Trick 17 mit Selbstüberlistung

(oder: Mein Unterbewusstsein, die alte Pottsau.)

Alles war gut und ich heute fit und motiviert wie seit langem nicht mehr – bis ein dussliger Anruf, bei dem ich lediglich aus Pflichtbewusstsein, gepaart mit schlechtem Gewissen überhaupt rangegangen bin, mir alle Engergie geraubt hat. Danach hatte sich irgendwie alles Yay des Tages in Schluffimumpf aufgelöst und um das Rausgehen noch ein bisschen zu verzögern fing ich also erst mal an, Kuchen zu backen. Das wollte ich eigentlich ohnehin, zumindest so eventuell, weil in der Küche immer noch eine halbe Schüssel gemopster Falläpfel stand, die mir langsam aber sicher, die Fruchtfliegenarmeen in die Küche lockten.

Und da der Kuchen zwischendurch eh zweimal abkühlen muss, bot es sich an, erst mal damit anzufangen.

Und rumzutrödeln.

Und mich dann vorm Einkaufen drücken, weil der Boden ja schon abgekühlt war, ich also auch den Apfelpamp schonmal drauf basteln konnte.

Und rumtrödeln funktionierte auch immer noch.

Und plötzlich war’s dann eigentlich doch schon viel zu spät, um heute noch einzukaufen und so dringend ist ja auch gar nichts, dass es nicht bis morgen hätte warten können. Schluffimumpf hatte gewonnen. NICHT rausgehen.

Und ich konnte ja nicht mal wirklich was dafür, dass das heute nicht mehr klappen sollte. Immerhin war ich beschäftigt! Jawoll!

Die Erleichterung verflüchtigte sich just in dem Moment, in dem ich – jetzt wieder viel gelassener, weil ich ja nicht rausmusste – den Kuchen, der schon wieder abgekühlt war, fertig machen wollte. Dass ich die Sahne heute erst noch besorgen müsste, hatte ich erfolgreich verdrängt.

Über der Frage, wer hier eigentlich wen ausgetrickst hat und ob ich vielleicht unbewusst genau den Kuchen angepeilt hatte, für den ich noch einkaufen musste, hielt sich wenigstens die Angst in Grenzen.

Et voilà, Schwedische Apfeltorte:

Rezept gibt’s hier. Ich habe aber statt Gelantine einfach 2 Päckchen Vanillepuddingpulver reingebammelt und die Butter in der Apfelmasse habe ich komplett verbummelt. Tut dem aber vermutlich keinen Abbruch.

Angefixt hat mich wieder mal Corina, die letztens nochmal nachdrücklich piekste als es den Leckermansch bei ihr zum Frühstück gab.

Katja

(Zur Herkunft des Titels. Als Kind hätte ich ja geschworen, mein Opa hat’s erfunden. :D)

kurz zitiert #24

Da ging er mit dem Euschfatt nach der Neßkuhle und goß den Kahn leer, der immer noch Wasser machte. Kalfatert muß der werden, das war ein Apfel, und wenn sein Vater nicht so auf den Stutz gefahren wäre, hätten sie es auch zusammen getan: nun mußte er wohl allein dabei.

(Gorch Fock, Seefahrt ist Not, Seite 52)

Ich hätte nicht gedacht, dass ich beim Lesen eines deutschsprachigen Buches mal fast so wenig verstehen würde, wie beim Pricipito, dem Kleinen Prinzen, den ich ja vor kurzem erst auf Spanisch gelesen habe, aber der Gorch Fock gibt mir dauernd Rätsel auf. Und trotzdem liebe ich das Buch nach etwas über einem Drittel schon heiss und innig. Nicht trotz, sondern gerade wegen der alten und verschrobenen und maritimen und oft friesischen Sprache.

Solche Sätze wie

Gesine Külper, die schönste Deern der Hamburger Seite des Eilandes, um die die Junggäste einander Sonntag abends auf Musik bannig in die Wanten stiegen, weil keiner sie dem anderen gönnte und jeder sie nach Hause bringen wollte, senkte die Wimpern und neigte den stolzen Kopf, nicht allein, weil sie wußte, daß es ihr gut stand, sondern auch um die Seefischerei, um alle Freundschaft, Bekanntschaft und Verwandtschaft, die unter Segeln war.

(Gorch Fock, Seefahrt ist Not, Seite 8 )

klingen so schön verschroben in meinen Ohren, dass sie mich hachzen lassen. Das katapultiert mich direkt in eine Mischung aus sämtlichen Kindheitsurlauben in Norddeutschland, Erzählungen meines Opas von früher und alten Schwarz-Weiss-Filmen mit Hans Albers mit einem Schifferklavier (!) in der Hand.

Lesen, um einer bestimmten Sprache wegen, das mag ich, je mehr ich lese, immer lieber. Bücher, bei denen mich die Sprache – und das selbst, wenn ich so vieles nicht verstehe – so erwischt, dass es gar nicht wichtig ist, was in der Geschichte passiert und dass ich alle Worte verstehe, weil ich es einfach so schön finde, diese Sprache zu lesen. Hachz.

Und dann noch dieses herrliches Plattdeusch, in das Gorch Fock immer in wörtlicher Rede oder auch in den Gedanken der Charaktere wechselt, was ich wunderbar finde, weil es die Figuren so authentisch macht – die schnackten nunmal Platt und sprachen kein Hochdeutsch:

Gesa schüttelte den Kopf. „Wat magst du woll so dull prohlen, Klaus Mees, as wenn du unsen Herrgott sien best Jung würst?“
Er sah sie groß an. „Wat meenst du dat?“ fragte er verwundert. „Ik kann mien Leben doch ne anners moken ast is: grot und klor un scheun! Dort steihst du, dort sitt mien Jung, hier steiht mien Hus, dat sünd mien Linnenbäum, dor buten liggt mien Ewer, un hier bün ik sülben, oder is dat all ne wohr? Lot den Dübel klogen: ik frei mi to dat, wat ik hebb! Un ik gläuf, uns Herrgott süht ok leber en vergneugten Minschen as en trurigen!“

(Gorch Fock, Seefahrt ist Not, Seite 78)

Herrlich. Mir gefällt das so gut.

Katja