Kurz zitiert (12)

„Haben Sie im Frühling schon einmal ein Fohlen auf einer Koppel beobachtet?“ fragte der Professor plötzlich.
[…]
„Ja“, sagte Hector, „ich habe neulich erst eins gesehen.“
„Und? Woher wussten Sie, dass es glücklich war? Für das kleine Fohlen sind Sie ein bisschen der Marsmensch, verstehen Sie, häm? häm?“
Das war schon wieder eine wunderliche Bemerkung, aber Hector begann sich daran zu gewöhnen, wie der Professor die Dinge sah.
„Ah ja, ich begreife, dass es glücklich ist, weil es wiehert, Luftsprünge macht, spielen will… Vor meinem Marsmenschen könnte ich lächeln, trällern, lauthals lachen, Freudentänze aufführen, Purzelbäume schlagen und ihm erklären, dass die Menschen glücklich sind, wenn sie so etwas machen. Auf jeden Fall haben sie in dem Augenblick, in dem sie es machen, gute Laune.“
„Da sehen Sie mal“, sagte der Professor. „Sie haben die drei großen Methoden der Glücksmessung gefunden.“

 

(aus François Lelord, Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, Seite 149)

 

Ich weiss nicht, wie man den Stil nennt, wenn eine Geschichte einen aussenstehenden Erzähler hat, der auf das Geschehen blickt und sich mit dem Leser in dem Wissen verbündet, dass er ihm eine Geschichte erzählt, aber ich mag ihn bei jedem Buch, das ich in diesem Stil lese, wieder auf’s neue.

Hectors Reise ist keine Geschichte zum Eintauchen, aber mich hat das Buch gerade sehr gefesselt, weil ich immer wieder bei der Frage lande, was Glück ausmacht und ich dem ohnehin immer ziemlich bewusst hinterherspüre.

Interessant und lesenswert für alle, die sich, fernab von reinen Sachtexten, Denkanstöße über das Geheimnis des Glücks holen mögen.

Katja