Von Pflaumenkuchen, der sich wie ’ne mündliche Prüfung anfühlt

Und während ich die Küche aufräume wird mir klar, was den Unterschied ausmacht, wieso ich so fies nervös bin und neben mir stehe. Irgendwie fühlt es sich eher wie eine bevorstehende Prüfung an, möglichst eine mündliche, so flau wie sich mein Magen anfühlt und nicht wie der Besuch einer lange nicht gesehenen Freundin, auf Kaffee und den ersten frischgebackenen Pflaumenkuchen des Jahres und für mich war die ganze Zeit nicht greifbar, weswegen das nochmal ganz anders ist, als alle anderen Besuche, die ich in den letzten Jahren hatte und bei denen ich ja weiss Gott schon nervös genug war, aber bei weitem nicht so schlimm wie heute. Und ich bin wieder mal baff, wie simpel die Lösung ist. Das heute fühlt sich so anders an, weil es so anders ist.

All jene, die mich in den letzten Jahren besucht haben, habe ich auch in den letzten Jahren erst kennengelernt und alle kennen nur die Katja, die ich jetzt bin, durch die Krankheit geworden bin. Und einige davon, die ich häufiger getroffen habe in dieser Zeit, haben die Entwicklung, die ich in den Jahren vollzogen habe, mitbekommen. Die Entwicklung aus dem Rückzug in Richtung Leben. Die Freundin, die heute kommt, habe ich einige Jahre bevor ich krank wurde kennengelernt und auch vorher zum letzten Mal getroffen. Sie kennt die meistens gut gelaunte, kontaktfreudige Katja mit der großen Klappe und trifft heute zum ersten Mal jene, die ich jetzt bin.

Und ich glaube, es macht mir so ungeheuere Angst, dass mein neues (und wohl tatsächlich zum ersten Mal echt aufkommendes und nicht aufgesetztes) Selbstbewusstsein, das endlich anfängt und sich traut, sich selber zu mögen, ’nen ordentlichen Schlag bekommt, wenn das nicht mehr hinhaut, wir nicht mehr miteinander klar kommen und uns nichts mehr zu sagen haben. Weil das ja irgendwie hieße, dass ich mal ‚besser‘ war als ich es jetzt bin. Und auch wenn ich weiss, dass es ‚anders‘ heissen müsste und nicht besser und dass sich das anders für mich meistens sogar insofern besser anfühlt, dass ich die Dinge, die mit mir passieren, viel besser verstehen kann, fällt es mir so ungeheuer schwer, das auch meinem Bauch beizubringen.

Aber egal, was passiert: Heute gibt’s den ersten Pflaumenkuchen für dieses Jahr!

Katja

11 Kommentare zu “Von Pflaumenkuchen, der sich wie ’ne mündliche Prüfung anfühlt

  1. ok, also zuerst mal das lustige:
    *g die pflaumen auf dem ersten bild haben mich gleich mal versaut grinsen lassen… 😀

    und dann: ich glaube, daß alles gut läuft heute, weil du doch Katja bist – die, die auszog, das fürchten zu verlernen!! das wird bestimmt super, dein kern ist ja kein anderer… ich denke an dich :).

    • Muhaha! Ich kann vermutlich nie wieder Pflaumenkuchenbilder betrachten ohne darauf zu achten. Das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich meine, wer denkt denn bei Kuchen an…? :mrgreen:

      Dank dir sehr für’s Mutmachen und an mich denken! Es war in der Tat ein toller Nachmittag. Wir haben 5 Stunden gesessen und geschnattert ohne zu merken, wie die Zeit verging. 🙂

      • so muß das sein!! und damit hast du die/meine wohlfühlgrenze von normalerweise 3 – 3.5h deutlich überschritten ;)! [danach tut mir oft der hals vom reden weh und so … ^^]

      • Der Hals hat erstaunlich gut mitgemacht. Grundsätzlich kenne ich das auch. Bin ja auch ziemlich ungeübt im lange und viel reden, wobei ich diese Woche ja seit Sonntag im Training war. 😀

  2. Ich kenne solche Situationen. Die meisten Menschen, die ich heute um mich habe haben auch ein Stück weit Krankheit bei mir miterlebt (Usher ist ja eine Erbkrankheit). Die Begegnungen mit Menschen, die meinen Hörschaden nicht mitbekommen haben sind sehr, sehr selten geworden und ich meide solche Leute auch, weil sie mich gern vorführen. Es gibt jedoch gerade im Arbeitsleben immer wieder zufällige Treffen mit Menschen, die mich zum Beispiel in der Abiturzeit kannten und das mit meinem Tunnel noch gar nicht wissen. Das ist dann manchmal mulmig.

    • Mmhmm, mir ist gestern wieder mal aufgegangen, dass auch dieses mulmige Gefühl seinen Ursprung in meiner Kindheit haben dürfte. Wenn man die „du bist richtig so wie du bist“-Haltung da nicht lernt, ist es verdammt schwierig, sie sich als Erwachsene zu eigen zu machen.

  3. @Rüdiger: War er auch. Und war so ganz einfach. Direkt nach der Begrüßung meinte sie „das ist jetzt schon irgendwie ein bisschen blöd, oder?“, ich nickte, wir lachten beide schallend und dann war’s gar nicht mehr blöd. 🙂

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