akute Panik

Blinde Panik, ganz akut. Das, was für mich so wichtig ist, mein geschützter Raum in meiner Wohnung bekommt gerade wieder mal riesige Risse und die Sicherheit bröckelt.

Direkt vor meinem Arbeitszimmerfenster ist mit gleicher Bodenhöhe die Terasse. Immer, wenn ich am Rechner sitze, habe ich fast die komplette Terasse und einen Teil des Gartens im Blick. Gerade, während ich an einer Mail tippte, standen auf einmal drei fremde Männer direkt vor meinem Fenster auf der Terasse, also direkt vor mir. Ich war in meine Spanischaufzeichnungen von gestern vertieft gewesen, um einer Frau, die gestern nicht da war, per Mail zu schreiben, was wir gemacht haben. Dieser Moment der Vertiefung hat genügt, dass sie auf die Terasse gelangten ohne dass ich es bemerkte und dann standen sie beim Hochgucken auf einmal direkt vor mir, vor meinem Fenster.

Nach dem ersten Schreck bin ich ins Wohnzimmer, an die Terassentür, habe gefragt, was bitte die da machen. Sie sagten nicht wer sie sind, aber dass sie hier demnächst ein Gerüst aufbauen sollten, um die, über dem Terassendach liegende Dachrinne zu reinigen und dass sie den Auftrag hätten, schonmal auszumessen, was sie da an Material brauchen würden. Die hatten nicht an der Tür geklingelt und mir Bescheid gesagt, sondern sich einfach von aussen Zutritt zu meinem von innen verriegelten Garten verschafft und zu meiner ebenfalls von innen verriegelten Terasse – einfach so, jeweils mit einem Griff über bzw. durch die Tür zum Riegel.

Aber alles, was ich rausbekam waren schüchterne Fragen danach, inwiefern mich das denn beträfe mit dem Gerüst, ob sie dafür auf die Terasse müssten und wann genau das denn stattfinden sollte. Den Termin wussten sie nicht, aber der Chef wusste den und der kam just in diesem Moment auf die Terasse. Er würdigte mich keines Blickes, kein Gruß, kein gar nix.  Einer der bei ihm angestellten Männer meinte dann, ich wüsste gerne, wann die Arbeiten durchgeführt werden sollten und da guckte er mich zum ersten Mal kurz an, um mir ein barsches ‚Morgen Früh ab 8 Uhr.‘ zuzurufen. Sonst nichts weiter, kein einziges Wort. Und mir fehlten bei der Behandlung auch die Worte, ich zog kleinlaut in die Wohnung ab. Doch wohin? Küche, Wohnzimmer, Arbeitszimmer – alle Fenster führen auf den Garten bzw. die Terasse, alle auf dem Weg durch den Garten bis zur Terasse und vor fast jedem Fenster mittlerweile einer der vier Typen, zumindest in Sichtweite.

Und ich merkte wie in mir die Panik hochstieg. Nicht sicher. Nicht in der Wohnung sicher. Angst. Verzweiflung.

Ich bin sicher, die dürfen das so nicht. Da mag die beauftragte Firma auch zigmal dem Sohn unseres Vermieters gehören, dem mit dem barschen Ton. Wir haben mit der Wohnung auch die Terasse und den Garten gemietet und ich erfahre nur zufällig und nur, weil ich gefragt habe, dass hier ab morgen Arbeiten durchgeführt werden sollen, die mich massiv in der Wohnung – die von Garten und Terasse gut einsehbar ist – für mehrere Tage einschränken.

Und trotz allen Wissens, dass das so nicht korrekt ist, schaffe ich es nicht, mich zu wehren. Stattdessen sitze ich jetzt, wo die Fahrzeuge endlich wieder weg sind, heulend vorm Rechner und tippe meine Panik in die Tastatur. Ich empfinde das Verhalten als massiven Ein- und Übergriff. Vielleicht, sogar vermutlich, wäre das nicht so schlimm, wenn ich keine Depressionen und keine Angststörung hätte, aber das macht es noch lange zu keinem korrekten Verhalten und schon gar nicht, dass die (Vermieter und jetzt auch der Sohn) so tun als sei es ihr gutes Recht, hier jederzeit ohne vorherige Anmeldung Einlass zu begehren bzw. sich einfach Zutritt zu verschaffen.

Ich weiss nicht, was ich die nächsten Tage machen soll. Ich kann doch nicht die Rolläden runtermachen und den ganzen Tag im Dunklen sitzen. Oder doch? Ich weiss es nicht. Mir ist ja echt egal, was die denken, wenn ich mich verbarrikadiere. Aber wenn ich gar nicht mitbekomme, was um mich rum passiert und weiss, dass da draussen ‚eine Bedrohung‘ besteht, fühlt sich das vielleicht noch schlimmer an als wenn ich sehe, was vor sich geht?

Ich drehe hier gerade massiv am Rad. Mist. So sehr ich die Wohnung mitsamt Terasse und Garten liebe, sobald der Vermieter auf den Plan tritt, würde ich am liebsten hier wegziehen. Der macht mir Angst, nach wie vor und immer wieder.

Katja