It’s not that easy being green

Am Rhein war noch alles okay, zumindest irgendwie, aber dann beim Einkaufen, mitten im Laden, ist die Panik auf einmal da und ich merke, wie mir schwindlig wird und ich mich gerade noch so am Wagen festklammernd auf den Beinen halten kann. Wie in Trance weitermachen, zur Kasse gehen, raus, nach Hause fahren und dann, kaum ist die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, laufen mir die Tränen über’s Gesicht. Und ich frage mich, ob ich es nicht vielleicht einfach irgendwann mal, in irgendeinem Jahr hinnehmen sollte, dass der November mich früher oder später doch wieder erwischen wird und ob das vielleicht mit weniger Wucht geschehen würde, diese Traurigkeit, wenn ich nicht jedes Jahr auf’s Neue versuchen würde, sie zu umgehen.

Seit Tagen merke ich, wie sie immer höhersteigt, merke, wie mich der Alltag komplett überfordert, was immer eine gute Wasserstandsanzeige ist, dass es nicht nur einfach mal ein schlechter Tag ist, will’s nicht wahrhaben, will das nicht mehr, bin mit mir selber unzufrieden, weil alle Versuche, mich davor zu wappnen, nichts anderes als brüchige Dämme sind, die früher oder später einreissen.

Ich hab das so satt. Vor allem, dass völlig egal zu sein scheint, was ich unternehme, was ich versuche, um dem zu entgehen. Und manchmal denke ich, je heftiger ich mich wehre, desto heftiger erwischt es mich dann. Und manchmal frage ich mich, ob es gerade das Gewappnet-sein-zu-wollen ist, was letztendlich alles auslöst. Mit diesem Willen und meinen Unternehmungen, mich in einem Jahr mal nicht unterkriegen zu lassen – vielleicht zementiere ich gerade damit aber, dass mich die Depressionen überrollen werden, weil ich sie damit als zwangsläufig gegeben und eintreffend annehme? Aber ich habe auch viel zu viel Angst davor, hinterrücks erwischt zu werden, als dass ich es schaffen könnte, locker zu bleiben, dem November gelassen entgegenzusehen, nicht zu versuchen, das alles zu umgehen.

Ist es wirklich so, dass ich gar nicht anders kann als abwarten, bis es mich überrollt und dann versuchen, nicht allzu tief zu fallen und möglichst bald wieder rauszukommen? Ist das so? Muss das so sein?

Ich fühle mich gerade gefangen, zwischen Verzweiflung und Wut, kann nicht mal mehr einschätzen, ob ich hier gerade wirklich meinen Kopf auskippe oder ob das einfach nur sinnloses Gejammer ist.

Mist das.

Katja

11 Kommentare zu “It’s not that easy being green

  1. kannst du denn ‚meta‘ überlegen, was du tun kannst, wenn du in einem solchen loch bist? also, bevor du da drin bist? oder führt das dazu, daß du reinfällst… falls nicht, könnte es ja sein, daß es sich lohnt, rückschläge [wie beim rauchen] im vorhinein als ‚zwar sehr unangenehm, aber möglich‘ zu betrachten und sich eine strategie zu überlegen… das ist jedenfalls das, was ich bei bzw. vor meinen [zugegeben kleineren] zwischenfällen mache. dieses WE war auch bei mir eher uncool.

    fühl‘ dich gedrückt!!

  2. @hühnschn: Ja, ich hab da ohnehin Strategien mittlerweile, wie ich leichter rauskomme/nicht so tief falle. Was mich so nervt ist, dass ich scheinbar das Fallen nicht verhindern kann – egal was ich auch unternehme. Und nichts zu unternehmen traue ich mich nicht. *soifz*

    Beim Rauchen aufhören hatte ich dahingehend keine Strategien. Das hätte nicht funktioniert, hätte ich mir die überlegt, hätte ich auch direkt wieder rauchen können.

    Ich drück mal zurück ob des uncoolen Wochenendes! Also ansonsten auch, aber so noch drückiger (oder so).

    @Rüdiger: Aye. Und alle Jahre wieder um diese Zeit. 🙄 *rumknurr*

  3. *Eine Ladung Sonne ‚rüberschieb*
    Der Nebel hat sich verzogen und meinen unaufgeräumten Garten überzuckert zurückgelassen. Der Himmel ist noch grau, aber so ein helles, leuchtendes, gar nicht trübes. Und alles, was da noch so herumsteht an Gräsern, Schilf und Staudenresten, das funkelt und glitzert.
    Wir gehen direkt vom Sommer in den Winter, November fällt dieses Jahr aus.

    • Oh ja bitte! (Zur Sonne und zum Ausfall des Novembers, wobei bei letzterem vermutlich die Erinnerungsträchtigkeit noch schlimmer ist als die Dunkelheit, die er so mitbringt.)

  4. Dabei ist der November doch so ein schöner Monat: die Tage werden kürzer, nebelige Morgende lassen alles ein bisschen stiller und zurückhaltender erscheinen, als im grellen Licht des Sommers. Kerzen finden wieder den Weg auf den Tisch und tauchen alles in warme Farben. Für mich ist der November immer wie eine kleine Pause. Bis es im Dezember dann wieder mit Weihnachten und Gedöns losgeht, der Winter mit Schneeschaufeln und Eiseskälte daherkommt…

    Wie schade, dass dieser Monat für dich so ein elendlicher ist…

    • Ich glaube, es ist wirklich diese Kombination aus 4 Daten, die in der zweiten Novemberhälfte liegen und die mich immer ziemlich aufwühlen und der Dunkelheit. Ich kann dem echt nichts abgewinnen, wenn die Tage kürzer werden, auch wenn ich es noch so sehr versuche. *soifz*

      Ich finde das übrigens schön, wie du den November siehst und er sich für dich anfühlt. Darüber zu lesen, macht mir ein wärmeres Gefühl als der Versuch, das selber so zum empfinden. 🙂

  5. Der Beitrag ist schon etwas älter aber: Hast Du mal versucht, das ganze on außen zu betrachten? Also Dir vorzustellen, dass es einer Freundin so geht wie Dir (Dir selber aber gut), was würdest Du ihr sagen?

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