Neulich an der Supermarktkasse, die Zweite

Wenn ich warten muss, liebe ich es, zu gucken, was die Leute so einkaufen und versuche oft, aus dem losen Sammelsurium an Waren, Rezepte zusammenzubasteln. 😀

Freitags um die Feierabendzeit geht das nicht. Kaum jemand hat mehr als 2 Artikel auf dem Band. Dafür dauert es sehr lange, weil sehr viele Leute in der Schlange stehen und jeder sein Kleingeld zusammensucht.

zB

  • ein langhaarig bezopfter Anfangdreissiger mit ’nem riesigen Salatkopf und groben Bratwürstchen
  • ein älteres Ehepaar, Hand in Hand (Hachz!) mit 5 oder 6 Tomaten und einem Viererpack Joghurts einer Marke, die ich schon deswegen nicht kaufen würde, weil ich die Werbung so schrecklich finde
  • ein etwa 50-jähriger Mann, der nichts ausser 10 Packungen dieser orangen Einwegrasierer kauft, die es an Supermarktkassen üblicherweise gibt, dazu eine Plastiktüte. Er war nicht aussergewöhnlich behaart.
  • ein männlicher Teenie, bestimmt fast 2 Meter groß mit 6 oder 7 Eispackungen – diese schokoumhüllten in verschiedenen Sorten und dazu gab es eine Familienpackung Eis
  • eine Frau, etwa Mitte 30, recht unscheinbar mit einer einzelnen Flasche Schöfferhofer Weizen und ich bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, weil ich direkt „eine Flasche von die Bier, die so schön hat geprickelt in meine Bauchnabel“ im Kopf hatte

Und ich? Nix weiter als 500 Gramm Rinderhackfleisch für’s Abendessen (und ’ne Schale Erdbären von der Bude). Aufgrund akuter Unlust habe ich den Wochenendeinkauf auf morgen verschoben.

Ich gehe also mal in die Küche und frage mich dort weiter, was diese anderen Menschen heute Abend wohl mit ihren Einkäufen anfangen, besonders die, mit die Flasche von die Bier… 😉

Katja

Little Confessions #9

Seit Mitte Januar liste ich in einer Excel-Tabelle alles auf, was ich gekocht habe. Und ich muss gestehen, dass ich mir dabei schon ein bisschen schräg und schrullig vorkomme. Aber es hat den unschlagbaren Vorteil, dass sich die Frage, ob’s Spaghetti Bolognese zum letzten Mal vor 3 Tagen oder vor 3 Wochen gab, endlich eindeutig beantworten lässt – die subjektive Wahrnehmung ist in solchen Dingen ja sehr davon abhängig, wie gerne man ein Gericht mag. 😀
Ausserdem ist es sehr praktisch, wenn ich unkreativ einen leeren Einkaufszettel anstarre, der gefüllt werden mag, wenn ich einen Blick in die Liste werfen kann, was ich lange nicht gekocht habe. Und schließlich ist es für mich eine herrliche Gedächtnisübung, weil ich selten daran denke, das direkt nach 1 oder 2 Tagen zu notieren und ich das meistens nur einmal pro Woche erledige. Und so sehr ich mir das Hirn dabei auch verrenken muss – bisher ist die Liste lückenlos.

Und sie verrät mir, jetzt, wo die Spargelsaison zu Ende ist, dass die heimische Küche, in den gut zwei Monaten, die die Saison andauerte, 20 Mal (!) Spargel ausgespuckt hat. Soviel davon habe ich noch in keinem Jahr zubereitet! Das macht es ein bisschen leichter, jetzt wieder 10 Monate lang geduldig darauf zu warten, dass nächstes Jahr wieder die Buden neben den Feldern aus dem Boden wachsen. 🙂

Katja

Buchgehölz #14

Tag 14 – Ein Buch aus deiner Kindheit

Ich habe, seit ich lesen konnte, Bücher quasi verschlungen und mich während der Grundschulzeit einmal komplett durch die Schulbibliothek gelesen, oft mit Taschenlampe unter der Bettdecke, wenn ich eigentlich längst schlafen sollte. Als die Batterien irgendwann wieder mal leer waren und ich aber nicht aufhören wollte, weil das Buch (ich habe keine Ahnung mehr, was ich da gelesen habe) so spannend war, habe ich dann meine Nachttischlampe – die eigentlich eine Schreibtischlampe war – unter die Bettdecke geholt und hätte, weil die viel zu heiss wurde, fast die Decke in Brand gesteckt. Zum Glück fiel’s mir auf als der Bettbezug anfing verkokelt zu stinken. Danach war ich dann wesentlich vorsichtiger beim nächtlichen Lesen.

Ich kann mich kaum erinnern, was ich damals alles gelesen habe – was aber haften geblieben ist, weil ich es sehr mochte und auch, weil ich es als Buch und Hörspiel-Schallplatte hatte, ist „Die Kleine Hexe“ von Otfried Preußler, die ich gar nicht häufig genug lesen und anhören konnte.

(Alle Teile des Buchstöckchens finden sich hier.)

Katja

So richtig kennen wir sie eigentlich nie

Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn in Büchern Figuren sterben. Schon gar nicht, in Kriminalromanen, da gehört es ja dazu. Eine Grenze erreicht das bei mir allerdings immer, wenn in einer Serie, irgendwann eine der Figuren um’s Leben kommt, die einem über mehrere Bände lang vertraut geworden ist. Da kann ich nicht einfach drüber weglesen und an solchen Stellen tauche ich auch meist recht rasant aus der Geschichte wieder auf und frage mich, ob das wirklich sein musste. Was bewegt einen Schriftsteller dazu, über mehrere Bücher hinweg eine Figur aufzubauen und sie dann im Sinne der Geschichte zu opfern? Und vor allem: Wie fühlt sich das an? Zweifelt man da als Autor an seiner Entscheidung? Wägt man das ab? Oder kann man da im Tagesgeschäft einfach drüber weggehen? Plant man den Mord/Tod womöglich schon Bände und/oder Jahre im voraus?
Wenn ich als Leser schon so eine Beziehung zu Romanfiguren aufbaue und leide, wenn da jemand ums Leben kommt – wie muss sich das erst anfühlen, wenn man die Figur erschaffen hat und sie dann „totschreibt“?

An so Stellen stolpere ich wirklich immer wieder und mir wird das Herz schwer.

Als ich am Ende des Romans angekommen bin, den ich gerade zu Ende gelesen habe  und in dem eine Figur, die man über 10 Romane hinweg kennengelernt hat, ermordet wurde, hat es mich irgendwie angerührt, was Donna Leon ihren Hauptcharakteren an Dialog in den Mund legt:

Endlich fragte Paola, um ihre Gedanken wieder dem Leben zuzuwenden: „Wird Elettra darüber hinwegkommen?“ „Das weiss ich nicht“, räumte Brunetti ein und überraschte sich dann selbst mit dem Zusatz: „So gut kenne ich sie ja eigentlich nicht.“
Darüber dachte Paola erst einmal ausgiebig nach, und schließlich meinte sie: „So richtig kennen wir sie eigentlich nie.“
„Wen?“
„Die echten Menschen.“
„Was verstehst du unter ‚echten‘ Menschen?“
„Im Gegensatz zu Romanfiguren“, erklärte Paola. „Das sind die einzigen, die wir jemals gut kennen, richtig kennen.“ Wieder ließ sie ihm einen Augenblick zum Nachdenken und sagte dann: „Vielleicht liegt das daran, daß sie die einzigen sind, über die wir zuverlässige Informationen bekommen.“ Sie sah ihn an und fuhr dann fort, ganz als stünde sie vor ihren Studenten und wollte sehen, ob sie ihr noch folgten: „Erzähler lügen nie.“

(aus: Donna Leon – Das Gesetz der Lagune, Commissario Brunettis zehnter Fall, Seite 321, alle Rechte beim Diogenes Verlag, Zürich)

Es ist so genial wahr, dass einem die Charaktere aus Büchern so nahestehen, weil man eben im Gegensatz zu jenen der ‚echten‘ Menschen, auch ihre Gedanken und Gefühle kennt. Und obwohl ich seit ich zu Lesen gelernt habe – also fast mein ganzes Leben lang – immer viel gelesen habe, war mir das nie in so einer schlichten Klarheit bewusst.

nachdenklich
Katja

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