achtgeben

Der Ruck, der eben durch Kopf und Körper ging als ich im stummen Zwigespräch mit mir selber beschlossen habe, dass es in diesem Fall kein feiges Aufgeben ist, für das ich mich schämen muss, sondern dass ich auf mich achte, wenn ich eine Sache beende, die mir so viel Angst und Bauchweh macht, dass ich mich dabei ertappe, wie ich mir wünsche, die echten körperlichen Magenschmerzen, die mich seit Tagen plagen, könnten im Laufe des Tages doch wieder so schlimm werden, dass ich eine Ausrede vor mir selber hätte, nicht hinzugehen.

Angst überwinden, ja gut. Dass der Kopf das in dieser Sache hinbekommt und ich die Zähne zusammenbeissen kann, hat er/haben wir (also Kopf und ich) bewiesen und das fühlte sich auch gut an. Aber der Knoten ist damit/danach nicht geplatzt, sondern im Gegenteil zieht er sich von Woche zu Woche enger. Und wenn ich mit mir selber so streng bin, dass mein Unterbewusstsein anfängt, gegen mich zu tricksen und mir Krankheiten herbeihofft, nur damit ich ohne schlechtes Gewissen fernbleiben kann, dann ist das nicht gesund, sondern dumm.

Eine der Lektionen, die ich dringend lernen muss – weniger Strenge mit mir selber. Mir selber (auch mal) Schwäche zugestehen. Und um das weniger missverständlich auszudrücken: Ich bin natürlich dauernd schwach und Memme und weiss das auch. Ich kann es nur nicht gut aushalten, wenn ich so bin und zerfleische mich währenddessen und hinterher innerlich selber. Und dieser Selbsthass in diesen Momenten bringt mich kein bisschen weiter, sondern wirft mich immer wieder zurück.

Das jetzt ist ein guter Anfang. Ich achte auf mich, bin gnädig zu mir und beende das, ohne mich als Versagerin zu fühlen, weil mir diese Form der Angst mehr schaden würde als mich weiterzubringen. Und darüber bin ich niemandem ausser mir selber Rechenschaft schuldig. Punkt. (Und der letzte Satz ist fast schwieriger als der ganze Rest.)

Und während ich die Artikelvorschau durchlese, merke ich, wie ich schon wieder unsicher werde, ob ich das wirklich machen soll oder ob das nicht doch einfach nur feige Flucht ist und ich mir hier selber etwas vormache(n will). *soifz*

Katja

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14 Gedanken zu “achtgeben

  1. Ach Katja …

    Ich weiß nicht, was du gerade beenden willst, aber ich glaube, es ist sicherlich wieder soetwas wie eine wöchentliche Verpflichtung. Deine größte Aufgabe und Pflicht ist es, dafür Sorge zu tragen, dass es dir so gut wie möglich geht. Nur so bist du für die wichtigsten Menschen in deinem Leben – damit meine ich auch dich selbst, ja – wirklich da. Deine Entscheidung hört sich für mich richtig und vernünftig an, denn es gehört sehr viel Disziplin dazu, auch auf sich zu achten. So einfach ist das gar nicht. Ich finde deinen Entschluss gut … Jetzt musst du dich selbst nur mit ihm versöhnen, so richtig.

  2. Ich kenne solche Situationen nur zu gut. Als ich anfing nichts mehr zu vermeiden, war ich kurz davor zu vergessen, dass ich wirklich z. B. auch mal keine Lust haben darf und deshalb etwas absagen. Oder gar nicht erst machen. Nicht vermeiden heißt nicht auf Teufel komm draus wirklich alles machen zu müssen.

    Was nur sehr wichtig ist, man muss sich selbst gegenüber wirklich ehrlich sein. Vermeidet man aufgrund der krankhaften Angst? Oder weil man wirklich nicht will oder auch aus einer normalen, gesunden Angst heraus? Das ist das, was wir Angstleute erst wieder lernen müssen, genau das zu unterscheiden.

  3. @Rüdiger: :)!

    @Sherry: Gestern Abend war ich dann auch eher stolz über die Entscheidung als dass ich mich dafür mit Selbstvorwürfen geplagt hätte. Fühlt sich gut an, mal nicht so streng zu sein – vielleicht bleibt die Erinnerung an dieses Gefühl ja im Unterbewusstsein hängen. :)

    @Träumerin: “Nicht vermeiden heißt nicht auf Teufel komm draus wirklich alles machen zu müssen.”
    Schöner Satz!
    Ich neige in der Tat dazu, viele Dinge dem Vermeidungsverhalten zuzuschreiben und gar nicht nachzuspüren, ob ich vielleicht einfach nicht will. Einfach keine Lust zu haben, kann ich mir auch nicht gut zugestehen.

  4. Den Satz von Träumerin würde ich sofort unterschrieben.

    Ich hänge auch häufig an diesem Punkt, aber eher mit der Tendenz zum “vermeiden”. Ich traue mich viele Dinge nicht von denen ich weiß, dass sie mir an sich gut tun würden. In manchen Phasen blockiere ich auch wieder völlig und ringe selbst um Arzttermine, obwohl die nun eigentlich seit 1,5 Jahren echt gut “laufen”…

    Das Phänomen sich wöchentliche Kurse, Verpflichtungen oder Gruppen aufgehalst zu haben sehe ich aber häufiger. Auch den Krampf da wieder raus zu kommen… Dafür muss man nicht mal zwangsläufig angst”gestört” sein. Oft reicht auch einfach ein übersteigertes Verantwortungsbewusstsein. ;)

    Schön, dass du auf dich geachtet hast :)

    • Das kenne ich auch, Dinge nicht zu tun, von denen ich eigentlich denke, dass sie gut wären. Manchmal denke ich, nichts steht mir so sehr im Weg wie ich selber. *soifz*
      Die Lektion hinter allen anderen scheint das Erlernen von Geduld zu sein.

  5. wir hatten ein 1tägiges stressmanagement-seminar bei einem externen coach. die hat mir, nachdem ich ihr etwas über mich erzählte, entgegnet:

    ‘nun seien Sie doch nicht so streng mit sich! Sie müssen lieb zu sich selbst sein. stellen Sie sich einfach vor, eine 5jährige käme zu Ihnen und würde Ihnen das hier jetzt berichten, was Sie mir gerade erzählt haben. wie würden Sie mit ihr umgehen?…. und so müssen Sie versuchen, zu sich selbst zu sein. zwar konsequent und manchmal auch mahnend, aber immer liebevoll.’

    diese sichtweise finde ich ganz toll. mir hilft das – dir vielleicht auch!

    • Oh… das erinnert mich auch daran, dass meine 1. Therapeutin damals sagte “Sie müssen ihre Angst wie ein kleines Kind an die Hand nehmen… und dann mit ihr an der Hand in die Situation gehen…” So ganz verstanden haben ich das aber trotzdem nie. ;)

      Und mein zweiter Gedanke: Scheiße, ich kann mit Kindern doch gar nicht umgehen :D

      Aber generell liebevoll… ja. Macht Sinn. Und die Geduld spielt da wohl auch eine große Rolle… versteckt sich vor mir aber auch immer. Also ganz typische Probleme… ;)

  6. “Manchmal denke ich, nichts steht mir so sehr im Weg wie ich selber.” Das Gefuehl kenne ich nur zu gut und es ist so schwer, sich selber darum zu bitten, den Weg frei zu machen!

    Glueckwunsch zur Entscheidung ung zum Gefuehlt, das richtige getan zu haben!
    Ich finde es unheimlich schwer, nachgiebig und liebevoll zu mir zu sein. Daher versuche ich mich so oft wie moeglich von aussen zu betrachten und mir zu ueberlegen, was ich einer Freundin in der Sitution sagen wuerde. Denn ich waere gerne Freundin mit mir selbst, das wuerde vieles so viel einfacher machen.

  7. @hühnschn: Dieser Gedanke und auch so ausformuliert ist wahnsinnig schön! Ich weiss auch nicht, weswegen einem das bei sich selber so viel schwerer fällt als es ist, mit anderen liebevoll umzugehen. *soifz*

    @Svü: Die eigene Angst wie ein Kind an die Hand zu nehmen, kann ich nachvollziehen. Da bleiben, versuchen, sich selber zu beruhigen, hingucken und warten bis die Welle über einen weggerollt ist, um im Nachhinein zu wissen, dass man das aushalten kann und dass es auch wieder vorbei geht, anstatt wegzulaufen, was ohnehin nie endgültig funktionieren kann. :)
    (So würde ich es zumindest in ausführlicheren Worten beschreiben, was ich darunter verstehe.)

    @Frau Leo: Auf den Gedanken, mich selber darum zu bitten, aus dem Weg zu gehen, bin ich noch gar nicht gekommen. Ich bin immer an der Stelle hängen geblieben und habe mich dann über mich selber geärgert und bin in diese typische Selbstzerfleischung und den Selbsthass verfallen, anstatt mich einfach höflich beiseite zu bitten, wie ich es bei anderen tun würde… Da muss ich drauf rumdenken, das ist interessant!

  8. Wenn etwas, vor dem ich mich fürchte, bei mir aufs vegetative Nervensystem durchschlägt, dann vertraue ich inzwischen auf meinen Körper. Der ist manchmal eindeutig schlauer als mein Kopf.
    Mein “Problem” war jahrelang Skifahren. Mein Mann liebt das, ich nicht. Trotzdem bin ich immer mitgefahren, mit Übelkeit, Schweißausbrüchen und anderen üblen Nebenwirkungen. Ist ja schließlich Urlaub, ach so wichtige Zweisamkeit, blöde Feigheit und irgendwann muss ich es ja mal lernen und was ich mir immer so eingeredet habe. Der letzte Urlaubstag war dann immer _Meiner_, da haben wir nur Stadtausflüge oder so gemacht, und ab dem vorletzten Abend waren alle Krankheitszeichen verschwunden, jedesmal wieder.
    Hat aber gedauert, bis ich soweit war. Reichlich verschwendete Lebenszeit. Jetzt fahren wir, zumindest im Winter, getrennt. Hat unserer Beziehung auch nicht geschadet.

    • Danke für’s Erzählen, Guinan!
      Ich glaube, das ist was, was man gar nicht schnell lernen kann und wo man immer irgendwie Zeit ‘verschwenden’ wird.
      Man kommt ja – ausser eben man hat diese Reaktionen des Körpers schon zu deuten gelernt – auch nicht direkt darauf, dass das alles im Zusammenhang stehen muss.

      Ich merke häufig an meinen körperlichen Reaktionen, dass ich Angst habe, kann aber dann spontan gar nicht sagen, was mir in der Lage Angst macht und muss manchmal erst mal tiefer graben und zB auch wirklich die Termine der nächsten paar Wochen angucken, bis es ins Bewusstsein sickert…

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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