Ich koche mir jetzt einen heissen Kakao und schnapp mir mein Buch. So.

Diese Momente, in denen man knietief im Frust steht, was umso schlimmer ist, weil man das eigentlich ganz anders im Sinn hatte…

Gestern hatte ich angefangen, mein Nähenlernprojekt wieder mal anzupacken und als es dann abends zu spät wurde und ich mich langsam mal um’s Essen kümmern wollte, fehlten mir eigentlich nur noch ein paar wenige Nähte. Heute hab ich zum Glück nicht viel auf dem Zettel, was unbedingt erledigt werden will und nachdem der Anfang beim Nähen gestern echt gut klappte, dachte ich, das sei jetzt fix zu Ende genäht und hab mich darauf gefreut, weil das Rattern der Nähmaschine ja schon irgendwie etwas Beruhigendes hat.

Soweit die Theorie. In der Praxis bin ich gerade auf 180 und völlig entnervt und frustriert, weil ich jetzt fast 2 Stunden dran gesessen habe, das blöde Ding, das ein Mäppchen für meine Stifte werden sollte, nicht fertig ist und auch gerade so aussieht als müsste ich alles, was ich heute daran genäht habe, nochmal auftrennen und von vorne anfangen, aber der eigentlich größte Frust besteht darin, dass ich die Nähmaschine nicht verstehe und ich allen Problemen furchtbar hilflos gegenüberstehe.

Bei meinem letzten Nähversuch, bei dem am Ende dann die durch den Henkel gewendete Tasche herausgekommen ist, hatte ich zwischendrin das Problem, dass all meine Nähte von oben aussahen als wären es die Stichunterseiten. Nur, dass die ja nichtmal anders aussehen, aber dieses Problem wirkte so. Googeln und langes durch Foren lesen ergab, dass mein Oberfadenspannung vermutlich zu straff sei und pling – nach dem Lockern ging alles wunderbar.

Heute hatte ich das Problem, dass mein Oberfaden dauernd reisst. Und das schon nach 2-3 Stichen. Ich habe in den letzten 2 Stunden vermutlich über 100 Mal den Faden neu eingefädelt (das kann ich jetzt nun wirklich ohne Anleitung!) und es hat nichts geholfen. Anfangs dachte ich, dass ich versehentlich den Reissverschluss erwischt hätte und dass der Faden deswegen gerissen sei, aber dann passte ich an der Stelle genau auf und auch dann riss er immer noch.

Ich habe die Unterfadenspule zweimal neu eingesetzt und den Faden eingefädelt, die Oberfadenspannung fester eingestellt und auch lockerer, ich habe die Nadel gewechselt, die Maschine angebettelt und vor Zorn geheult. Nichts. Ich habe alle möglichen Ursachen abgearbeitet, die mein Nähmaschinenhandbuch dafür hergibt. Und der Faden reisst und reisst und reisst wieder. Mittlerweile bin ich so zornig, dass meine Hände zu sehr zittern, um den blöden Faden auch nur noch einmal durch das verfluchte Nadelöhr dieser verdammten Maschine zu fädeln. Und es hätte, bevor ich vorhin in einem Wutanfall an der falschen Stelle was aufgetrennt habe, nur noch eine einzige Naht gefehlt, weil zwischendrin funktionierte es ja immer mal wieder für eine halbe Naht.

Und ich weiss natürlich, dass weder der Faden, noch das Nadelöhr was dafür können und auch nicht die Maschine, sondern dass ich an irgendeiner Stelle einen Fehler mache, den ich aber einfach nicht herausfinden kann. Und das macht es noch schlimmer, weil ich nicht mal guten Gewissens auf jemand anderen als mich selber schimpfen kann.

Und das, was mir heute Nachmittag eigentlich Spaß und Entspannung bringen sollte, frustriert mich zutiefst und sorgt dafür, dass ich mich wieder mal für eine Vollversagerin halte, die nicht mal so was Simples hinbekommt, wie eine Nähmaschine zu bedienen.

Vermutlich ist das Nähenlernprojekt in Wahrheit ein Geduld (mit mir selber) lernen Projekt.

Katja

(Übrigens sind das so Momente, wo ich meine Oma wahnsinnig vermisse. Die hätte keine 2 min an der Maschine gebraucht und aus dem Gefühl raus gewusst, woran es liegt.)

13 Kommentare zu “Ich koche mir jetzt einen heissen Kakao und schnapp mir mein Buch. So.

  1. Mir gefällt natürlich nicht, daß deine Nähmaschine/der Faden/die Welt dich da so schlimm gequält hat… aber ich fühle aus vollem Herzen mit dir. Hast du schon daran gedacht, daß du heute vielleicht versehentlich mit deinem…. ähm… Geduldsfaden… genäht… hast…? 😉

    Nee, im Ernst, ich habe mir ja vor einigen Jahren auch eine Nähmaschine zugelegt. Was ich damit alles nähen wollte! Ganz viele Kuscheltiere… Kissenbezüge… die komplette Wohnungseinrichtung inklusive sämtlicher Kinderkleidung! Und dann der Faden. Zack. Und dann wieder falsch genäht. Zack. Und dann wieder irgendwas komplett aufgetrennt. Zack. Und dann wieder der Faden. Und nun steht das Ding schon ewig im Schrank. 😦
    Menno. Laß es nicht soweit kommen, nein?

    Ich bewundere dich und deine ersten Nähergebnisse und daß du das richtig anpackst.., ich meine… die Tasche durch den Henkel und so…. und das Stiftemäppchen schaffst du auch noch, jawoll!

    Kakao und Buch waren jedenfalls eine gute Entscheidung.

    Liebe Grüße…
    🙂

  2. @Mandy: Hm, ob’s der Geduldsfaden war? Ich glaube nicht. Sonst hätte ich das nicht 2 Stunden durchgehalten. Wobei ich mich frage, ob’s nicht sinnvoller gewesen wäre, es nach ’ner halben Stunde gedanklich in die Ecke zu werfen und lieber anderswann weiterzumachen. Aber ich wollte das so gerne lösen und war dann immer verbissener. *soifz*
    Und nee, die landet nicht im Schrank. Also zumindest noch nicht. 😀 So schnell gebe ich mich nicht mehr geschlagen. 🙂
    Liebe Grüße zurück und ein schönes Wochenende für euch. 🙂

    @Guinan: *heftig nick* Ich glaube, ich empfinde das deswegen so schlimm, weil ich nicht genau verstehe, was das ‚Ding‘ überhaupt macht, folglich bin ich auch schnell mit meinem Latein am Ende, wenn’s nicht so funktioniert wie es soll und diese Hilflosigkeit fühlt sich für mich auch an, als würde ich in den Wahnsinn getrieben. Wahrscheinlich ist das Teil des Plans der Maschinen, die Weltherrschaft an sich zu reissen.

    Hm, ja. Die Lösungsideen habe ich (fast) alle durch. Fast alle davon (und noch einige mehr) finden sich in der Anleitung meiner Nähmaschine und die hab ich mehrfach durch. Einzig, die Platte hab ich noch nicht abgenommen um drunter nach Fusseln zu gucken. Das probiere ich dann noch. 🙂

    • Ich bastel gelegentlich an unseren PCs herum – sofern man mich lässt, dann da geht gelegentlich schon mal was daneben. Der eine davon war so ein In-den-Wahnsinn-treibe-Ding. Ich weiß nicht, wie oft ich den auseinander- und wieder zusammen gebaut habe. Mal war der Fehler weg – und dann wieder da – und dann wieder weg, und ich fand die Ursache nicht. Frust und Wutanfälle ohne Ende. Das zog sich über Wochen, bis ich dann endlich einen ganz winzigen Knick im Kabel zum Schalter fand, und das war’s dann. Bis dahin war ich aber schon zur Überzeugung gelang, dass es nur und ausschließlich an mir liegen könnte.

      Diese Sache mit der Fadenspannung stelle ich mir bei den sehr unterschiedlichen Spannvorrichtungen für Ober- und Unterfaden ziemlich schwierig vor. Und so eine Naht ist ja nur dann wirklich perfekt, wenn der Knoten im Stoff liegt, also die Spannung beider Fäden gleich. Da fehlt mir aber jegliche Ahnung von der Materie, ich bin schon in der Schule an den Nähmaschinen grandios gescheitert.

      • Weia, das klingt alleine schon beim Lesen extrem nervig. Das Schlimme ist, wenn sowas dann solche Fehler verursacht, dass man sich kümmern muss und nicht einfach irgendwann ‚du kannst mich mal‘ denken kann, weil’s zwar schön wäre, wenn’s besser funktionieren würde, aber auch ohne Behebung immerhin geht. (So ’ne Macke hat mein Rechner seit Monaten. Ich muss F2 drücken, sonst fährt er nicht hoch. Neue Mainboardbatterie hat das Problem für 3 Tage gelöst, neuer RAM (nicht deswegen gekauft, aber eben in der letzten Zeit eingebaut) für 2 Wochen, jede Änderung am Innenleben behebt das für ein paar Tage oder auch Wochen, dann geht’s wieder los – nervig, aber ich kann ihn ja ohne Einschränkung nutzen.)

        Ich hab mal in ’nem Forum gelesen, dass man die Fadenspannung eigentlich nur über die Oberfadenspannung anpasst, weil die Unterfadenspannung zu fummelig zu justieren sei. Bisher hat das auch immer genügt, aber vielleicht sollte ich mich damit jetzt doch mal befassen, wenn ich das Problem gar nicht gelöst bekomme.

  3. Ich bin ja eher der „Kann-nur-gerade-Nähte“, daher bin ich insbesondere mit hochmodernen Nähmaschinen völlig überfordert. Jedoch, auch ich hatte schon Nervkram mit gerissenen Fäden. Der Grund war mieses Garn. Seither kaufe ich nix mehr im 5-er-Billigpack. Außerdem kann man die Spule für den Unterfaden (zuminest bei den älteren Maschinen) so oder so rum in die kleine Keineahnungwiedasdingheißt einlegen und wenn das falsch herum geschieht haut die Fadenspannung auch nicht hin. Und die Fadenspannung sollte meiner bescheidenen Erfahrung nach immer an den jeweiligen Stoff angepasst werden – für Unterfaden UND Oberfaden… auch wenn´s friemelig ist.
    Und eines kannst Du mir mal glauben: ich saß auch schon vor der Nähmaschine und dachte, ich bin absolut zu blöd für dieses Ding! Das waren die Momente, in denen dann aber auch gar nichts mehr funktionierte! Irgendwie hab ich den Eindruck, dass Nähmaschinen – jetzt nicht lachen – seeehr sensibel sind. Denn je mehr ich zeterte desto schlimmer wurde alles. Seither rede ich micht dem Ding – das klappt ganz gut 🙂

    • Das Garn kann’s gerade nicht sein. Ich hab zwar ’ne Menge günstiges, aber ausgerechnet das, was ich da benutzt habe war teures. Und ich hab ja auch schon damit genäht ohne diese Probleme.

      Für Unterfadenkram schlage ich immer noch im Handbuch nach. Das hab ich noch nicht drin, wierum da was gehört, deswegen gucke ich jedes Mal.

      Wenn das Platte wegnehmen und Flusen suchen nichts hilft, muss ich wohl wirklich an die Unterfadenspannung ran – wenigstens um’s im Zweifel auszuschließen. *soifz*

      Ich hab mittlerweile zumindest den Eindruck, dass Nähmaschinen viel komplizierter sind, als ich mir das so vorgestellt hatte. Wahlweise bin ich natürlich auch einfach zu grobmotorisch und/oder dusslig. 😀

      Aber den Faden korrekt einfädeln – das kann ich jetzt immerhin. Und vielleicht probiere ich dann als nächstes auch das gut zureden statt schimpfen. Ich bin ja durchaus bereit weit zu gehen, wenn’s denn hilft. :mrgreen:

  4. Oh Katja, ich fühle mit Dir! Wie oft hat alleine die Tatsache, dass meine Maschine nicht ganz billig war, sie davor gerettet fliegen zu lernen. Ich bin nicht leicht aus der Ruhe zu bringen aber ich glaube, so viele Schimpfwörter verwende ich sonst nur beim Klettern.
    Und ich bin mittlerweile zu 2 Überzeugungen gekommen: Nähen beginnt mit dem Aufbrühen einer Kanne Tee (Kaffee tut’s natürlich auch 🙂 ). Das beruhigt die Nerven während dem Nähen. Und wenn es nicht geht, dann gehts halt an dem Tag nicht. Sobald ich merke, ich verrenne mich in einem Problem, höre ich auf, meistens ist es eh die Konzentration und da damit die Geduld, die Pause gegangen ist.
    Hast Du ein Nähemschinengeschäft in erreichbarer Nähe? Die sollten Dir helfen können 🙂

    • Das mit der Kanne Tee zum Einstieg gefällt mir gut! Das mache ich beim nächsten Mal auch so. 🙂
      Ich muss da, glaube ich, wirklich lernen, weniger verbissen zu sein. Mir kommt das immer noch ein bisschen wie Aufgeben vor, wenn ich mich nicht durchkämpfe und das möchte ich so ungerne. Dass es aber einfach manchmal nicht geht, erscheint mir so merkwürdig. Aber muss ja so sein, weil die Maschine am Tag vorher mit genau den gleichen Einstellungen, dem gleichen Faden, den gleichen Stoffen tadellos funktionierte und dann auf einmal nicht mehr. *soifz*

      Ich vermute, in Darmstadt gäbe es so einen Laden, aber ich glaube, mir würde das nicht leicht fallen, dorthin zu gehen.

  5. Hier wollte ich auch noch was schreiben. Nämlich, dass ich zuerst mal fürchterlich grinsen musste 😀 Da habe ich mich total wieder erkannt. Die völlige Verzweiflung und die immer schwitziger werdende Finger, die unterdrückte Wut und das trotzdem nicht aufgeben wollen – c’est moi *hand reich*

    Manchmal hilft es tatsächlich die Maschine einmal richtig sauber zu machen, gerade wenn man mit recht fusselnden Stoffen gearbeitet hat. Die Platte abzuschrauben finde ich aber übertrieben, vor allem weil da ja noch keine Kilometer an Stoff durchgerattert sind.

    An der Unterfadenspannung kann es tatsächlich liegen – allerdings, wenn Du Dich da ranwagen solltest – bitte äußerst vorsichtig, in winzig kleinen Schritten. Am besten fotografiere die Stellung des Schräubchens, damit Du notfalls zurück kannst, sonst stimmt hinterher gar nichts mehr, das ist wirklich recht heikel. Zumindest das Problem mit der schlaufigen Unterseite liegt 100%ig an der falschen Spannung von Ober- oder Unterfaden.

    Was das Reißen des Fadens angeht solltest Du Rabenhaus Tipp doch noch mal überdenken. Teures Garn, gut, aber wenn es nicht mit den zu verarbeitenden Stoffen zusammen passt, passt es einfach nicht. Ein komplett anderes Garn einzuspannen hat mich schon oft davor bewahrt die Maschine aus dem Fenster zu werfen, das ist mittlerweile das, was ich als erstes ausprobiere.
    Wenn Du den Oberfaden komplett eingespannt hast, zieh mal daran, bevor Du ihn in die Nadel spannst, er sollte sich (mit etwas Spannung natürlich) leicht ziehen lassen.

    Das ist, was mir so aus der Ferne ad hoc einfällt, vielleicht hilft ja was 🙂

    Tanya, trotzdem grinsend.

    • Irgendwie ist das ein wenig tröstend, dass ihr das alle auch kennt und dass die Fehlerursachen ja auch so vielfältig sein können und es kein Patentrezept gibt. Natürlich wäre das wünschenswert, aber so fühle ich mich wenigstens nicht mehr ganz als wäre ich einfach nur zu blöd zum Nähen. 😀

      Die Platte hab ich natürlich schon abgeschraubt und alles gesäubert und auch diese Behausung für den Unterfaden nach Anleitung geölt. Hat natürlich alles nichts geholfen. *soifz*
      Die Unterfadenspannung hab ich leider auch schon verpfuscht, das mit dem Bild wäre eine gute Idee gewesen. Ich wollte da eigentlich ungerne ran, weil auch meine Maschinenanleitung sagt ‚lass die Finger davon. Das muss quasi nie verändert werden.‘, aber in meiner Verzweiflung wusste ich mir keinen anderen Rat mehr. Ich hing ja jetzt nochmal 2 Tage lang je über 2 Stunden dran für 2 Mininähte. *soifz*

      Das mit dem Garn werde ich mir merken, dass ich das demnächst immer als erstes probiere. 🙂

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