Neulich vor der Post

Vor der Post der kleinen Stadt gibt es 5 Parkplätze, solche ‚Kopfparklücken‘  – die Bezeichnung habe ich vor Äonen mal in der Fahrschule gelernt, vermutlich haben die mittlerweile einen viel stylisheren Namen, sowas wie Ahead-Gap oder so – wo man ganz einfach vorwärts einparkt. Zwei benachbarte Parkplätze waren frei, alle anderen belegt, als die Frau im dicken Audi vor mir und ich fast zeitgleich den Blinker links setzen um dort einzuparken. Sie fährt in den rechten der freien Plätze rein, ziemlich ungeschickt, steht fast 20 cm über die Begrenzungslinie zum letzten verbleibenden freien Parkplatz. Nach rechts hat sie etwa ’nen Meter Luft bis zum nächsten geparkten Fahrzeug. Ich fahre extra noch nicht in die Lücke, warte, damit sie nochmal bequem vor und zurück fahren und sich besser hinstellen kann, da stellt sie den Motor ab. Um’s mal mit Jules Worten zu sagen: Ich glaube, mein Rentier pfeift!

Es ist klar, da passt nicht noch ein Auto rein, zumindest nicht, wenn beide noch die Tür aufbekommen wollen. In einem völlig ungeahnten Anflug von Geistesgegenwärtigkeit fahre ich, während sie, noch im Wagen sitzend, ihre Siebensachen zusammensucht, in die Parklücke. So weit nach rechts, dass ich meine Fahrertür noch aufbekommen werde, zu dicht an ihrem Wagen, als dass sie ihre noch aufbekäme.

Während ich aussteige, sehe ich sie empört hinter der Scheibe gestikulieren. Wie befreiend es sich anfühlt, sie freundlich anzulächeln, während ich meine Klappbox mit den Kekspäckchen aus dem Kofferraum hole und ihr den Stinkefinger nur gedanklich zeige!

Als ich in die Post verschwinde, sitzt sie immer noch in ihrem ‚Gefängnis‘ und regt sich auf, anstatt einfach einmal zurück zu fahren und einen halben Meter weiter nach rechts, wo sie jede Menge Platz hätte.

Diese seltenen Momente, wo mich die Dreistigkeit von anderen mal nicht sprachlos macht, sondern wo ich solchem Verhalten wirklich angemessen begegnen kann, mal nicht den Kopf einziehe, die tun wirklich richtig gut! 🙂

Katja

15 Kommentare zu “Neulich vor der Post

  1. Ich applaudiere dir jetzt im Geiste. Gut gemacht! Die Welt (bzw. eher die Menschen) ist eben doch gerecht. Wobei es ja schön wäre, wenn sie durch deine Aktion das gecheckt hätte anstatt sich aufzuregen, aber dass man aus Fehlern lernt ist vielleicht auch nenn tucken zu viel verlangt.

    Mich regt das ja zugegebenermaßen auch immer auf wenn die Leute sich wie die Axt im Walde verhalten und einfach nicht mitdenken, tuen ja leider viel zu viele.

  2. Tja, entweder, nochmal raus- und wieder reinfahren oder auf der Beifahrerseite aussteigen … ^^.
    Kann mir aber als Nicht-Autofahrerin trotzdem gut vorstellen, wie befriedigend es sein kann, wenn frau doch nur alles richtig gemacht hat ;).

    ein nickend applaudierendes Inchen

  3. Hehe… prima, gut gemacht, Katja! :))

    Oh ja… Einparken ist eine Kunst (könnte man glauben)… es gibt natürlich schon manchmal Tage, wo man sich einfach blöd anstellt, aber dann wird eben so lange hin und her und vor und zurück gefahren, bis es paßt.

    Leider haben es manche einfach nicht nötig (denken sie jedenfalls)… Aber denen zeigen wir’s! Jawoll!

    Liebe Grüße… 🙂

  4. Das hast du absolut super gemacht!!! Wie gut das sie auch noch in dem Auto saß, und nicht erst später dazugekommen ist 🙂
    Wahrscheinlich ist sie aber, nachdem du weg warst, eh über die Beifahrerseite ausgestiegen *lol*

  5. @alle: Dankesehr für eure Bestärkung. 🙂
    Für mich ist das echt ungewohnt, in so Situationen nicht den Kopf einzuziehen und wenn ich das mal schaffe, frage ich mich meist hinterher, ob das wirklich richtig und nötig war, was ich gemacht hätte und ob’s nicht einfach viel höflicher gewesen wäre, nachzugeben. *soifz*
    Daher bin ich da auch ein bisschen stolz drauf, eben weil ich auch hinterher noch der Meinung war, dass das jetzt das Richtige war.

    @Magrat: Ich stelle mich eigentlich dauernd blöd an beim Parken. Aber diese Kopfparklücken sind ja nun wirklich die einfachste Möglichkeit und man kann an dieser Stelle auch mit ausreichend Abstand ranfahren, dass der Winkel hinhaut und man nicht rangieren muss. Also eigentlich.

    • Ich hab die ja normalerweise auch nicht. Zwei Stunden später fallen mir die besten Antworten ein, aber ich fürchte, das geht nicht mehr als Schlagfertigkeit durch. 😉

  6. Danke, mit diesen Worten hast Du meinen Tag gerettet. Ich habe ja richtig herzhaft gelacht… 🙂 Gibt genügend Menschen, die so rücksichtslos parken. Muss nur aufstehen und zum Fenster rausschauen…

    • Vorm Haus geht das bei uns zum Glück ganz ordentlich zu. Wir haben einen Hof vor den Garagen und jeder parkt vor der eigenen (und Fremde parken ja nicht einfach auf einem Privatgrundstück).

      Wenn dir das ein Lachen entlockt hat, freut mich das sehr! Sei herzlich Willkommen auf meinem Blog. 🙂

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