You can run but you can never hide

Gerade fast jeden Tag zu merken, wie sich meine Grenzen momentan verschoben haben, wie dicht sie mir wieder auf die Pelle gerückt sind, ist etwas, das mich fast verzweifeln lässt.

Ich kann keinen Fuß vor die Tür setzen, ohne vorher Kämpfe mit der Angst auszutragen.

Alles fast so wie vor ein paar Jahren und doch so anders.

Jetzt weiss ich so viel mehr, verstehe Zusammenhänge, wo ich früher vor Wänden stand. Und doch nützt mir all dieses Wissen und Erkennen und Verstehen nichts, weil Kopf und Verstand leider so wenig zu melden haben, wenn die Angst sich erhebt und mir wie Wellen über’m Kopf zusammenschlägt.

Und es fällt mir so schwer, meinen Optimismus nicht gänzlich zu verlieren. Mir selber einzureden, dass das nur eine Phase ist. Dass ich nur wieder ausreichend viele gute Erfahrungen vor der Tür machen muss – das hat ja immerhin schon einmal funktioniert. Dass irgendwann dieser blöde Knoten im Kopf wieder platzen wird und dass mich das nicht wieder so viel Zeit und Kraft kosten wird wie vor ein paar Jahren.

Und ich sag mir all das jeden verdammten Tag und dann muss ich losheulen, weil ich nicht mal weiss, ob ich mir das selber glaube. Wen will ich also damit beeindrucken und überzeugen?

Es. kotzt. mich. so. an.

Dass das Leben irgendwie nie einfach ist und ein ständiger Kampf – damit habe ich mich ja mittlerweile abgefunden und ich find’s auch irgendwie ok, weil mich all das Kämpfen irgendwie doch zu mir selber führt und mich voranbringt.

Aber jetzt wieder die gleichen Kämpfe führen zu müssen wie vor einigen Jahren und keine neuen, die mich spürbar voranbringen – das fühlt sich so unfair an. Und wenn ich so empfinde, dann bekomme ich Angst, zu jammern oder in Selbstmitleid zu verfallen und gehe mir selber auf die Nerven. Ich. will. das. nicht.

Entschuldigung, heute nur unkonstruktives Gekotze. Diese ewigen schon bekannten und schonmal ausgetragenen Kämpfe machen mich völlig gaga und müde.

~You can run but you can never hide
From the shadow that’s creepin‘ up beside you~

Katja

17 Kommentare zu “You can run but you can never hide

  1. Liebe Katja…

    Mich macht es sehr traurig, zu lesen, wie es dir geht. Und ich würde dir so gerne etwas dazu sagen, fürchte nur, dass du damit nichts anfangen können wirst. Falls du das dennoch möchtest und meine Meinung wissen willst, dann gib mir nur ein Zeichen. Deine Email-Adresse habe ich noch. Ich wünschte, du müsstest das nicht durchmachen. Niemand müsste das durchmachen. Am wenigsten Menschen, die das einfach nicht verdient haben.

  2. Neulich habe ich mich, etwas zeitversetzt, rausgetraut. Ich war sogar in einem *anderen* Geschäft einkaufen, war ein schwerer Kampf.
    Lange Zeit, Jahrzehnte, ist es anderen nicht aufgefallen dass ich „unter Menschen“ oft Probleme habe. Mir selbst ist es auch nicht aufgefallen.

    Vielleicht weil ich für *Jemanden* einkaufen gegangen bin. Für *Jemanden* etwas erledigt habe. Nicht für mich selbst. Jetzt, wo kein Jemand da ist, funktioniert vieles nicht mehr.

    Es ist zwar eine Notlösung aber vielleicht versuche demnächst mal für Katja Bilder zu machen.

    …allerdings habe ich mit der DigiKam noch keine wirklichen Erfolgserlebnisse gehabt. Das mach die Sache nicht leichter. Mal sehen, vielleicht wird das was.

    Ein bisschen resigniert habe ich auch. Teilweise werde ich das „ich muss das loswerden“ durch „ich lerne einigermaßen damit umzugehen“ ersetzen.

    Liebe Grüße, mitfühlend (soweit das möglich ist) und Danke für neulich.

  3. hey, ich drück dich mal aus der ferne!! leider ist das leben schwer, ich würd auch grad gern den kopf in den sand stecken, aber irgendwie geht doch alles weiter, und irgendwie ergibt sich doch alles immer wieder zum positiven!!

  4. @hühnschn: *drücks* [Ich mag dich mit Talsperre ebenso wie als Wasserfall!]

    @Sherry: Du Liebe, bitte nicht traurig sein, wegen den Dingen, die ich aufschreibe! Und ob ich mit dem, was du gerne sagen würdest, etwas anfangen kann – das können wir wohl beide nur herausfinden, falls du’s aufschreiben magst. 🙂 Meine Mailadresse hast du ja.

    @Corina: *ärmel*

    @Rüdiger: *re*

    @Waelti: Lieber Waelti, es wäre mir eine große Ehre, wenn du rausgingest, um Fotos für mich zu machen! Wirklich! Und es ist völlig egal, wie gelungen oder nicht sie werden – ich würde sie als Trophäen bewundern, weil sie von einem Ausflug nach draussen zeugen. 🙂
    Zum ‚ich muss das loswerden‘: Hast du mal versucht, das andersrum zu denken und zu empfinden? Nicht ‚ich will das nicht mehr‘ sondern ganz bewusst an die Dinge gedacht, die du dir wünscht/willst? Mir hat das vor Jahren sehr geholfen, eine Liste zu schreiben von Dingen, die ich ‚will‘ (und alleine der Schritt vom ‚ich würde gerne‘ hin zum ‚ich will!‘ hat mich damals viel Kraft gekostet). Da waren ganz banale Dinge drauf wie ‚in der Sonne sitzen und ein Eis essen‘ (und selbst das war für mich damals eine große Hausnummer) bis hin zu ‚vom Eiffelturm auf Paris gucken‘ (was ich damals für gänzlich unvorstellbar hielt) – ersteres erledige ich mittlerweile häufiger und vielleicht sogar nachher (zumindest bin ich mit einer sehr lieben Frau aus meinem Spanischkurs zum Kaffee verabredet und kneifen gilt nicht) und sogar in Paris bin ich vor 2 Jahren gewesen.
    Langer Text, verzeih, kurz fassen gelingt mir nie. Eigentlich wollte ich nur sagen: Nicht aufgeben! Ich freue mich auf deine Fotos! 🙂

    @Ulli: Ich drück mal zurück und guck mir vielleicht ein bisschen was von deiner Zuversicht ab. 🙂

    • Hallo Katja,
      erstmal: Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Nein, der Text war nicht zu lang. Geht mir häufig auch so wenn das Herz auf der Zunge liegt. Ich versuch’s trotzdem sehr kurz. Unterschied zwischen wünschen, wollen und tun ist schon klar. Läuft im Moment nicht so gut. Versuch mit Foto ist gescheitert, aber ich hab’s probiert. Ehrenwort!
      Muss ich erst alles verdauen. Halte mich ein paar Tage zurück.

      • Lieber Waelti, keine Bange, ich bin da nicht ungeduldig und freue mich einfach darauf, wenn du dann ein Foto mitbringst. 🙂
        Nimm bitte alles an Ermutigung mit, was du hier finden kannst, aber nie irgendeine Art der Bedrängung – das liegt mir fern. 🙂

  5. „Wen will ich also damit beeindrucken und überzeugen?“
    Du musst niemanden beeindrucken und Dich selber schon gar nicht, Katja. Einfach gesagt, ich weiß.
    Auch wenn es für Dich vielleicht nicht sichtbar ist, bin ich absolut davon überzeugt, dass Dir die Erfahrungen von vor ein paar Jahren helfen werden, über die jetztige Phase zu kommen.
    *drück*

  6. …mpf… darf ich Dir eine Frage stellen? Du schreibst, dass Du hoffst, wenn Du nur wieder ausreichend gute Erfahrungen gesammelt hast, wird es auch wieder besser… Gab es im Vorfeld, also bevor das ganze Dilemma anfing, böse/schlechte Erfahrungen, die sich irgendwo bei Dir eingenistet haben, und die dich daran hindern „einfach hinauszugehen“? Ich weiß, das ist eine sehr persönliche Frage. Und Du musst sie mir auch nicht beantworten.
    So´n schlicht gestrickter Mensch, wie ich einer bin, der einfach die Tür aufreißt und hinauspurzelt, wann immer ihm danach ist, so einer sucht immer nach einer Erklärung, nach dem Wiesoweshalbwarum.
    Wie gesagt, ich kann es ganz und gar verstehen, wenn Du mir diese Frage nicht beantwortest.
    Ich sende Dir von Herzen eine große Kiste Optimismus. Du hast es schon einmal geschafft – dann kannst Du es auch wieder schaffen!

  7. @Henry: Danke vielmals, lieber Henry. 🙂

    @Frau Leo: Das ‚beeindrucken‘ meinte auch eher, dass mein doofer Bauch vom doofen Kopf unbeeindruckt bleibt.
    Und ja, ich glaube ja eigentlich auch, dass es die Erfahrung von früher dieses Mal leichter macht. Das ist nur nicht immer so einfach hervorzukramen, deswegen bin ich froh über deine Zuversicht. 🙂

    @Rabea: Ich nehme an, du meinst jetzt im Vorfeld dieser aktuellen Krise? Ich glaube, das hängt wirklich alles noch mit meinem Brügge Besuch und der Panikattacke auf dem Turm zusammen. Als hätte diese akute Panik dort den Rückspulknopf gedrückt und mich in die Zeit vor ein paar Jahren zurückgebeamt, wo ich vor lauter Angst (mit der ich damals erst mal lernen musste überhaupt umzugehen) gar nicht vor die Tür gehen konnte.
    Und mein Kopf und Verstand wissen genau, wie doof das ist und dass ich _eigentlich_ rausgehen kann und dass das alles supi ist und trotzdem bin ich den Gefühlen gegenüber ziemlich ohnmächtig, weil mich die Panik fast jedes Mal wieder überrollt, wenn ich vor die Tür gehen will.
    Ich gehe dann meistens trotzdem, wenn die körperlichen Symptome sich gelegt haben, aber es ist einfach nervig und doof und beeinträchtigend. Und das erst recht, weil mir das dieses Mal ’sehend‘ passiert und der Kopf ja weiss, wo’s lang geht – nur die Gefühle und der Körper machen nicht so recht mit. *soifz*

    Ich weiss gar nicht, ob das deine Frage beantwortet. Ich glaube, dass es sehr schwer nachvollziehbar (und folglich auch erklärbar) ist, wenn man das (zum Glück!) nicht selber kennt.

    Die Optimismuskiste nehme ich gerne und mach sie auch direkt auf! 🙂

  8. Danke für Deine Antwort.
    Selbst hatte ich nur ein einziges mal in meinem Leben eine richtig große Panikattacke, mit allem drum und dran und sie fand ganz isoliert nur zu einem klitzekleinen Thema statt. Der Attacke vorausgegangen waren zwei sehr schlimme Erfahrungen. Somit war das Ganze für mich völlig nachvollziehbar und erklärbar. Ich machte mir keine Vorwürfe wegen meines (seinerzeit für mich völlig überraschenden) Verhaltens in „der Öffentlichkeit“. Ganz im Gegenteil, ich nahm es ohne zu zögern als einen Teil von mir an. Und es dauerte einige Zeit, bis ich in der entsprechenden Situation wieder „normal“ reagieren konnte.

    Und wie damals nehme ich mich auch heute noch im Geiste in den Arm, wenn ich an das Geschehene denke. Das klingt jetzt sicher total daneben, aber genau das tue ich. Ich sage mir, dass es o.k. ist, was passiert ist. Und mir hat es gezeigt, dass mich Dinge aus der Bahn werfen können – einfach so. Seither gehe ich irgendwie fürsorglicher mit mir um, denke nicht mehr, ich müsse alles so wegpacken können. Seither weiß ich auch, wie wichtig es für mich ist, mir meine Fehlbarkeit verzeihen zu können.

    Und seither kann ich mir ansatzweise vorstellen, wie es Menschen geht, die von ihrer Panik überrollt werden, wie Du es formulierst.

    Ich wünsche Dir von Herzen Zuversicht und Kraft.

    • Danke Rabea, das berührt mich wirklich sehr!
      Ich finde überhaupt nicht, dass es daneben klingt, ganz im Gegenteil. Was du machst ist das gesunde Verhalten – gut zu sich selber sein.

      Ich lerne das gerade erst ganz langsam und das ist eine mühsame Lektion, wenn man sein Leben lang mit sich selber hart und ungnädig war und immer nur anderen verzeihen konnte aber nie sich selber. Und ich bin da – obwohl ich weiss, dass es gesünder wäre – auch noch weit von entfernt, mich nicht selber runter zu machen. *soifz*

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.