Schalter

Wieder mal warte ich auf den Ruck. Jenen, den es tun müsste, damit die Dinge besser werden. 2012 ist nicht mein Jahr, das habe ich in den letzten Wochen häufiger gedacht, gesagt, geschrieben. Aber ich will meine Zuversicht nicht verlieren – in manchen Jahren war es nur sie, die mich hat durchhalten lassen – und hänge, mindestens gedanklich, jedesmal ein ’noch nicht‘ an. Denn auch wenn mich dieses Gefühl, die Zeit rase mir wieder einmal davon, zusätzlich fertig macht, will ich nicht daran glauben, dass das Jahr schon gelaufen ist.

Das Schlimme ist wieder einmal, dass ich nicht benennen kann, was es ist, was diesen Ruck ausmachen kann oder soll. Ich warte darauf, dass ein Schalter in meinem Kopf umspringt und weiss doch genau, dass er das nie von selber tun wird, dass der Schalter genauso abwartet, darauf, dass ich ihn umlege. Vielleicht wartet er noch nicht einmal darauf und es ist ihm völlig gleichgültig und ich bin hier die einzige, die Zeit und Nerven ins Warten investiert.

Und während ich weiss, dass es wieder einmal nur an mir selber hängt, werfe ich mir genau das vor. Dauernd. Pausenlos. Anstatt meine gerade knappe Energie auf die Suche nach dem Schalter zu konzentrieren, martere ich mich mit Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen und Wärehättesolltes. In manchen Momenten blitzt es dann ganz klar vor mir auf, dass vielleicht genau das wieder mal verhindert, dass ich da rauskomme. Dass ich mich erst mal selber gut behandeln und mit mir umgehen muss, weil meine eigenen Gedanken mich gerade wieder in diesen Käfig aus Angst und Traurigkeit sperren. Natürlich ist in diesem Jahr viel passiert, was viele der alten – negativen – Gefühle reaktiviert hat. Aber wenn ich mir das selber übel nehme, dass ich da wieder reingeraten bin, obwohl doch der Kopf die Mechanismen versteht, dann ist das kontraproduktiv, hält mich klein anstatt mich zu stärken.

Mich gegen negative Gefühle zu sträuben, das hat mir noch nie geholfen, besser mit ihnen umgehen zu können. Sie anschauen und gucken, woher sie kommen, was sie mit mir machen und vor allen Dingen, dass sie mir im Grunde nichts anhaben können – das ist es, was mich bisher rausgeholt hat. Oder wenn schon nicht rausgeholfen, dann doch zumindest die Beeinträchtigung eingeschränkt.

Wenn es nur nicht so verdammt schwierig wäre, sich selber tröstend in den Arm zu nehmen – und damit meine ich nicht mal die anatomische Schwierigkeit. Wenn ich eine (schädliche) Lektion gründlich im Leben gelernt habe, dann jene, dass es für mich keine Liebe meiner selbstwillen und ohne Bediungungen gibt. Und das habe ich so gründlich gelernt, dass ich mich selber exakt danach behandle. Nur wie um alles in der Welt komme ich an diesen Schalter heran, um ihn nicht nur zu sehen, sondern ihn auch umzulegen?

Katja