dass Portugal in einer anderen Zeitzone liegt, was mich ja wieder mal sehr beeindruckt hat. Ja, ich bin leicht zu begeistern! Aber hey – eine andere Zeitzone. Das kannte ich nur durch Flugreisen, aber nicht dadurch, dass man eine simple und nicht mal besonders lange Brücke überquert.

Dass das ein guter Tipp war und Tavira eine ziemlich coole Stadt ist, merken wir schon als wir auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Stadt kurven. Als der in der Nähe des Flusses gefunden ist, schlendern wir erst mal ziellos ein bisschen durch die wahnsinnig heissen Straßen und schauen uns ein bisschen in der Nähe des Flusses um. (Klick macht alle Fotos groß.)

Irgendwann machen wir uns durch engen Gässchen und Treppen auf den Weg hoch zur Ruine des Castells. Dort ist wirklich jeder Mauerrest frei zugänglich begehbar und mir reicht es deutlich, mir von unten anzuschauen, was für abenteuerliche Klettertouren da so mancher Urlauber hinlegt. Das ist nämlich dann der große Haken an Tavira, die Stadt ist immens voll und die meisten der Urlauber scheinen Deutsche zu sein.

Vom Castell aus hat man einen phantastischen Blick über die Stadt und rund um das Castell gibt es einen großartigen Garten. Dort wachsen nicht nur all die tollen Blumen und Sträucher, die ich in den letzten Jahren in Spanien kennengelernt habe, sie sind ausserdem noch beschriftet und ich erfahre endlich ein paar Namen zu den Gesichtern Blüten.

Wenn man die Ruine nicht wieder über die Treppe in den unten am Fluss gelegenen Teil der Stadt verlässt, sondern durch das Tor auf der gegenüberliegenden Seite geht, steht man fast direkt vor einer Kirche, von der wir uns ein paar Minuten im kühlen Inneren erhoffen. Eine Umrundung ergibt aber, dass gerade alle Türen geschlossen sind und wir finden auch keinen Hinweis, wann man sie besichtigen kann. So langsam scheint sich ein roter Faden für diesen Urlaub zu finden – eine Weile vorher standen wir nämlich auch schon vor einer verschlossenen Kapelle, die man aber aus Gründen der Einsturzgefahr, gar nicht betreten darf. Zusammen mit der Kirche in Ayamonte macht das also schon 3 verschlossene Kirchentüren.

Da das mit dem kühlen Kircheninneren nicht klappt, suchen wir uns erst mal eine Bank im Schatten, beobachten eine Menge vorbeihastender Menschen und einen unheimlich knuffigen Hund. Schließlich werden wir neugierig, für was die Plakate gegenüber werben und gehen nachsehen, was sich als ziemlich gute Idee herausstellt. Ganz in der Nähe gibt es einen alten Wasserturm, in dem sich jetzt eine Camera Obscura befindet.

Wir beschließen hinzugehen und kommen gerade noch rechtzeitig zum Beginn der ‚Stadtführung‘ dieser besonderen Art. Und nicht nur die Camera an sich lohnt den Besuch, sondern auch der extrem sympathische Mann, der uns unheimlich redegewandt Tavira zeigt, während er völlig problemlos zwischen Englisch und Deutsch hin- und herswitched und vermutlich mehr als ein Dutzend mal das Erdbeben von Lissabon erwähnt, dessen Jahreszahl alle Besucher am Ende im Chor mitsprechen können. 1755 war das übrigens.

Erschreckend, wie viel die Kamera einfängt. In der Nähe von so ’nem Teil wohnen, möchte ich lieber nicht, denn wir können problemlos einer Frau beim Wäscheaufhängen auf ihrem Dach am anderen Ende der Stadt zuschauen. Besuchen würde ich so eine Camera Obscura aber jederzeit wieder, weil man so wirklich einen einzigartigen Blick über und Eindruck von Städten bekommen kann. Toll!

Vom Wasserturm aus folgen wir den steilen verwinkelten Gassen und Treppen bergab in Richtung Fluss und zurück zum Auto.

Von dort aus folgen wir den Schildern in Richtung Strand. Sehr weit kommen wir dabei aber nicht, denn Tavira vorgelagert ist eine große Sanddüne, die Ilha de Tavira, auf der sich der eigentliche Strand befindet, dazwischen befindet sich die Lagune.

Auf die Ilha und somit an den Strand gelangt man nur mit einer Fähre.

Da wir aber eigentlich nur ein Stück am Strand spazieren gehen wollten und keine Strandsachen dabei haben, beschließen wir, nach Spanien zurückzufahren und lieber noch ein Stündchen am Strand vor der Haustür zu lesen.

Den Blick einmal um 180° gewendet, kann man hinter den Dünen das Gebäude erkennen, in dem sich unsere Ferienwohnung befindet.

Katja

7 Kommentare zu “Wenn einer eine Reise tut (Spanien 2011) #5

  1. Oh wie schoen 🙂 Da kann man ja fuer kurze Zeit sogar die ekelhaft kalten Temperaturen vergessen.
    Ich kenn ja hauptsaechlich den Norden Spaniens. Aber seit diesem (oder schon seilt letztem?) Jahr, zieht es mich ans Mittelmeer! Deine Bilder sind sicher mitschuld 😉

  2. @Michael: Ach man kann in so einer traumhaften Gegend ja auch aus den Vollen schöpfen beim Fotografieren. 🙂 Liebe Grüße nach Berlin!

    @Frau Leo: Nee! Mach das nicht! 😀
    Was ich von der spanischen Mittelmeerküste gesehen habe, fand ich – ausser ganz im Süden, kurz vor Gibraltar – nicht doll. Da steht eine Betonburg neben der anderen.
    Die costa de la luz, am Atlantik finde ich um ein vielfaches schöner und rund um Cadiz ist es auch – zumindest im Oktober – herrlich leer und die Spanier bevölkern nur am Wochenende die Strände. Aber ausser Spaniern trifft man kaum Urlauber. 🙂
    Ansonsten freue ich mich natürlich mächtig, wenn dir meine Bilder Lust auf diesen wunderschönen Teil Spaniens machen! 🙂
    (Wobei das in diesem Eintrag ja sogar fast nur Portugal-Bilder sind. :mrgreen: )

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