Eigentlich wollte ich hier einen fröhlichen Juhu-Neues-Jahr-Beitrag schreiben

Der Gedankenwust fühlt sich gerade nach Gefängnis an, kreiselt nur im Kopf rum und findet seit Tagen und Wochen kein wirkliches Ventil. Ich müsste mich hinsetzen und die Gedanken über die Tastatur entlassen, den Kopf via Tastatur entlasten, aber über diesen Gedanken komme ich gerade nur selten hinaus. Jahreswechsel, wieder eines rum. Zu keiner Zeit im Jahr ist der Fluss der Zeit, der sich seit Jahren nach reissendem viel zu schnell fließendem Strom anfühlt, mir so bewusst. Schon wieder ein Jahr rum, das zwingt mir immer die Frage nach dem ‚und wo stehe ich‘ auf. Und gerade sind die Gedanken so verworren und verknastet, dass ich nur die Teile des Stillstands wahrnehme. Ich bin ein ganzes Jahr lang kein Stück vorangekommen, trete nur auf der Stelle rum. Und obwohl ich weiss, wie wenig das stimmt, fühlt es sich trotzdem gerade so an. Zieht mich runter, deprimiert mich. Dabei will ich nicht deprimiert sein, will nicht nur diesen Stillstandsteil sehen, sondern lieber den anderen Teil bemerken, will so gerne voller Energie durchstarten….Und dann atme ich aus und sacke zusammen und die Schultern fallen nach vorne und die Tränen schießen in die Augen.

Das neue Jahr fing damit an, dass nachdem wir hier seit fast 5 Jahren wohnen, in der Silvesternacht der erste ‚Kontakt‘ zu den Nachbarn von einmal über die Straße weg stattfand. Der Kontakt war schmerzhaft. Eine deren Silvesterraketen stieg nicht nach oben, sondern schoss knapp über dem Boden waagerecht auf mich zu und traf mich, ohne dass ich die Chance gehabt hätte, ausweichen zu können, mit Wucht kurz unterhalb des Knies. Von allen möglichen Feuerwerksunfällen, war das wohl einer der harmlosen Sorte. Ausser einem gewaltigen Schrecken und einem geschwollenen Bluterguss habe ich nichts abbekommen, das Ding explodierte zu meinem Glück nicht. Die Gleichgültigkeit, mit der die Nachbarn ihren ‚Treffer‘ nicht mal wirklich zur Kenntnis nahmen und völlig unbeeindruckt mit ihrem Feuerwerk weitermachten, traf mich fast genauso hart wie die Rakete. Das sind also die Nachbarn. Funktioniert so die Welt?

Ich sehne mich danach, wieder mal eine Nacht lang schlafen zu können, glaube, dass ich mich unter anderem deswegen so angeschlagen fühle, weil ich wieder mal gar nicht mehr zur Ruhe komme, doch gerade helfen nicht mal Tabletten dabei, den Kopf mal runterzufahren.

Es bleiben der Trost, dass das neue Jahr eigentlich ja nur noch besser werden kann und der Gedanke, dass ich noch viel intensiver Bestandsaufnahmen festhalten sollte, um Fortschritte auch genau dann wahrnehmen zu können, wenn ich sie am dringendstens bräuchte, um mich daran aufzurichten.

Ein gutes neues Jahr euch allen!

Katja