Glück ist #26

…immer wieder mein Garten. Besonders an so einem Tag, an dem eigentlich keine Zeit ist, und ich dann doch wenigstens für eine halbe Stunde rausgehen mag, um den Kopf frei zu bekommen und dann völlig verdutzt beim Reinkommen feststelle, dass 2 Stunden vergangen sind. 2 Stunden, in denen ich völlig in dem versunken war, was ich gemacht habe. Und auch wenn ich jetzt schon weiss, dass ich spätestens heute Abend Rückenschmerzen haben werde, geht’s mir gerade doch viel besser als vorher und ich gönne mir das jetzt, nicht voller Hektik doch noch zu versuchen, alles was ich heute vorhatte, zu retten, sondern zucke mit den Schultern, mache nur das dringend Notwendige, blogge lieber über das Glück meines Gartens und spare mir die Hektik, nachher in Spanisch zu gehen, weil diese zwei Stunden Garten gerade unendlich viel wichtiger waren, um mal wieder zur Ruhe und zu mir zu kommen.

Diese Zeit im Jahr, die ersten Wochen, in denen ich endlich wieder rausgehen und draussen etwas machen kann, das sind mir die allerliebsten. Dann durch den Garten zu gehen und zu gucken, wo schon was grünt oder sogar blüht, wer den Winter überstanden hat und wer nicht. Freudig festzustellen, dass die totgeglaubte Hortensie doch wieder austreibt, dass der im letzten Jahr gesähte Schnittlauch fast schon wieder geerntet werden kann und dass ein paar der einjährig geglaubten Kübelpflanzen anscheinend doch mehrjährigk sind. Und immer noch so vorsichtig, bei jedem Schritt durch’s Gras die Augen vor die Füße gerichtet, um nur ja auf kein Gänseblümchen zu treten, weil ich mich noch über jedes einzelne freue. Bald wird das gar nicht mehr gehen, auf keines zu treten, dann blühen sie hoffentlich wieder flächendeckend. Und dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn das erste Saatgut aufgeht und sich die ersten Keimlinge zeigen und erst zu Minipflänzchen und irgendwann zu großen Pflanzen heranwachsen.

Ich bin nicht besonders planvoll, was die Gartenarbeit angeht. Das meiste mache ich aus dem Bauch raus und probiere einfach aus, ohne mich vorher lange einzulesen, wie man das üblicherweise machen sollte. Das geht nicht immer gut, aber doch erfreulich häufig. Im Zweifel lese ich dann eben doch mal nach, aber das ist wirklich die Ausnahme, weil ich es genieße, den Garten nicht so verkopft anzugehen. Meist fange ich an einer Ecke mit etwas an, sehe dann die nächste, die Aufmerksamkeit fordert, mache hier etwas, rupfe da zwei Hand voll Unkraut oder vertrocknete Pflanzenblätter, leere dort einen Kübel aus, in dem noch die abgestorbenen Pflanzen vom letzten Jahr stehen, säe da schon für Blütenpracht im Sommer oder stecke mal hier, mal da eine Blumenzwiebel. Das ist irgendwie chaotisch, aber nach und nach erledige ich so doch den Kram, der zu tun ist. Vielleicht nicht immer in der absolut sinnvollen Reihenfolge, dafür aber in meiner.

Manchmal halte ich an einer Stelle inne und gucke rum und mir fällt auf, wieviel noch zu tun ist und dass ich eigentlich viel zu spät dran bin oder zumindest zu lange brauche und es tut so unendlich gut, an diesen Stellen zu merken, dass mich das beim Garten nicht lähmt, dieser Berg an Arbeit, der noch vor mir liegt, so wie mir das sonst oft geht, dass ich vor lauter Überforderung nicht weiss, wie und wo ich anfangen soll und dann aus lauter Angst, gar nicht anfange. Im Garten mache einfach weiter, befreie ein Zaunstück von den vertrockneten Ranken der Schlingpflanzen des letzten Jahres und säe dann Tomaten aus.

 

Katja (nur echt mit ihren neuen, knallelila Gartenschuhen :D)