Wenn einer eine Reise tut (7)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6)

Montag, 26.10. The Rock

Eigentlich war das ja gar nicht so weit bis Gibraltar, 130 km etwa, aber die Strecke führte kurvenreich durch die Berge und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wir La Línea de la Concepción, die spanische Stadt an der Grenze zu Gibraltar, erreichen. Der Anblick des aus dem Meer ragenden Felsen in seiner beeindruckenden Größe trifft mich völlig unvermittelt. Wow, ist das riesig!

 

The Rock

Das Navi zeigt kurz vor der Grenzlinie seltsam verschlungene und verschachtelte Straßenführung an und es dauert einen Moment bis uns klar wird, dass es sich dabei, fast wie bei der Fahrattraktion im Freizeitpark, um die gewundene Warteschlange für den Grenzübertritt handelt. Ich nehme an, wir haben Glück – es dauert nämlich nicht allzu lange bis wir durch das Geschwurbel durch und über die Grenze drüber sind. Dazu müssen wir quer über’s Rollfeld des Flughafens fahren, eine Ampel sorgt dafür, dass man nicht in startende oder landende Flugzeuge kracht. 😀

Auf der anderen Seite erwartet uns eine völlig andere Welt: britische ‚Bobbies‘ in Uniform mit ihren typischen Helmen, rote litfasssäulenförmige Briefkästen des Royal Gibraltar Post Office, überall Fish & Chips-Buden und in der Luft ein ‚Duft‘ von Frittierfett, Kinder in Schuluniformen in unterschiedlichen Farben (wohl je nach Schulzugehörigkeit) und und und. Alles wirkt ein wenig als wäre es den Gibraltarern immens wichtig ihre Zugehörigkeit zum Britischen Überseegebiet zu zeigen, sich möglichst von den direkten spanischen Nachbarn zu unterscheiden. Sehr bizarr.

Die Innenstadt erscheint wie ein riesiger Duty-Free-Shop. Also eigentlich sind es viele verschiedene. Tabakwaren- und Alkoholläden reihen sich an Fotoausrüstungsgeschäfte und Parfumshops, die sich wiederum an Tabakwaren- und Alkoholläden anschließen, dazwischen lediglich Souvenirshops, Restaurants und Burger-Buden und überall Menschenmassen. Ufff.

Irgendwann folgen wir dem Angebot eines der vielen Guides, mit seinem Kleinbus-Taxi die Tour auf den Upper-Rock, das Naturschutzgebiet mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten weit oberhalb der Stadt zu machen. Mindestens so unterhaltsam und lehrreich wie das Gucken an den Haltepunkten erweist sich die Fahrt mit dem Guide, der uns jede Menge Informationen über ‚The Rock‘ gibt. Nach einem Jahr hab ich die natürlich leider fast alle vergessen, was jedoch hängen geblieben ist, ist dass es auf Gibraltar ca. 30 km Strassenlänge gibt (wenn man alle Wege auch auf dem Berg zusammenrechnet) und mehr als 30.000 zugelassene Fahrzeuge! Extrem erstaunlich, dass wir trotzdem sehr schnell einen Parkplatz gefunden hatten (was ja in Spanien quasi unmöglich ist)!

Blick auf Afrika

St. Michael's Cave

 

links: Afrika, rechts: Spanien, vorne: Gibraltar, ganz vorne: Äffchen

Höhlen und Tunnel vom spanischen Festland aus fotografiert

Aus den Höhlen in Richtung spanisches Festland fotografiert (mit Blick auf den Flughafen)

Mein persönliches Highlight waren natürlich die überall auf dem Felsen frei lebenden Berberäffchen, denen ich stundenlang hätte zuschauen können. 🙂 Anfassen darf man sie verständlicherweise nicht, auch wenn mir das echt schwerfiel *soifz*. Und in meinen Rucksack packen und mitnehmen durfte ich auch keines! *schmoll*

Zwischen den einzelnen Haltepunkten immer wieder die Fahrt mit dem Taxi durch die enggeschlängelten Serpentinen am Berg, die mich ein ums andere Mal die Luft anhalten ließen, weil es bei Gegenverkehr haarscharf war. Unser Guide plauderte aber locker weiter und steuerte nervenstark und ohne mit der Wimper zu zucken an entgegenkommenden Kleinbussen vorbei, wo ich vermutlich hinter einem Steuer sitzend, vollkommen die Nerven verloren und den Kopf heulend auf’s Lenkrad geworfen hätte, weil’s so abartig eng war. :mrgreen:

Union Jack auf dem (ehemaligen?) Gefängnis

Obwohl es schon spät ist als wir den Felsen verlassen und wir die Rückfahrt schon fast im Dunklen antreten, machen wir auf dem Weg noch den geplanten Abstecher nach Tarifa, besser gesagt zur Punta de Tarifa, dem südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Der Abstand nach Marokko beträgt hier nur 14 km. Zu sehen gibt’s natürlich nichts mehr in der Dunkelheit (die Fotos bringe ich dann in ein paar Wochen mit, dieses Mal sind wir nur ca. 40 km von Tarifa (und übrigens nur 15 km von Gibraltar) entfernt) und es ist schweinewindig – aber immerhin gelingt uns noch ein Blick auf die nahen Lichter der afrikanischen Küste, die ahnen lassen, dass der andere Kontinent nur einen Steinwurf entfernt ist.

Blick auf Afrika

Jetzt fehlt eigentlich nicht mehr viel vom letztjährigen Urlaub. Mal sehen, ob ich das noch hinbekomme, bevor es dieses Jahr losgeht.

Katja

9 Kommentare zu “Wenn einer eine Reise tut (7)

  1. Ooh… Blick auf Afrika… das ist schon irgendwie etwas… Atemberaubendes, oder? Da geht mir altem Globetrotter (höhö) das Herz auf, aber wirklich jetzt…

    Die Berberaffen sind toll, auch, daß sie sich so schön haben knipsen lassen, macht sie sehr sympathisch, nicht? Wir haben welche in einem Affenpark hier in der Nähe, aber so frei herumlaufend ist natürlich noch einmal ganz etwas anderes…

    Na, jedenfalls bin ich schon auf die nächsten alten / neuen Bilder gespannt!

    🙂

  2. @Magrat: Aye! Ich fand das auch extrem spannend und was Besonderes auf den anderen Kontinent zu gucken. Keine Ahnung, wieso sich das so anders anfühlt als von Heiligenhafen aus auf die Insel Fehmarn zu glotzen. 😀

    Als wir da waren lag die afrikanische Küste ja leider ziemlich im Dunst. Mal sehen, ob wir da dieses Jahr mal klarere Sicht haben werden. Wir sind ja luxuriös dicht dran, um je nach Wetterlage mal eben nach Gibraltar oder Tarifa oder zumindest die Gegend dort zu düsen.

    (Nach Marokko rüber werden wir uns allerdings sparen – kein Platz für Teppiche im Auto. :D)

    @Rüdiger: Aye! Immer! 🙂

  3. Pingback: Wenn einer eine Reise tut (8) « Gedankensprünge

  4. ich lese gerade noch so einiges nach… ^^ *pfeif

    schöne bilder! menno, ich will auch solche urlaube machen. zu zweit!! *armeverschränk *fußstampf

    freu dich schon mal auf den nächsten 😉 … und da das hier ein jahr her ist, habe ich ja noch ein bißchen zeit für meine usa-aufarbeitung, wa? 😀

    • Aha! Heimlich meine Monstertexte ausgelassen. Höhö. :mrgreen:

      Es sei dir von Herzen gegönnt, solche Urlaube zu machen. Zu wievielt du auch immer magst. 🙂

      Und ja: Das mit USA (und warst du mit dem Kloster schon fertig?^^) eilt nicht. Ich fand’s sogar ganz witzig, mich jetzt so kurz vorm Urlaub in die Erinnerungen zu stürzen. Das holt das Gefühl von vor ’nem Jahr nochmal schön nach oben. 😀

  5. Pingback: Wenn einer eine Reise tut (9) « Gedankensprünge

  6. Pingback: Fenster mit Aussicht « Gedankensprünge

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.