Und irgendwo liegt immer noch einer rum

Welcher Idiot hat eigentlich den Gedanken geprägt, Träume würden wie Seifenblasen zerplatzen? Wie schön das wäre, wenn es einfach leise „Plopp“ machen würde, man vielleicht von der wegspritzenden Seifenlauge ’ne feuchte Nase bekäme und dann wäre alles vorbei.

Aber leider ist es so nicht. Träume zerspringen wie Glas in tausende Scherben und natürlich schafft man es nicht, schnell genug in Deckung zu gehen und auszuweichen und bekommt diese pieksenden Biester mitten ins Gesicht, ins Dekolleté, über die Arme. Und hat man sie irgendwann alle rausgezogen und die gröbsten Schnitte sind verheilt, tritt man garantiert, wenn man das nächste Mal unachtsam und barfuß unterwegs ist, in einen Splitter, den man übersehen hatte und der noch rumlag.

Katja

10 Kommentare zu “Und irgendwo liegt immer noch einer rum

  1. das ist sehr berührend geschrieben, mit so viel wut, aggressionen,die der schmerz hervorruft. und es ist manchmal das einzige, das mit bleibt an kraft.
    ich kenne auch keine platzenden seifenblasen, mag aber auch seifenblasen im metaphorischen sinne nicht (also die in echt, die mag ich schon), sie sind so klebrig und unberechenbar.

    ich glaube mir sind die splitte irgendwie lieber, man muss nur irgendwie vorbereitet sein…

    • Findest du, die Splitter sind ehrlicher? Sie geben immerhin nicht vor, harmloser zu sein als sie sind.

      Ich wüsste wirklich gerne mal, wieso man im Zusammenhang mit geplatzten Träumen so oft die Seifenblase bemüht, die ist ja nicht weiter reichend als dieser Teil mit dem Platzen und lässt einen dann alleine mit dem, was hinterher kommt. Hmm.

      Die Wut gestern war eher eine auf mich selber, dass ich jenen speziellen Traum immer noch nicht ganz hinter mir gelassen habe und dass die Erinnerung so einfach wieder lospieksen und mich runterziehen kann. Ich ärgere mich so, dass ich es nicht hinbekomme, diese Lücke, die der Traum hinterlassen hat, mit einem neuen zu schließen. *soifz*

      Danke für deine Gedanken, Maryam und herzliche Grüße an dich!

      • ja, so kann man es wohl sagen, sie sind ehrlicher. ich glaube die seifenblase nimmt man, weil sie so schillernd ist und in ihrer echtheit ist sie unecht, zerplatz sie so schnell, dass es so ein zwitterding zwischen realität und fiktion ist.

        außerdem ist das bild stimmig von jemanden, der in ihr sitzt, er sieht das außerhalb nicht mehr klar, sondern nur durch diesen schillernden schleier…das bild passt schon und der schmerz kommt dann auch vom fall…
        dennoch weiß ich, was du meinst, da platzt nicht einfach etwas und dann ist es weg. das passt nicht. da sind die splitter stimmiger..

      • Das stimmt mit der Sicht von innen! Das hatte ich gar nicht bedacht, dass man selber sich im Inneren befindet. Dann macht das Bild in der Tat viel mehr Sinn. Also bis zu dem Punkt, wo der Traum platzt/zerspringt.

  2. Das hast Du sehr schön geschrieben…

    Meiner bescheidenen Meinung nach werden Träume mit Seifenblasen verglichen, weil sie einfach immer zerplatzen… so wie es Seifenblasen nun mal tun… ein zartes Plopp, und schon zerfällt der Traum zum glitzernen Sprühnebel… (das muss überhaupt ein geniales Bild sein, der Millisekundenmoment, in dem die Seifenblase platzt, aber das nur am Rande erwähnt). Und mit dem, dass ich Trüme mit so etwas zartem und vergänglichem wie einer Seifenblase vergleiche, ist mir die Endlichkeit meines Traumes eigentlich bewusst.

    • Hm, ich musste (und muss noch) ein bisschen auf dem rumdenken, was du schreibst! Vielen Dank für deine Gedanken, ich glaube, das hilft mir, die Begriffe besser voneinander zu trennen. 🙂

      Vielleicht macht den Unterschied bei den Träumen (und den Grad ihrer Seifenblasenhaftigkeit) aus, wie fern sie der Realität sind?
      Ich träume zB schon fast mein ganzes Leben lang davon, irgendwann in der Nähe des Meeres zu leben. Das ist aktuell noch nicht möglich, aber auch nicht völlig unrealistisch. Und der Traum kommt mir auch nicht wie eine Seifenblase vor. Das wäre er vielleicht, wenn ich davon träumen würde, in einer Bambushütte alleine an einem kilometerlangen weissen Sandstrand auf den türkisfarbene Wellen schlagen zu leben.

      Vielleicht ist das einfach eine Frage der/meiner Traumdefinition, vielleicht sollte ich den irgendwie realisierbaren eher als Wunsch bezeichnen, denn als Traum und nur zu den anderen passt das mit den Seifenblasen.

      Das, von dem hier immer noch Splitter rumliegen, in die ich gelegentlich trete, ist einer dieser zersprungenen Wunsch-/Plan-/Ziel-Träume.
      (Ganz konkret war das übrigens jener, mal Lehrerin zu sein, den ich eigentlich längst begraben habe, aber manchmal und speziell, wenn ich die Chemie wieder mal an mich ranlasse, piekst der nochmal ordentlich.)

      • Es wird wohl in der Deffenition liegen… Wenn ich von etwas träume, dann ist mir im Grunde schon bewusst, dass das nur so eine „Träumerei“ ist… es wäre schön, aber wenn´s nicht klappt, Schwamm drüber.

        Wenn ich etwas wirklich möchte, dann setzte ich mir das als Ziel. Dann hat es eine andere Wertigkeit und Wichtigkeit für mich. Und ich in meinem Fall kann dann auch an mir sehen, dass ich das Ziel vor Augen behalte und versuche den richtigen Weg einzuschlagen, um meinem Ziel näher zu kommen. Nun ja, aus dem spricht vor allem meine „Lebensweisheit“, die mich mein Leben gelehrt hat: Tu es selbst, sonst tut es keiner! Sprich, ich muss selber sehen, dass ich meine Ziele erreiche, muss selber den Weg gehen, muss mich selber dazu aufraffen.. oder es zuweilen auch bleiben lassen. Das empfinde ich dann nicht als Versagen. Ein Ziel nicht zu erreichen ist für mich kein Verlust und kein Grund Trübsinn zu blasen. Ich gestehe mir zu, dass nicht alles im Leben so funktioniert, wie ich es mir mal vorgenommen habe. Und mitunter merke ich, mit dem, dass ich einen Weg gehe um ein Ziel zu erreichen, dass dieses Ziel „beim Näherkommen“ gar nicht mehr so erstebenswert ist…. aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte…

        🙂

      • „Und mitunter merke ich, mit dem, dass ich einen Weg gehe um ein Ziel zu erreichen, dass dieses Ziel “beim Näherkommen” gar nicht mehr so erstebenswert ist…“

        Nochmal Danke für deine Gedanken, Rabea und speziell für diesen Satz. Ich glaube, da liegt bei mir oft der Hase im Pfeffer. Wenn man dem Ziel näher kommt, sieht man das ja auch _eigentlich_ klarer und detaillierter vor sich und könnte solche Anpassungen des Wunsches vornehmen, also zB feststellen, dass das doch gar nicht so ist, wie man’s will. Ich glaube, das ist das, was mir schwer fällt, dann wirklich genauer hinzugucken und mir das einzugestehen. Bei mir bleibt das von weitem schwammig (und natürlich idealisiert) vorgestellte Traumziel erhalten und wenn es doch nicht mehr richtig passt, dann liegt das an mir und ich mache was falsch.

        Vielen Dank für den Input! Das gibt mir wirklich noch zu tun.

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