Oh oh ho hohe Berge, la Montanara für das Objektiv

Zwei Dinge sind mir in und an Innsbruck besonders augefallen. Zum einen kann man viele der bekannten Sehenswürdigkeiten erreichen, indem man einfach die Hauptprachtstraße, die Maria-Theresien-Strasse (und ein wenig darüber hinaus) langläuft, zum anderen, und das wirkte auf mich total skurril und hat mich immer wieder anhalten und staunend hochgucken lassen, sieht man überall, über der Stadt die Berge aufragen. Man läuft eine Straße zwischen höheren Gebäuden lang und am Ende der Straße guckt man auf Berge. Die haben dort wirklich viele davon.

(Alle Bilder lassen sich per Klick vergrößern und die Links hinter einigen der Sehenswürdigkeiten führen zu deren Wikipediaeinträgen.)

Fast direkt als wir aus dem Parkhaus kommen, stehen wir vor der Triumphpforte, die sich am südlichen Ende der Maria-Theresien-Straße befindet.

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Dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein

Von der Wies ging’s weiter Richtung Innsbruck und da wurden dann die Berge rundum schon immer höher. (Klick macht alle Fotos groß.)

Erst mal quer durch Innsbruck, weil unser Hotel südlich davon, in Fulpmes im Stubaital war, einchecken und über das bergzipfelmäßig gefaltete Bettzeug grinsen und dann

 

raus auf dem Balkon, um nach der Aussicht zu gucken.

Wüüüh. Das war jetzt eher so, wie ich die Berge in Erinnerung hatte und weswegen ich sie eigentlich so gar nicht mag. Grau, drückend, bedrückend, beklemmend.

Dann nach Innsbruck, Freundin einsammeln, in ihrem Dorf, das an Innsbruck hängt und irgendwie dazu gehört, spazieren gehen und auch da war’s noch nicht wirklich freundlicher.

Ufff. Und das jetzt für 3 Tage.

Aber dann, nach dem Aufwachen am nächsten Morgen die Überraschung: Die Berge können auch in echt (!) hübsch. Es braucht nur ein bisschen blauen Himmel und Sonnenschein dafür. Und prompt kam bei mir das Heidi-Feeling auf und ich dachte, der Geisenpeter müsste jeden Moment vorbeikommen, um mich für den Tag auf der Alm abzuholen. 😀

Ich kann mich ja wahnsinnig dafür begeistern, mit den Wölkchen auf Augenhöhe wach zu werden. 🙂

Dann nach dem Hotelfrühstück mit dem Ziegenpeter Mitreisenden los nach Innsbruck. Und so im Sonnenschein sah auf einmal alles total knuffig aus und ich kam mir vor als wäre ich in eine Modelleisenbahnlandschaft reingeraten.

Weiss zufällig jemand, was es mit diesen Wiesen (oft an Ortsrändern) auf sich hat, auf denen jede Menge Scheunen recht dicht beieinander stehen? Sind das solche gemeinsam genutzten Dorfwiesen und gibt es einen Grund dafür, dass man seine Scheune dort baut und nicht auf die eigenen Wiesen? Lage?
Die sind mir auf jeden Fall schon in Bayern überall aufgefallen und ich kenne das aus der Gegend, wo ich aufgewachsen bin, nur von Obstbaumwiesen im Ort, bei denen jeder ’ne Baumreihe nutzen kann, wenn er dafür in den 60ern/70ern irgendwann mal bezahlt hatte.


Die Brücke macht die Illusion der Eisenbahnlandschaft perfekt, auch wenn es sich dabei um die Brennerautobahn handelt. Was man auf dem Bild leider nicht sehen kann ist, wie tief es da ausserdem noch nach unten weiterging.

Aussicht! Überall! Und unglaublich viele Berge. Wer hätte gedacht, dass es da wirklich so viele von gibt?

Und dann: Füße platt laufen in Innsbruck. Doch davon später mehr.

Katja

 

 

 

Starke Nerven

Es gab da im 18. Jahrhundert so ein Kloster und der Abt wollte, wie das wohl andernorts üblich war, eine Karfreitagsprozession durchführen. Dazu wurden von den Klosterbrüdern diverse auf dem Dachboden und sonstwo unter Gerümpel lagernde Körperteile einer Jesusstatue zusammengesetzt. Und weil die Teile in den Proportionen nicht zusammenpassten wurden Haar und Tücher ergänzt bzw. drumgewickelt. Und die Statue wurde in Ketten gelegt, weil es ja um eine Karfreitagsprozession ging, der Heiland also gegeißelt dargestellt werden sollte.

Ein paar Jahre später gelangte die Statue (nachdem sie länger beim Maler rumstand, der sie eigentlich restaurieren sollte, das aber nicht tat) irgendwie in Privatbesitz einer Bauernfamilie der Gegend. Nur einige Wochen später sah die fromme Bäuerin beim vertieften Gebet, das sie unter der gegeißelten Jesusstatue verrichtete, Tropfen in den Augen der Statue, was sie am nächsten Tag ihrem Beichtvater anvertraute. Eigentlich wollte die Kirche Stillschweigen über die Tränen bewahren, aber schon im nächsten Jahr strömten die ersten Wallfahrer in den Ort. Die kleine Kapelle, die in der Nähe des Bauernhauses für die Statue errichtet wurde, reichte schon bald nicht mehr aus, um die Pilgerscharen aufzunehmen und so wurde sieben Jahre nach den Tränen vom Abt der Bau der Wieskirche (Klick zu Wikipedia) in Auftrag gegeben.

Das ist, in Kurzfassung, die Geschichte der Statue des gegeißelten Jesu und der Wieskirche (Klick zur Kirchenseite), die man hier ausführlich nachlesen kann und die seit 1983 zum Unesco Welterbe gehört, was uns dazu bewogen hat, auf der Fahrt nach Innsbruck einen Abstecher über die Wies zu machen.

Während ich dem Lieblingsteddy die Geschichte vorlese, bin ich fast sicher, eine Träne in seinen treuen Knopfaugen zu erkennen. Vielleicht tränen ihm allerdings auch die Augen beim Anblick der Bilder, denn es braucht schon recht starke Nerven, um diesen Höhepunkt der spezifisch bayerischen Rokokokultur (wofür die Wies zum Welterbe gehört) anschauen zu können.

Ich besuche ja wirklich gerne Kirchen (also die Gebäude, ausserhalb von Gottesdienstzeiten), aber die Wieskirche ist zum einen wirklich (!) voll, zum anderen war das für mich eine völlige Reizüberflutung und zwar ging der Kitschfaktor entschieden in Richtung der kritischen Masse. Ich glaube, ich bin eher so der Gotik- oder noch lieber Mudejartyp, aber mit Rokoko und vor allem mit diesen ganzen Putten, kann ich nicht so viel anfangen.

Beeindruckt hat die Kirche mich trotzdem, das geht ja unabhängig vom persönlichen Geschmack.

Viel unterhaltsamer fand ich allerdings die frei laufenden Hühner neben der Kirche und die Wiese mit den Kälbchen mit echten Kälbchenglöckchen um den Hals!1elf
Und natürlich die Familie, die ich zuerst für Einheimische hielt, weil sie ihrem Sohn lautstark erklärten, dass die Pfarderln Besuch haben, was sie ja als Einheimische durchaus hätten wissen können, wenn sie ein fremdes Auto auf dem Hof ihrer Nachbarn, der Familie Pfarderl, erblickt hätten. Andererseits ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass sie von den Hühnern sprachen, von denen mittlerweile einige zwischen den Pferden auf der Koppel rumgackerten.


Und ganz ehrlich: Alleine die Tatsache, dass der weitere Weg nach Innsbruck über Oberammergau und über Unterammergau (Klick nur für die echt Harten empfehlenswert) führte, war ja den Abstecher schon wert. :mrgreen:

Katja

Nur Bahnhof

Dieses Gewirr aus Oberleitungen an Bahnhöfen fasziniert mich immer wieder. Vielleicht, weil das, was auf den ersten Blick so furchtbar chaotisch erscheint, doch wohlgeordnet sein muss, damit alles überhaupt funktioniert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mein Rechner funktioniert hoffentlich (!) jetzt (lies: wenn ich mich irgendwann mal durch die nervigen Installations- und Einrichtedingens gequält habe) auch wieder, nachdem bis auf Netzteil und RAM quasi alles neu ist.
Was mir tatsächlich am meisten gefehlt hat in dieser sehr eingeschränkten Online-Woche war die Möglichkeit, meinen Kopf hier auszukippen. Da hat sich viel zu viel, leider gar nicht wohlgeordneter Kram getummelt.

Katja

ent-

Warum nimmt man es eigentlich immer der Enttäuschung so übel, dass sie tut, was ihr Name verspricht? Sie bekommt die geballte Verantwortung für Traurigkeit und Wut ab. Dabei sollte man doch eigentlich froh sein und dankbar, dass die Täuschung genau hier endet. Aber nein, die Täuschung, die der Realität ihre rosagefärbte Plastikfolie überzieht, die mit der hochglänzenden Oberfläche, wird umarmt und geherzt, wie die Lieblingstante der Kindheit, die mit den köstlichen Bonbons, die einem bei jedem Besuch auch noch zwei Mark zusteckte. Vielleicht ist die Enttäuschung so unbeliebt, weil sie nicht nur einem Teil der Welt diese rosa Glanzfolie abzieht, sondern weil sie darunter auch den eigenen Irrtum so offenlegt, die eigene Fehlbarkeit der Wahrnehmung, die ja diesen ganzen Täuschungszauber überhaupt ermöglicht hat, während in der Luft noch ein Hauch Bonbonduft an die süße Illusion erinnert. Alles ist aufgewühlt und ver-rückt, wenn die Täuschung endet und vielleicht ist das einfacher auszuhalten, wenn man es wenigstens der Enttäuschung übel nehmen kann? Wer ist schon böse auf Tanten mit Bonbons?

Katja

Don’t panik

Erstaunlich, wie entspannt ich mittlerweile damit umgehen kann, wenn mein Rechner klump ist. Vor ein paar Jahren hätte mich das in eine tiefe Krise gestürzt und ich wäre panisch geworden. Jetzt nervt es mich immer noch, aber es ist nicht mehr das Gefühl von der (ganzen) Welt abgeschnitten zu sein, das mich nervt, sondern eher die Tatsache, dass es, wenn die neuen Teile dann mal da und eingebaut sein werden, überaus  nervig wird bis ich den wieder halbwegs so eingerichtet habe, dass er sich gemütlich anfühlt.

Dass ich trotz Rechnercrash heutzutage dank Phone und Tablet nicht ganz offline bin, spielt sicher eine Rolle beim Ausbleiben der Panik – noch mehr aber vermutlich das Wissen, dass meine wichtigen Daten und speziell meine sämtlichen Fotos dank regelmäßiger Datensicherung wohlbehütet auf dem Server liegen.

Ich bin dann übrigens mal offline – so überwiegend zumindest.

Katja

Neulich in Innsbruck

Beim Durchqueren der Innsbrucker Innenstadt bot sich mir vor einigen Tagen dieses hier abgebildete grausame Bild der Tierquälerei:

Gleich zu Dutzenden hatte man die armen Bärchen gezwungen, in die landestypische Tracht der Alpenregionen zu schlüpfen und ich mochte mir gar nicht das Ausmaß des seelischen Schadens vorstellen, das die gepeinigten Bärenseelen davontragen würden.

Doch just als ich dabei war, mein Handy zu zücken, um zuerst das Fellmonsterchen zu verständigen, um mir wortgewaltige Unterstützung im Kampf gegen Seppelhosen zu sichern und anschließend Bärnesty International zur Befreiung der misshandelten Geschöpfe, sprach mich einer der Bären in fast akzentfreiem Hochdeutsch an und versicherte mir, dass das alles seine Richtigkeit hätte und dass sie alle freiwillig, sowohl in dieser Kluft als auch in diesem Körbchen verweilten, da es sich um eine Spezialeinheit der Bärizei handele, die ihrerseits in Undercovermission unterwegs sei, um die tatsächlich gepeinigten Mützentiere zu retten, denen man – man mag sich das Ausmaß der Grausamkeit kaum vorstellen – kalte Metallständer dorthin geschoben hätte, wo sich eigentlich wärmende Kinderköpfe befinden sollten, damit es den Mützentieren nicht zu kalt ist und das natürlich gerade in diesem Sommer, wo keine Mütze ohne wärmenden Kopf rumlaufen und schon gar nicht auf kalten Metallständern rumhängen sollte!

Der Oberspezialagent der Bären bat mich also – unerklärlicherweise auf einmal gar nicht mehr so akzentfrei – mit einem freundlichen ‚Oiso schlaich di!‘ die Undercoverermittlungsarbeiten nicht durch mein auffälliges Verhalten zu gefährden und ein letzter Blick in die Augen eines der Mützentiere zeigte mir, wie dringend ich diesem Wunsch nachkommen sollte!

Katja