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Warum nimmt man es eigentlich immer der Enttäuschung so übel, dass sie tut, was ihr Name verspricht? Sie bekommt die geballte Verantwortung für Traurigkeit und Wut ab. Dabei sollte man doch eigentlich froh sein und dankbar, dass die Täuschung genau hier endet. Aber nein, die Täuschung, die der Realität ihre rosagefärbte Plastikfolie überzieht, die mit der hochglänzenden Oberfläche, wird umarmt und geherzt, wie die Lieblingstante der Kindheit, die mit den köstlichen Bonbons, die einem bei jedem Besuch auch noch zwei Mark zusteckte. Vielleicht ist die Enttäuschung so unbeliebt, weil sie nicht nur einem Teil der Welt diese rosa Glanzfolie abzieht, sondern weil sie darunter auch den eigenen Irrtum so offenlegt, die eigene Fehlbarkeit der Wahrnehmung, die ja diesen ganzen Täuschungszauber überhaupt ermöglicht hat, während in der Luft noch ein Hauch Bonbonduft an die süße Illusion erinnert. Alles ist aufgewühlt und ver-rückt, wenn die Täuschung endet und vielleicht ist das einfacher auszuhalten, wenn man es wenigstens der Enttäuschung übel nehmen kann? Wer ist schon böse auf Tanten mit Bonbons?

Katja