Da heisst nicht nur der Zenobier Qual

Ich weiss nicht, ob es das viel-lesen in der letzten Zeit ausmacht, dass sich die Wahrnehmung verändert hat, dass die Sinne geschärfter sind beim Lesen und dass mir mehr Dinge auffallen.

Gerade habe ich mich durch den dritten Band der Chaos-Kompanie Trilogie von Robert Asprin gequält und als ich die Serie vor einigen Jahren schonmal gelesen habe, sind mir die Dinge nicht aufgefallen, die es dieses Mal so zur Qual gemacht haben.

Ich liebe Asprin und ich liebe die ersten beiden Bände der Serie, wo man Anteil daran hat, wie Willard Narrish, einer der reichsten Männer des Universums, als Hauptmann Joker einen Haufen von Verlierern und Verbrechern in eine Elite-Kompanie der Weltraumlegion verwandelt – hauptsächlich dadurch, dass er an die von ihm Befehligten glaubt und sie wie Gewinner behandelt. Auch wenn das ganze reichlich überzogen und unrealistisch ist, hat es mich trotzdem, jedes Mal beim Lesen wieder amüsiert und in seinen Bann gezogen, wie die Truppe zusammenwächst, eine Einheit von Freunden wird, die ob nun Mensch oder Synthianer, loyal wie ein Mann hinter ihrem Hauptmann steht. Ich mag das subtile Vorgehen, mit dem Narrisch die kriminellen Machenschaften seiner Legionäre, aber auch seine ‚Feinde‘ in Schach hält und ich mag die Ironie des Butlers, mit der er ein ums andere Mal, Kritik an seinem Arbeitgeber loswird. Hachz.

Und dann kommt Band 3 und bei jenem taucht Asprin nur als Co-Autor auf dem Cover auf und ich frage mich, ob er überhaupt eine Zeile des Buches geschrieben hat und ob der Co-Autor überhaupt die ersten beiden Bände der Serie gelesen hat – zumindest so intensiv, um mit den Charakteren vertraut zu werden. Der Hauptmann verkommt zur platt vorgehenden Gestalt, der seinen Leuten misstraut und sich zu offen ausgetragenen persönlichen Vendettas hinreissen lässt und auch die anderen Charaktere sind nur noch Abziehbilder ihrer selbst. So schade, da wird wirklich alles kaputt geschrieben, was die Bücher für mich ausmacht. 😦

Ich hoffe – sollte ich in ein paar Jahren mal wieder nach der Reihe im Regal greifen – dass ich dann daran denke, nach dem zweiten Band einfach aufzuhören und den dritten gar nicht mehr zu lesen. So sehr musste ich mich wirklich lange durch kein Buch quälen und ich war einige Male kurz davor, es ins Regal zu stellen, ohne es fertig zu lesen.

Katja