Hinten im Zimmer

Als ich noch sehr klein war, bauten meine Eltern und Großeltern gemeinsam ans Haus der Großeltern an, damit Platz für alle wäre. Das Schlafzimmer meiner Großeltern wanderte in den Anbau. Das was vorher das Schlafzimmer meiner Großeltern war, wurde Wohnzimmer und das was vorher Wohnzimmer war, wurde… ja was eigentlich? Einen richtigen Zweck hat dieses Zimmer, bis meine Mutter das Haus vor Jahren verhökert hat, nie bekommen. Es war ein Durchgangszimmer – von der Küche in den Flur des Anbaus. Und da sie neue Möbel für das neue Wohnzimmer gekauft hatten, blieben das alte Sofa, der alte Tisch und auch der alte dunkelbraune Geschirrschrank meiner Oma einfach in diesem Raum stehen. Als ich ein Kind war, habe ich mir oft die Bügeldecke meiner Oma (Bügelbrett hatte sie nicht, sie legte zwei zigfach gefaltete Decken auf den Küchentisch, zog sie glatt und bügelte darauf) über den Tisch gehängt (nicht ohne hinterher Ärger zu bekommen, weil die ja zerknittert wurde) und mir dort eine Höhle gebaut. An Geburtstagen nutzten wir das Zimmer, weil dort ohne Möbel rücken zu müssen, Platz für eine große ‚Kaffeetafel‘ war.

Ansonsten stand es mehr oder weniger leer und im Laufe der Jahre wurde es immer mehr zum Lager für allen möglichen Kram. Eine lange Reihe von ‚Wo ist eigentlich…?‘-Fragen ließ sich mit einem lappidaren ‚hinten im Zimmer‘ beantworten und mir ist nie aufgefallen, dass nicht mal das ‚hinten‘ eine echte Berechtigung hatte, weil der Raum einmal quer durch’s Haus von vorne nach hinten ging. Hinter der Küche war es, wenn man den Hauseingang als ‚vorne‘ definiert, aber ansonsten kann ich mir gar nicht erklären, wieso wir das so nannten.

Wie ich überhaupt drauf komme? Ich sprach letztens mit meiner Schwester über irgendwas, was unser Elternhaus betraf und mir fiel auf, dass dieser Raum nie eine andere Bezeichnung trug als ‚hinten das Zimmer‘. Und das kam mir nicht mal ungewöhnlich vor, dass es so etwas in dem Haus gab.

Ich glaube, wenn ich irgendwann im Leben nochmal ein eigenes Haus haben sollte, will ich wieder so ein ‚hinten das Zimmer‘ haben. Und da stelle ich dann Möbel rein und warte darauf, dass sie alt werden und diesen Geruch von alten Möbeln verströmen und dann baue ich mir ’ne Höhle unterm Tisch und lagere allen möglichen Kram – hinten im Zimmer…

Hach.

Katja (Erinnerungsfee)

3 Kommentare zu “Hinten im Zimmer

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