52 Bücher, Teil 10

Beim aktuellen Thema des 52 Bücherprojektes geht es darum, ein Buch blind aus dem Regal zu fischen und vorzustellen. Es gab auch noch eine alternative Methode das auszuwürfeln, aber ich wollte gerne heute Nachmittag noch etwas anderes machen. 😀 Um aber nicht allzu genau zu wissen, wo ich hingreife, hab ich mich mit geschlossenen Augen 5 mal auf dem Bürodrehstuhl gedreht, bin dann schwindlig im Kopf aufgestolpert und hab mich an einem Buch des Regals hinter mir festgeklammert.

Und das war

Evangeline von D.W. Buffa

und direkt beim Augen öffnen hat mir der Anblick des Titels eine Gänsehaut gemacht, weil ich mich so gut an die Geschichte erinnern kann.

In dem Buch geht es um eine Verhandlung, bei der der Kapitän einer Luxussegelyacht vor Gericht steht. Die Yacht war gekentert und es dauerte lange Wochen bis die Überlebenden, die sich in ein Boot retten konnten, gefunden wurden. In dieser Zeit trieben sie auf dem offenen Meer und als sie alle zu verhungern und zu verdursten drohten, traf der Kapitän eine unglaubliche Entscheidung (die ich hier nicht näher ausschmücken möchte). Vor Gericht wird nicht die Frage verhandelt, ob er 6 Menschen getötet hat, um – ich weiss nicht mehr genau wieviele – zu retten, dazu bekennt er sich, das steht ausser Frage. Es geht in der Verhandlung um die Frage, ob er eine Wahl hatte. Ist es moralisch oder barbarisch, Menschenleben für Menschenleben zu opfern?

Und kann man das überhaupt vom trockenen heimischen Lesesessel aus beurteilen?

Das Buch ist erschütternd und sehr intensiv. Mich hat es damals wochenlang immer wieder beschäftigt, auch als ich es längst ausgelesen hatte.

Die Vorgänge auf dem Boot an sich bleiben, wenn ich mich richtig erinnere, so unpräzise, dass man das auch lesen kann, wenn man die Saw-Reihe nicht zu seinen Lieblingsfilmen zählt. Aber alleine das Wissen, worum es da geht, war für mich schon starker Tobak.

Auf jeden Fall eines der wirklich guten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Katja