Wenn einer eine Reise tut (4)

(Was bisher geschah: Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Donnerstag, 22.10. Angekommen!

Angekommen! Das hieß vor allem erst einmal die nähere Gegend zu erkunden. Und das hieß vor allen Dingen erst einmal ausgiebig den direkt vorm Haus liegenden Strand bei einem ausgedehnten Spaziergang zu erkunden. Ohne Kamera, nur zum Riechen, Sand zwischen den Zehen und Wellen und Wasser an den Füßen spüren und Gucken, Gucken, Gucken.

Wenn man letzteres zu ausgiebig macht und zu sehr in die Ferne statt gelegentlich vor die eigenen Füße, kann es dummerweise passieren, dass man mit dem Zeh einen der wenigen Steine am Strand erwischt und mit viel Pech ist es noch dazu einer der ganz wenigen richtig großen Steine. Es dauerte bis April bis mein Zehennagel keine schicke Blaufärbung mehr aufwies, der Schmerz ließ zum Glück schon zwei Tage nach der Begegnung mit dem Stein des Anstoßes nach. Aber zum Glück war ja Sandalen- und Barfußwetter. 😀

Und so sah’s vor der Haustür aus:

Eingangstor

Vorm Tor - Blick nach links

Blick nach rechts

da wird selbst Müll raustragen zum Vergnügen

von der anderen Straßenseite

Haus!

Dachterasse (links mit Geländer)

unter Palmen

Später am Tag dann der erste Einkauf im spanischen Supermarkt. Ich liebe es ja sehr, in fremden Ländern einkaufen zu gehen. Was hier ein schnödes Wagen durch bekannte Gänge schieben und Kram in den Wagen laden ist, ist dort ein Erlebnis. Gucken und mit großen Augen staunen. zB über die Frischfischabteilung, die aus einer mehr als 10 Meter langen Reihe von Körben mit Eis besteht, auf denen man die Fische direkt, ohne Absperrung oder Glas dazwischen, in Augenschein nehmen kann. Oder die riesige Wand, an der ganze Schweinebeine samt Hufen (was zur Bestimmung der Qualität über die Farbe der Hufe wichtig ist, wie ich später gelernt habe) hängen und die in einem hiesigen Supermarkt eine komplette Wandgröße einnehmen würde. Oder die Abteilung, wo es das, was man hier als Kaffeestückchen zu ‚Apothekenpreisen‘ kaufen kann, als Kiloware zum Abwiegen gibt – das Kilo günstiger als hier 2 Stück davon, ohne Geiz bei Marzipan oder Schokoladenüberzug oder Blätterteig. Mein absolutes Highlight waren aber natürlich die Obst- und Gemüseabteilungen. Wenn einem schlagartig klar wird, dass die Orangen, die man zuhause mit dem Etikett ‚Herkunftsland Spanien‘ erwirbt, an diesem Ort das gleiche Etikett tragen könnten – nur dass es hier um einige wenige und nicht einige tausende Kilometer Distanz zum Ort geht, wo sie gewachsen sind. Gemüse aus der Region mal anders und um ein vielfaches exotischer. Yay!

Freitag, 23.10. die nähere Umgebung

Am nächsten Morgen dann den ersten Kaffee an dem Ort, der in Folge mein Lieblingsort für den ersten Kaffee des Morgens werden sollte – die Tasse vorsichtig zum Mäuerchen balanciert, das nur 10 Meter von der Haustür entfernt lag:

Lieblingskaffeeort

Dann irgendwann mittags der Ausflug nach Sancti Petri, dessen Castillo auf der vorgelagerten Insel wir vom Strand aus im Blick hatten. Eine Geisterstadt sollte uns in der vor vielen Jahren verlassenen Ansiedlung von Fischern rund um eine längst verlassene Thunfischfabrik laut Reiseführer erwarten. Von der ganz besonderen Stimmung und dem Charme konnten wir allerdings keinen Eindruck gewinnen. Fast die ganze Stadt war nämlich von einem Bauzaun eingeschlossen und man konnte nicht durch die Strassen schlendern sondern nur einmal aussenrum.

Das Sehenswerteste an Sancti Petri

Also lieber weiter – nach Chiclana de la Frontera. La Barrosa, wo unser Ferienhaus lag, ist einer der zu Chiclana de la Frontera gehörenden Strände (samt Ansiedlung) und die eigentliche Attraktion der kleinen Stadt. Der Stadtkern ist irgendwas um 10 km entfernt und das erste, was mir schon am Anreisetag bei der Durchfahrt aufgefallen war, waren auch hier die vielen Plätze, die es überall gab. Ich glaube, das war für mich der offensichtlichste Unterschied zwischen deutschen und spanischen Städten. An jeder Ecke gab es einen Platz, oft mit tollem Pavillon und Sitzmöglichkeiten und auf fast all diesen Plätzen herrschte eine bunte Lebendigkeit.

Beim Schlendern durch die Stadt fällt mir schnell der Kontrast auf, der an vielen Stellen zu Tage tritt. Auf der einen Seite sieht alles nach Verfall aus und furchtbar ungepflegt, zwei Ecken weiter gibt es prunkvolle Fassaden mit herrlichen Zinnen zu sehen.

Verfall

Prunk

Der Pfarrkirche San Juan Bautista sieht man erst auf den zweiten Blick die Kirche an, so klobig wie sie am Rande eines großen Platzes, beim Verlassen des Parkhauses vor uns aufragt. Lediglich der Glockenturm (der seinen eigenen bezaubernden, wenn auch vermutlich nicht geplanten Dachgarten beherbergt) lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um besagte Kirche handelt.

San Juan Bautista

Kuppel

Glockenturm

Wirklich überrascht hat mich allerdings das Innere. Vergleichsweise nüchtern und schlicht, aber der Blick nach oben war beeindruckend.

Kuppel

Kirchenkuppel

Und überall bin ich gefangen von dem faszinierenden Mix, dem Aufeinandertreffen von Orient und Okzident, der in der ganzen Gegend in den Bauwerken gegenwärtig ist und kann mich gar nicht sattsehen.

Sattsehen kann ich mich auch nicht an den abenteuerlichen Elektroinstallationen, die mich ein ums andere Mal den Fotoapparat zücken lassen, sobald ich mein Kopfschütteln überwunden habe.

Verkabelt

keine Wäscheleine

überall Kabel

Das für mich wirklich Großartigste an Chiclana de la Frontera war allerdings der Blick in einige (zum Glück offenstehende) Eingangstüren. Ich weiss nicht mehr wie wir überhaupt in diese Nebenstrasse geraten waren, aber dass das wirklich Glück war, merkten wir schnell. Prachtvolle Fließen, Marmorböden, geschmiedete Türen. Einfach wow.

Hauseingang

noch einer

Chiclana de la Frontera

Am nächsten Tag dann: Sevilla! Aber das ist ein andermal dran, wenn ich noch Energie zum Schreiben habe und ihr vielleicht noch welche zum Lesen meiner Monstertexte. 😀

In Urlaubserinnerungen zu schwelgen ist übrigens eine herrliche Art sich auf einen bevorstehenden Urlaub vorzubereiten, stelle ich gerade fest. Hachz! Am liebsten würde ich morgen losfahren.

Katja

12 Kommentare zu “Wenn einer eine Reise tut (4)

    • Und dabei war ich mit den Strandbildern doch dieses Mal so zurückhaltend, damit ihr auch ein bisschen was vom Rest der Gegend seht. 😀

      (Den ersten Gedanken ‚Ohje, der Monstertext ist schuld‘ hab ich brav beiseite geschoben. :mrgreen: )

  1. Schöööön… haach… und das ganz ohne romantische Sonnenauf- und -untergänge… 😉

    Mir hätten es diese Hausflure auch angetan, toll, daß du die fotografiert hast! Und der arme Zeh, oh weh… naja, diesen Stein hätte ich bestimmt auch getroffen…

    Ja, Urlaubsbilder anschauen und sortieren und bearbeiten… das hat was. Ich kann deine Urlaubs-Vorfreude bis hierher spüren! 🙂

    *Und DANKE für Du-weißt-schon-was….

    🙂

    Oh… und was meinst du… kann ich mit auf die „Liste der Halter urlaubspostkartenhungriger Briefkästen“? *lieb-guck*

    • Aye. Da stand dein Name eh schon drauf, weil ich wusste, irgendwo in den Tiefen meiner Mailbox schlummert auch die Adresse. 🙂
      Die suche ich jetzt direkt mal und bammel sie ins Adressbuch.
      (Ich bin allerdings nicht so ’ne phantastische Buntstiftbildchenpostkartenschreiberin wie du. 😳 )

  2. Ohhh, Postkarten …. *schmunzel*

    Erm, was ich eigentlich sagen wollte, ich finde Gemüse und Obst in Spanien immer wahnsinnig teuer und gar nicht so lecker anzuschauen, weil die A Ware ja meist verschifft wird.
    Zumindest in Supermärkten, beim Bauer direkt sahen sie schon besser aus, so frisch vom Feld, waren aber immer noch jenseits gewohnter Saisonpreise in Deutschland.

    Tanya, gerade beim geliebten Salat zum Fisch immer mit geschlossenen Augen zahlend.

    • Oh, hungrige Briefkästen…. *mitschmunzel*

      Hum. Ist das vielleicht von der Gegend abhängig, wo man ist? Ich hab mich wirklich wie im Paradies gefühlt in den Gemüseabteilungen. Und das war in allen Läden so und wir haben wirklich viele verschiedene ausprobiert, um mehr zu sehen.
      Also ich weiss nicht, wie das in anderen südlichen Ländern ist, dafür war mein letzter Urlaub im Süden zu lange her. Aber im Vergleich zu Deutschland (und Dänemark ja ohnehin, wo wir die letzten Jahre immer waren) war das alles sehr günstig und auch tolle Qualität. Also viel (!) günstiger und auch frischer als beim großen türkischen Supermarkt in Darmstadt, der mein absoluter und unschlagbarer Favorit ist, was frisches Zeug angeht.

      (Fisch gab’s übrigens letztes Jahr täglich bei uns. Der Gedanke an die Garnelenpreise treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen, wenn ich hier welche kaufe – vom frischen Thunfisch gar nicht zu reden.)

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