Spielzimmer

Charlotta erzählte von ihrer Ecke im Wohnzimmer, die sie für ihr inneres Kind eingerichtet hat – wo es sich nach Herzenslust austoben und spielen kann. Schon während ich ihren Text las, hielt ich es für eine wunderbare Idee, mir diese Spielecken in meinen eigenen Räumen mal vor Augen zu halten. Dass ich viele davon habe und dass dahinter eine Sehnsucht steckt, die fast so alt ist wie ich und die damals nie ihre Erfüllung gefunden hat, ist mir schon länger klar. Trotzdem machen mich diese Dinge gelegentlich ein wenig verlegen, wenn durch und durch erwachsene Menschen diese Ecken entdecken und ich – abgesehen davon, dass solche Menschen selten fragen sondern eher überheblich grinsen – nicht so richtig wüsste, wie ich das jemandem erklären soll, wieso ich in so vielen Belangen so ein Kindskopf bin und dass mir das oft einfach gut tut und wichtig für mich ist, mich mit solchen Sachen zu beschäftigen.
Charlotta fragte, oder eher lud ein, das eigene Spielzimmer zu beschreiben. Das nicht nur für mich sondern öffentlich zu tun, fällt mir nicht ganz leicht, aber ich mag’s trotzdem versuchen:

Bei mir gibt es keine so wirkliche Spielzimmerecke in der Wohnung, aber ich umgebe mich mit vielen Dingen, die man eher in Kinderzimmern erwarten würde.

In meiner Küche hängt eine Kinderzimmergardine, auf der Fensterbank stehen Playmobil Sonnenblumen (überhaupt gibt es überall in der Wohnung verstreut Playmobilfiguren und auch ansonsten sind hier, wenn es schon ‚Stehschöns‘ gibt, sind diese fast alle eher kindlicher Kram als Erwachsenenzeug) und an der Wand hängt ein großer Janoschwandkalender. Den Janoschkalender habe ich schon seit über 10 Jahren jedes Jahr wieder.

Mein Lieblingssofakissen ist ein Plüschkissenbär, der Körper ist das Kissen und er hat vier Pfoten und einen Kopf dran.

Ein Teil der Ordnungsboxen im Arbeitszimmerregal sind Boxen mit Sesamstraßenmotiven (Ich mochte übrigens schon immer Ernie viel lieber als Bert, die olle Spaßbremse!) und im Bücherregal hinter mir sammeln sich mittlerweile einige Plüschschlüsselanhänger, die ich nicht an Schlüsseln befestige, sondern die dort eben sitzen. Die stammen allesamt aus dem Lieblingsdiscouter, wo es sie in unregelmäßigen Abständen gibt. Und mir fällt es ungeheuer schwer daran vorbeizugehen. Also gestehe ich mir zu, einen davon zu kaufen. Und wenn es beim nächsten Einkauf noch welche davon gibt, die ich noch nicht habe, erlaube ich mir noch einen. Und wenn es…

Zwischen den Büchern im Regal finden sich immer wieder Kinderbücher und einige ‚ausgewachsene‘ Autoren könnten sich ein Beispiel daran nehmen, wie begabte Menschen, Bücher für Kinder schreiben. Komplizierter macht es selten besser, oft nur komplizierter.

Äh und im Schlafzimmer finden sich am Kopfende des Bettes und an einer kompletten Wand Regale, auf denen meine Plüschtiere wohnen. An neuen gehe ich schweren Herzens vorbei (verflucht, Knopfaugen zu widerstehen ist für mich eine der größten Aufgaben, die das Leben stellt), aber auf diesen Regalen finden sich wirklich alle. Auch mein Teddy, den ich zur Geburt bekam und vor dem ich in den ersten Lebensjahren immer Angst hatte. Auch mein Steif Eichhörnchen, das ich als Baby und Kleinkind immer dabei hatte – den Zeigefinger um seine Pfote gehakt und den Daumen im Mund steckend. Und auch der große Teddy von der Losbude auf dem Rummel im letzten Jahr, der zwar recht groß, aber der jüngste der Bande ist und den ich immer bewachen muss, wenn die Lieblingsschwester zu Besuch ist, weil sie ihn am liebsten entführen würde. Und irgendwie haben die alle ihre eigene Seele und ihren Charakter.

Und natürlich haben der Lieblingsteddy und das Nilschwein (das so heisst, weil derjenige, der es mir vor 24 Jahren schenkte, und ich uns nicht einigen konnten, ob es ein Nilpferd oder ein Schwein ist und das ausserdem Modell stand für meinen Couchtisch, den ich euch vielleicht irgendwann mal zeige) und Mecki, das kleine türkise Nilpferd mit dem pinkfarbenen Herzen nicht nur einen Platz in meinem Herzen, sondern auch einen in meinem Bett. Und ohne die fahre ich auch nicht in Urlaub. Geht nicht.

*schluck*

Nicht lachen, ja? Wenn ihr das total doof findet, sagt bitte einfach gar nichts. Speziell bei solche Sachen ist die Kleene nämlich echt empfindlich.

Katja

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24 Kommentare zu “Spielzimmer

  1. Hey… das klingt für mich nach einer völlig normalen Wohnung! Im Ernst… ohne Plüschtiere geht es nicht. Und an unserer Schlafzimmerwand hängt ein „echter“ Janosch und während ich das schreibe, schaut mich Pittiplatsch von meinem Monitor aus an.

    Hach… mir würde es gut gefallen bei dir, da bin ich ganz sicher…

    Wenn ich es schaffe, werde ich auch mal meine Spielecken zeigen/beschreiben, ja? Und die haben nicht das geringste mit den Spielsachen unserer Rüben zu tun, kannste glauben… 😉

    Liebe verspielte Grüße

  2. @Magrat: Oh ja, wäre toll, falls du auch Lust hättest, zu beschreiben.
    Dass dir das vertraut vorkommt, dachte ich mir in der Tat. 🙂

    Ein echter Janosch? Wow! Johnny Häusler von Spreeblick hatte vor einer Weile mal verlinkt zu ’nem britischen Auktionshaus, wo die Originalzeichnungen aus Pu, der Bär versteigert wurden. Wenn die nicht so teuer gewesen wären…

    @Corina: Hachz! Danke. 🙂 Und natürlich re!

    Und japp, der Tisch zeigt das Nili im Profil und rechts das ist der Fuß und links das die Nase.

  3. Daumen hoch! 🙂 Zum einen machen Wohnungen ohne persönliche Dinge auf mich einfach einen „sterilen“ Eindruck. (Da könnte ich dann auch gleich ins Möbelhaus ziehen…) Und auf der anderen Seite sind diese persönlichen Dinge – was auch immer das sein mag – meist mit Erinnerungen verbunden. Und wenn man sich darauf einlässt und Interesse zeigt, bekommt man vielleicht (wenn man ganz viel Glück hat) die eine oder andere Seite an einem Menschen zu sehen, die sonst möglicherweise nicht gezeigt worden wäre. Kurz und knapp: das ist normal und wird gern gesehen.

    • Danke für den Daumen. 🙂

      Ich weiss nicht so genau, was das ist, dass es mir bei einigen Dingen schwerer macht sie zu zeigen/zu erzählen als bei anderen.

      Hmm, kennste das Gefühl, dass einen, wenn man Freunde besucht, deren Unordnung gar nicht wirklich auffällt bzw. einem schlicht nicht wichtig ist, weil man ja den Freund besuchen möchte, aber wenn man selber Besuch bekommt, ist’s einem unangenehm – wenn die Chaoslevel sich auch gleichen?

      Ich glaube, mir geht es mit solchen Dingen ähnlich. Ich finde auch bewohnte Wohnungen, denen man das anmerkt viel schöner als Wohnungen, die man auch im Möbelhaus vorführen könnte und trotzdem habe ich bei der eigenen immer das Gefühl, dass das irgendwie hmm komisch ist, so wie’s ist. Auch wenn der Kopf weiss, dass das Unfug ist, der Bauch mault trotzdem.
      Vielleicht liegt es daran, dass persönliche Einblicke natürlich dem Reingucker auch Macht verleihen. *Schultern zuck*

      • Jemandem etwas von sich zu zeigen, verleiht dem Gegenüber unweigerlich Macht. Aber wir haben ja zum Glück die Wahl, uns die (meisten) Menschen aussuchen zu können, denen wir diese Art Einblick gewähren. Dass ist ein Gedanke, an den ich mich immer halte, wenn auf Arbeit im Pausenraum wieder „Haste schon gewusst, dass der mit der…“ und „Gestern habe ich den und den getroffen und der hat doch tatsächlich neulich…“ läuft. Mich beruhigt diese freie Wahl dann ungemein. 🙂
        Und das mit dem Aufräumen bzw. dem Chaoslevel in der eigenen Wohnung bzw. auf Besuch bei Freunden kenne ich tatsächlich. Mich stört es relativ wenig, wie’s bei anderen aussieht. Und doch mache ich mir einen Kopf darum, was andere über mein Chaos denken. Vielleicht macht man aber auch nur so einen Wind drum, weil man möchte, dass sich der Besuch wohlfühlt?

      • In persönlichen Gesprächen ist das in der Tat ja so, dass man es sich bewusst aussucht und ich glaube, genau dieser Unterschied ist es, der mir hier auffiel. Wenn ich etwas in mein Blog schreibe, dann gebe ich diese ‚Kontrolle‘ ab, wer es letztendlich lesen wird. Das kann ich meistens beim Schreiben ganz gut ‚vergessen‘, aber eben nicht bei allen Themen. 🙂

        Das mit dem Wohlfühlen ist ein Punkt, den ich wieder mal vergessen hatte. *nick* Ja, daran ist mir schon sehr gelegen.

        Und ich glaube, bei mir ist es auch eine Sache die gegen meine Unsicherheit hilft. Wenn mir der Zustand meiner Wohnung unangenehm ist, schürt das die Unsicherheit noch zusätzlich und das muss ich mir nicht antun.^^

  4. Ich finde es nicht doof. Überhaupt nicht. Die Kleinen müssen spielen. Das sagte ich bereits.
    Und wer sonst noch mag, kann natürlich gern seine Zimmer für die inneren Kinder beschreiben. Ich würde mich freuen. Schön wäre, wenn ich einen Link bekäme. Damit ich die Zimmer auch alle sehen kann. Ich hatte im Übrigen während des Studiums immer das Sandmännchen als Desktop-Bild (manche Ex-Kommilitonen sehen das im Nachhinein als Omen, weil ich doch ausschließlich Nachtdienst arbeite :D)

    • Diese Befürchtung und mein Hinweis, dass ich bei diesem Thema noch mehr Memme bin als ansonsten, war auch an niemanden der ‚bekannten‘ Menschen, die hier lesen gerichtet. 🙂

      Hmm, ich glaube, ich stelle mal direkt wieder einen Strand als Desktophintergrund ein. Wenn darin das Geheimnis der Traumerfüllung liegt. Yeah! Charlotta, damit kannste reich werden. 😀

  5. So ein Nilpferd hab ich auch. Zumindest in der Art. Meins hat allerdings noch eine Bauchtasche, in dem drei kleine Nilpferde wohnen 😀

    • 😀

      (Ein gutes Indiz ist übrigens: Wer schon in meiner Küche stehend kritisch guckt und fragt ‚Huch? Ist das etwa eine Kinderzimmergardine?‘ (wirklich schon erlebt), darf dann nicht unbedingt erwarten, den Rest der Wohnung zu sehen zu bekommen. :D)

  6. Das hört sich nach viel Puscheligkeit an! Ist bei mir auch so. Und ohne meinen Lieblingsteddy aus der Kindheit, bei dem sogar noch die Quietschfunktion heil ist, gehe ich auch nicht auf Reisen. 🙂
    Von mir kommt auch noch ein Bericht, aber ich will noch ein paar Fotos schießen.

  7. Pingback: Wohnt ihr noch oder spielt ihr schon? | Sicht-Weise. Der Blog.

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