Onze-Lieve-Vrouwekerk

Auch wenn das so klingen mag, dabei handelt es sich nicht um eine neue Superstaubsaugermarke, sondern um den landessprachlichen Namen der Brügger Liebfrauenkirche, deren Turm als einer von dreien (zusammen mit jenem der Sint-Salvator-Kathedrale und dem Belfried) weithin sichtbar ist.

Eigentlich wollte ich ja bei einer Stadt, in der es soviel zu gucken gibt und noch dazu bei so schönem Wetter nicht unbedingt schon wieder Zeit in schummrigen Kirchen verbringen, aber als ich im Vorfeld las, dass es dort eines der wenigen, ausserhalb Italiens zu findenden, Werke Michelangelos zu sehen gibt, war das Grund genug, doch ein bisschen Zeit in der schummrigen Kirche zu verbringen.

Das Gebäude an sich fand ich – aussen wie innen – überraschend schnörkellos. Im Gegensatz zu vielen anderen (und soweit ich mich erinnere fast alles gotischen) Kirchen, die ich in den letzten Jahren besucht habe (zB die unglaublich aufwändig verzierte Kathedrale von Sevilla), ist die Liebfrauenkirche in Brügge mit ihren Backsteingewölbedecken sehr schlicht. Ich fand das aber recht angenehm, weil man mal nicht vom Pomp erschlagen wurde.

Und dann stand ich irgendwann vor Michelangelos Madonna und die war eingebettet in eine Art Altar, also zumindest umrahmt von vielen anderen (nicht von Michelangelo stammenden) Figuren und mir wurde zum ersten Mal klar, weswegen die Kunst, die dieser Mann vor 500 Jahren geschaffen hat, etwas so besonderes ist. Man musste sich dafür nämlich nur die direkt benachbarten Figuren anschauen und mit der Madonna vergleichen. Wie plump und leblos jene anderen wirken und wie zart und lebendig die Madonna daneben aussieht, bei der man fast erwartet, dass sie gleich aufsteht, dass sich die fließenden Falten ihres Gewandes neu bilden und dass sie davon geht.

Meine Vergleichsfotos sind leider alle ziemlich unscharf geworden. Ich habe bei den Aufnahmen in der dunklen Kirche (und auch sonstigen Aufnahmen im Dunklen) zum ersten Mal deutlich wahrgenommen, wo die Grenzen meiner kleinen Kompaktkamera verlaufen und beschlossen, dass es an der Zeit ist, mir das Handbuch mal vorzuknöpfen (anstatt wie bisher einfach drauflos zu knipsen) um rauszufinden, ob ich nicht doch irgendwo die ISO-Werte manuell einstellen kann. ISO 800, was die Kamera automatisch wählt bei solchen Dunkelaufnahmen rauscht einfach gewaltig.

Äh ja.

Aber eine Aufnahme zweier besonders hässlicher Putten (nee, gar nicht wahr, die waren alle gleichhässlich) ist einigermaßen scharf geworden und zeigt vielleicht ein wenig, was mich bewegt hat als ich die zum Heulen schöne Madonna betrachtete. (Klick macht übrigens alle Fotos größer und bei der Madonna lohnt es sich genauer hinzusehen.)


Unglaublich, dass das wirklich kühler Stein sein soll und kein echter Stoff, so fließend wie das aussieht.

Und nachdem ich die dann bestaunt hatte, habe ich mal gedanklich Rom auch noch zu den Orten addiert, die ich eigentlich gerne mal sehen würde. (Wobei mich da vermutlich erschlagen würde auszuwählen, was ich mir ansehen mag. Zeit ist ja immer so kostbar und die Aufnahmefähigkeit begrenzt.)

Die Zeit im Dunklen hat sich dann doch gelohnt. 🙂

Katja