Sonntags im Mai

Nicht am letzten Sonntag, sondern schon eine Woche vorher waren wir unterwegs auf einem Teil der Deutschen Alleenstraße und zwar jenem, der durch die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, führt.

Unser Weg führte uns von Ilbenstadt, wo wir uns die Basilika angeschaut haben durch die Wetterau und den Vogelsberg – speziell auf einen Spaziergang durch Schlitz, wo ich früher häufig, aber schon seit sicher 15 Jahren gar nicht mehr war –  bis nach Fulda.

Das Bemerkenswerteste des Tages war aber unser Abendessenstopp in einem Gasthaus in einem der Dörfer im Fuldaer Umland. Wir hatten im Vorbeifahren gesehen, dass man draussen sitzen kann und dass dort wirklich viel los war, was bei so Dorfgasthäusern sonntags zur besten Abendessenzeit ja oft ein Zeichen dafür ist, dass man dort gut essen kann. Das Essen war eher gehtso als gut, die Bedienung sichtlich überlastet und schon überfordert davon, dass jemand nach einer Karte fragte und nicht einfach eines der 4 Gerichte vom Tischaufsteller bestellte, aber das echte Erlebnis war, dass der örtliche Fußballclub just an diesem Tag, und mit nur noch einem weiteren zu bestreitenden Spiel, die Tabellenspitze erklommen hatte. Sagenwamalso: hätten der Dorfclub die WM gewonnen, hätten die nicht ausgelassener feiern können. 😀
(Wuhu, gerade mal nachgeguckt: Vor 2 Tagen haben sie ihr letztes Spiel mit 8:0 gewonnen und sind Meister geworden. Bestimmt müssen die jetzt die Kneipe renovieren!)
Sehr süß der wirklich kleine Opi mit dem langärmeligen Trikot und der Rückennummer 85 (vermutlich sein Alter), permanent mit glimmender Zigarre oder Zigarette im Mundwinkel, den sie irgendwann auf ein großes, als Stehtisch dienendes, Bierfaß hochhoben, wo er, für sein Alter erstaunlich beweglich, die Hüften zum allgemeinen Fangesang kreisen ließ. Was die Knuffigkeit anging kaum zu überbieten (wer braucht schon keksebackende russische Omis in Trachten?) – wäre da nicht die stinkende Zigarre gewesen.
Eher unsympathisch die Frau, die fast neben mir saß und sich – egal ob mit dem Nebenmann oder jemandem am anderen Ende des Biergartens – in der stets gleichen, brüllenden Lautstärke unterhielt. Aufgedreht, dass man sich fragte, ob’s an zu viel Sonne lag oder ob sie ihr was ins Essen gemischt hatten (Beruhigungsmittel sicherlich nicht!).

Ein paar Eindrücke des Tages im Bild gebannt. (Beim Essen war ich zu feige, obwohl das echt sehenswert, und nochmehr hörenswert, gewesen wäre. :D)

Katja

11 Kommentare zu “Sonntags im Mai

  1. Da hast du wieder schöne Fotos gemacht. Aber: „Schlitz“? Der Ort heißt wirklich „Schlitz“? Ach du meine Güte, die armen Einwohner … 😀

  2. @Michael: Dankeschön für’s Mitkommen. 🙂

    @tastecup: Japp. So heisst der. Ich glaube, die Ureinwohner stören sich gar nicht dran, ist ja alles eine Frage der Gewohnheit.
    Schreibt die, die fast 3/4 ihres Lebens in einer Gemeinde namens Mücke gewohnt hat. 😀

    • Denkste das wäre wirklich eine gute Idee? Als wir 2009 zuletzt mit reiner Hüftwackeldeko angetreten sind wurden wir nur 20. 😀
      Okeeee, vielleicht lag das auch an dem extrem schlechten Lied, das da noch im Hintergrund lief.

      Trotzdem fürchte ich, der Opi läuft nur zum Fangesang seiner Dorfmannschaft zu solcher Höchstform auf. Die sind da echt alle völlig äh seltsam drauf, was ihre Mannschaft angeht. Den Bericht zum Saisonfinalspiel schrieb einer während seines New York Urlaubs, der sich via Handy vom Spielfeldrand aus über’s Spiel berichten ließ.

      • Und hätten sie nur die kleinste und älteste alleine auf die Bühne geschickt und den Song weggelassen, hätte die klar gewonnen. 😀

  3. Oh wie schön… da sind sie ja „schon“ 😀 (Hatte gedacht, dass da noch mehr in der Mailpipeline sein würde)

    Vielen Dank fürs mit-auf-die-Reise-nehmen!

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