No bff

Eigentlich mag ich das nicht, Dinge aufzugeben, die ich mir vorgenommen habe, aber heute war ich wieder mal kurz davor zu sagen, dass ich das jetzt aufgebe, diesen Wunsch Nähen zu lernen.

Bisher fast jeder einzelne Anlauf hat mich irgendwann vor Wut laut fluchen lassen und wenn mal nicht in Tränen ausbrechen lassen, dann doch dicht davor gebracht. Mein Geduldsfaden reisst ebenso oft wie der Oberfaden, meine Nerven verheddern sich ebenso stark wie das Konglomerat aus Ober- und Unterfaden es stets hinter meinem Rücken irgendwo in den Tiefen der Maschine bei der Unterfadenspule macht und das macht so alles keinen Spaß!

Mir fehlt jemand, der mir über die Schulter guckt und mir endlich mal sagt, was ich da immer verkehrt mache. Bzw jemand, der sich diese Maschine mal anschaut und mir sagt, was ich da immer wieder so falsch einstelle, einfädele oder was auch immer, dass ich quasi keine einzige Naht problemlos hinbekomme. Selbst bei schnurgeraden Nähten kann es passieren, dass mitten in der Naht auf einmal der Faden so straff wird, dass der Stoff sich wellt. Und ich will das gar nicht auf die Maschine schieben, vermutlich liegt alles an mir. Aber ich weiss einfach nicht, was ich verkehrt mache und diese Welt des Nähens ist mir so fern, dass ich meine Probleme nicht mal sinnvoll in Worte fassen kann, um danach zu googeln. Weil es ja auch fast jedes Mal andere und bis dahin nicht da gewesene Probleme sind.

Das Schlimme ist, dass ich einfach nicht besser werde. Kaum denke ich eines der Probleme verstanden zu haben, hakt der Faden wieder an einer anderen Stelle. Und jeder Versuch kostet mich so viele Nerven, dass ich danach gründlich bedient bin und erst mal wieder zur Ruhe kommen muss, bis ich den nächsten Anlauf unternehme, weil ich sonst noch unentspannter im Umgang mit der Maschine werde und noch schneller die Nerven verliere. Der letzte Versuch liegt dieses Mal 5 Monate zurück und es ist ja auch kein Wunder, dass ich dann nicht so richtig Übung bekomme.

Ich mag das nicht, etwas einfach aufzugeben, aber ich mag es auch nicht, meine Zeit mit Dingen zu verbringen, die bisher immer in Frust geendet haben. Und es ist auch kein echter Trost, dass im Endeffekt bei allen Versuchen ein ganz okayes Ergebnis herausgekommen ist. So richtig stolz kann ich nicht darauf sein, weil mir eben dieses Gefühl fehlt, die Maschine endlich zu verstehen. *soifz*

Das heutige Werk:

Nicht wirklich vorzeigbar, weil’s quasi von allen, ausser den abgebildeten Seiten, krumm und schief ist, aber immerhin das mit dem Reissverschluss hab ich heute hinbekommen!

Ach ja: Die Anleitung für das Täschchen gibt es hier und ich bin dann doch so ein wenig stolz, dass ich es damit hinbekommen habe. Beim Durchlesen hatte ich sie nämlich überhaupt nicht verstanden und auch während ich dran saß, musste ich mir viel zusammenreimen und die Nähte an den Ecken hatte ich zuerst komplett falsch rum, weil ich die Anleitung gar nicht verstanden hatte – aber jetzt passt’s wohl. So halbwegs.

Mal sehen, ob ich mir das weiterhin antue. Ich glaube, ich erwähnte das schonmal, dass das die Momente sind, in denen ich meine Oma sehr vermisse. Die hätte vermutlich ratz fatz rausgefunden, was ich verkehrt mache. *soifz*

Bff werden wir wohl nie, diese Maschine und ich.

Katja

3/6 done.

Julie, Julia & Katja

Mal eben bitte Hand hoch:

Gibt es unter meinen Bloglesern jemanden, der bzw. die

a) gerne kocht und

b) Julie & Julia gelesen oder den Film gesehen hat und

c) zu diesem Zeitpunkt noch nie Boeuf Bourguignon gegessen hatte?

Ging es dir dann vielleicht auch so, dass du am liebsten alles stehen und liegen gelassen hättest und sofort einkaufen gestürmt wärst, um die Zutaten zu besorgen, die man benötigt, um das Gericht zu kochen?

Boeuf Bourguignon ist gleichzeitig klassisch und bequem, beeindruckend und schlicht, ein perfektes Gericht, wenn man einen Ruf zu verteidigen hat. Julia Child kochte es bei ihrer ersten Fernsehshow. Meine Mutter kochte es, als sie Dads Chef beeindrucken wollte. Und achtzehn Jahre später kochte ich es für einen bestimmten, äusserst wichtigen Menschen, von dem ich hoffte, er würde mich aus meinem beschissenen Sekretärinnenjob reißen und mir zu unbändigem Erfolg und Glück verhelfen. Eigentlich kochte ich es zweimal für diesen Menschen, aber davon später. Fürs Erste reicht die Feststellung, dass Boeuf Bourguignon wie Mayonnaise mehrere Anläufe benötigt (Mayonnaise braucht wesentlich mehr, finde ich!), aber wenn man es einmal drauf hat, kann man immer auf dieses köstliche Kunststück zurückgreifen. Wenn zum Beispiel Jason Bateman nach New York käme und sich zum Dinner bei mir einlüde, könnte ich ihm jetzt, dank Julia, ohne viel Hokuspokus einen köstlichen französischen Rindfleischeintopf zaubern.

(Julie Powell, Julie & Julia, Seite 45)

Da ich das Buch letzten Oktober in Spanien gelesen habe, schied das sofortige Losstürmen bei mir aus und es dauerte auch noch bis vor einigen Wochen, bis ich mich wirklich an dem Rezept versuchte. Jetzt freue ich mich schon auf den nächsten Besuch meiner überaus kompliziert zu bekochenden Familie, weil das exakt eines der Rezepte ist, das alle Verschmähungen und Unverträglichkeiten berücksichtigt und das durch seine Zutaten hoffentlich die Gnade des Lieblingsneffen finden wird, der, seit er zum ersten Mal Coq au vin bei mir gegessen hat, nichts anderes mehr möchte, wenn er mich besucht.

Aus mehreren Rezepten zusammengefrickelt, hier meine Version, von der lässig 5 bis 6 satt werden:

1,5 kg Rindfleisch
1,5 l Burgunder oder einen anderen kräftigen französischen Rotwein
2 EL Mehl
Pfeffer und Salz, frisch gemahlen
250 g Dörrfleisch oder durchwachsener Schinken, nicht zu klein gewürfelt
300 g Möhren
300 g kleine Champignons
300 g Schalotten oder kleine Zwiebeln
2 Zehen konfierter Knoblauch oder 2 kleingeschnittene Zehen
einen Teefilter, der mit je 6-10 rosa Pfefferkörnern, Pimentkörnern, Wacholderbeeren, 2 Lorbeerblättern und Rosmarin (die Nadeln von 2 Zweigen oder 1 EL getrockneter) und Thymian (2 Zweige oder 1 EL getrockneter) gefüllt und zugeknotet oder mit Zwirn verschlossen wird
Butterschmalz oder Öl

Das Fleisch waschen, trocken tupfen und in ca. 2,5 cm große Würfel schneiden. Butterschmalz oder Öl in einem großen Bräter oder Topf erhitzen und das Fleisch portionsweise bei nicht zu starker Hitze rundum braun anbraten. Wenn alles angebraten ist, zurück in den Bräter damit, mit dem Mehl bestäuben und etwas bräunen lassen, dann mit einem Schluck Wein ablöschen, warten bis der Wein verkocht ist und den Vorgang etliche Male wiederholen. Je mehr Geduld man hier aufbringt, desto schmackofatziger wird die Soße. Zwischendrin salzen und pfeffern. Dann irgendwann den restlichen Wein und den Teebeutel mit Gewürzen und Kräutern dazugeben und für 1,5 bis 2 Stunden mit aufgelegtem Deckel bei niedriger Hitze köcheln lassen.

In der Zwischenzeit die Schalotten oder Zwiebeln putzen, aber ganz lassen. Die Möhren putzen und in mundgerechte Stücke schneiden, die Champignons putzen und wenn sie klein genug sind, ganz lassen, ansonsten etwas zerkleinern. In einer Pfanne in einem Schluck Öl das Dörrfleisch bzw. den Schinken mit den Schalotten anbraten. Dann den Knobi, die Champignons und die Möhren dazugeben und kurz mitdünsten. Nach etwa 15 Min in den Topf bzw. Bräter umfüllen und dort mitkochen lassen. Falls die Konsistenz der Soße noch zu flüssig ist, den Deckel abnehmen und die Herdplatte noch für einige Minuten hochdrehen, damit die Flüssigkeit etwas reduziert.

Dazu passt quasi alles – egal ob Salzkartoffeln, Nudeln, Spätzle, Reis oder Baguette – und natürlich schmeckt es nach dem Aufwärmen am nächsten Tag noch besser!

Mist! Jetzt hab ich mir selber Hunger gemacht. 😀

Katja