Heute vor einem Jahr

…hatte ich nachmittags einen Termin bei meiner Friseurin. Während ich auf dem Stuhl saß und sie mir die Haare schnitt, konnte ich das Schneetreiben vorm Fenster beobachten und sie erzählte mir, dass sie Heiligabend in aller Herrgottsfrühe in ihr Auto steigen wolle – sie hatte gerade so den Führerschein – und bei Wind und Wetter loswollte, um Weihnachten in Hamburg zu verbringen, da hat sie einen Onkel. Sie hätte den schon so lange besuchen wollen und ihre Eltern wären zwar traurig, wenn sie über die Feiertage weg wäre und ihr selber sei auch ordentlich mulmig beim Gedanken an die Fahrt beim angekündigten Wetterchaos, aber sie müsse das jetzt einfach machen. Sonst wird das nie was.

Und als ich den Salon verließ, 20 cm weniger Haare auf dem Kopf, und zu meinem Auto ging, holte ich mein Handy aus der Tasche und knipste jenes Foto oben. So lange hatte ich schon vor, ein Jahr lang ein tägliches Foto zu knipsen und die ganze Zeit stand ich mir mit meinen zwanghaften alle Eventualitäten vorher zu bedenken und alle Hättewärewenns zu wälzen und mir Gedanken über die möglichen Gefühle zu machen, wenn ich’s nicht schaffen würde das ein Jahr lang durchzuhalten und wie sehr mich das runterziehen könnte und… und… und…

Manche Dinge muss man einfach anfangen und gucken wo sie hinführen. Sonst wird das nie was. Und so kam es zu dem Foto.

Und jetzt können alle Bedenken und Befürchtungen und Hättewärewenns mal brav die Klappe halten und sich in die Ecke verziehen. Ich hab’s nämlich geschafft. Ich habe seit 16.12.2010 an jedem einzelnen Tag (mindestens) ein Foto geknipst und es am gleichen Tag direkt in mein Blog zu diesem Projekt hochgeladen. Fotos ohne großartigen künstlerischen Anspruch (ein paar davon sind trotzdem ganz hübsch geworden), aber dafür konsequent täglich. Und wenn’s ein Foto der Schlafzimmerlampe, wacklig mit dem Handy geknipst und hochgeladen, an kranken Tagen war. Dass Corina vom 1. Januar an mitgemacht hat, war sicherlich mit einer der Gründe, weswegen mir das Durchhalten letztendlich sogar viel leichter als gedacht fiel. Gesellschaft motiviert und es war einfach spannend zu sehen, wie unterschiedlich unsere Motive an den meisten Tagen waren, aber wie ähnlich dann doch zufällig an einigen anderen. Macht Laune!

Und ich bin stolz auf mein ‚a picture a day – a year‚ – es fühlt sich gut an, das durchgezogen zu haben.

Und weil ich das Gefühl habe, dass ich, seit ich täglich knipse und ein Motiv suche, viel aufmerksamer durch die Welt stolpere, mag ich das auch weiterhin tun. Mal sehen, ob immer noch mit dieser mir selber gegenüber strengen Konsequenz, die mich im Urlaub an einigen Tagen ziemlich Nerven gekostet hat, weil das spanische UMTS Netz des spanischen Anbieters, von dem ich – primär für diesen Zweck – extra eine Prepaidkarte hatte, oft nicht so wollte, wie es sollte. Aber weitermachen will ich auf jeden Fall.

Und irgendwie musste das heute sein. Ein Jahr später:

Und zum Friseur müsste ich auch dringend mal wieder. 😀

Katja