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Weisste was? Ich hab die Schnauze so gestrichten voll von deinen scheiss manipulativen Versuchen, dadurch dass du allen in deinem Umfeld ein schlechtes Gewissen machst, zu bekommen, was du willst. Im Nachhinein betrachtet ist das das einzige, was du wirklich perfekt beherrscht.

Wann in deinem Leben, hast du je Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer genommen, wenn die dem entgegenstanden, was du willst? Wann hat dich je interessiert, was mit uns gewesen ist? Wann hast du je zurückgesteckt, in diesen wirklich wichtigen Dingen?

Und selbst, wenn ich in den Jahren und an solchen Stellen versucht habe, mit dir darüber zu reden, welche Auswirkungen deine Entscheidungen auf andere haben, ging es dir immer nur um dich.

Sicherlich, in Kleinigkeiten bist du großzügig, umsorgst und kümmerst dich und schreibst dir dein Martyrium deutlich auf die Stirn, um es morgens im Spiegel zu bewundern. Aber was ist mit den wichtigen Dingen? Die, um die es wirklich ging und geht?

Und ich hab das nicht gemerkt. Nicht mit 5, nicht mit 15, nicht mit 25 und bin gesprungen und hab getanzt – nach deiner Pfeife. Du hast schon dafür gesorgt, dass ich das tun werde, wenn ich mich nicht wie ein herzloses Miststück fühlen will.

Und das wirklich schlimme daran ist, dass ich nicht mal glaube, dass du das alles bewusst machst. Auch bei dir laufen nur Muster ab und deine haben dein Leben lang funktioniert, ohne dass du sie erkannt hättest. Und wieder schaffst du es, dass ich alleine deswegen ein schlechtes Gewissen habe. Kann ich, darf ich dir denn überhaupt einen Vorwurf machen, wenn du zu unreflektiert bist und auch zu dumm, um irgendetwas zu verstehen? Darf ich mich denn überhaupt wieder ein Stück weit zurückziehen, wo du doch eh so ‚einsam‘ bist?

Grrrr. Ich ertappe mich bei diesen Gedanken und fühle mich wie Pawlows Hund – gut gedrillt, gut eingeübt, brave Gedankenbahnen, die genau dem Muster folgen, das du ihnen eingeimpft hast.

Ich merke, dass es mir gerade überhaupt nicht gut tut, mit dir zu reden und doch gehe ich aus diesem doofen schlechten Gewissen heraus immer wieder ans Telefon, wenn du anrufst.

Ich weiss nicht, ob ich zu feige oder zu rücksichtsvoll bin, dir zu sagen, dass du mich erst mal in Ruhe lassen sollst. Und ich weiss auch nicht, ob ich nicht doch traurig wäre, wenn du es tatsächlich tätest, anstatt mir einmal das Gefühl zu geben, dir wichtig zu sein, dem ich mein ganzes Leben lang hinterhergelaufen bin. Das ist fast das Schlimmste daran, dass irgendwo immer noch diese verschissene Hoffnung lebt, von der ich schon seit Jahren weiss, wie schädlich sie für mich ist, wie abhängig sie mich macht, wie sehr sie mich am vorankommen hindert. Immer steht da diese kleinere Ausgabe von mir selber mit einem ‚Bitte hab mich doch lieb‘ in den Augen und diese tiefe Sehnsucht nach dir, wird wohl nie in meinem Leben weg gehen und es gibt nichts, was sie heute stillen kann, weil sie gar nicht aus dem Hier und Jetzt stammt.

Ich kann nicht und will nicht so tun als wäre alles cool und froody. Das ist es nämlich gerade nicht.

Und doch bin ich ratlos, wo gerade der für mich richtige Weg liegt. Ausnahmsweise und endlich mal mein Weg, nicht jener, auf den du mich am liebsten dirigieren würdest.

Und bis ich das weiss? Weitermachen? Vermutlich ist das am besten.

Konfus alles. Alles konfus.

Traurig.

Katja