die ich bin

Gerade habe ich versucht, in einer Mail die Frage zu beantworten, ob es Bereiche in meinem Leben gibt, in denen die Depression gar keine Rolle spielt und dabei festgestellt, wie schwer es mir fiel, darauf eine passende Antwort zu finden. Einfach deswegen, weil mein Leben so ein anderes ist als vor der Krankheit und weil ich so eine andere bin als vor ein paar Jahren. Wie ich bin und wer ich heute bin, bin ich durch diese intensive Auseinandersetzung mit mir, meinen Denkmustern und Gefühlen. Folglich fürchte ich, dass ich das nicht wirklich sinnvoll beantworten konnte, aber mir hat die Auseinandersetzung mit der Frage interessante Erkenntnisse gebracht, die mich wieder ein bisschen weniger mit mir und der Krankheit hadern lassen.

Es gibt viele, viele, viele Momente, in denen ich nicht traurig bin, keine trüben Gedanken mich quälen – das ja. Die graue Wolke ist nicht allgegenwärtig und ich bin (glaube ich zumindest) viel häufiger froh und zufrieden als unglücklich und schwermütig.

Wenn ich zB im Garten arbeite (und ich weiss, dass ich das Beispiel gerade oft heranziehe, aber in dieser Jahreszeit macht mich sonst kaum was so sehr froh), dann ist das manchmal pures Glück, was also eigentlich einer dieser Bereiche ohne Depressionen sein müsste.

Aber wenn ich das genauer betrachte, dann wäre ich ohne die Krankheit vermutlich gar nicht darauf gekommen, dass mich der Garten so froh macht und mir so gut tut. Dann würde ich vielleicht nicht so genau hingucken und hinspüren, wo diese Dinge sind, die mich glücklich machen und ich würde diese glücklichen Momente vermutlich auch gar nicht so bewusst wahrnehmen. Mir die nicht selber so bewusst machen und sie in mich einsaugen. Und funktioniert Glück überhaupt ohne dieses bewusste Wahrnehmen und Aufsaugen?

Diese Traurigkeit (in unterschiedlich starker Ausprägung) war schon immer Teil meines Wesens. Das bewusste Wahrnehmen aller guten Augenblicke hat mich die Krankheit gelehrt. Und das ist ja nicht mal die schlechteste Lektion.

Vielleicht sollte ich in einer wacheren Minute mal darüber nachdenken, wie sich die gleiche Frage bezüglich der Angst (nicht) beantworten lässt. Hmmm.

Katja

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6 Gedanken zu “die ich bin

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