Vergangenheitsabtastung

Komisch fühlte es sich an, in die Gegend zurückzukehren, Orte zu durchfahren, in denen ich viel Zeit verbrachte, an denen viele Erinnerungen hängen, die so lange her sind, so vergraben waren und auf einmal alle wieder präsent. Der Blick unruhig, die Gegend abtastend, wie ein Radar, auf der Suche nach Vertrautem, Bekanntem. Was erkenne ich wieder? Suche nach Orientierung. Dieser Laden war früher schon an der Stelle. Jenes Café muss neu sein. Hier gleich müsste doch das Parkhaus kommen…ah genau, dann war das diese Ecke, von der ich es annahm. Da hinten das Kino. Erinnerung an unzählige Abende, die ich dort im Dunklen verbrachte, an Menschen, mit denen ich diese Abende und viele andere verbrachte und an die ich so lange nicht gedacht hatte. Rechts müsste gleich der Abzweig kommen, links die Tankstelle. So lange her, vieles hat sich sehr verändert, an manche Ecken kann ich mich gar nicht erinnern und wie es da mal aussah. Aber dann sind da auch jene Plätze, an denen die Zeit über 10, 15 oder fast 20 Jahre lang still gestanden hat, die noch genauso aussehen wie damals, wo alles noch am gleichen Fleck ist.

Reisen an Orte der Vergangenheit sind für mich immer auch ein Stück weit Reisen in mein Inneres. Nach innen schauen, fühlen, hören, Erinnerungen betrachten und schauen, wie sie im Hier und Jetzt wirken. Wie mächtig und wahr sie noch sind oder wie klein und unbedeutend sie geworden sind.

Katja

Buchgehölz #6

Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

Nachdem ich jetzt länger überlegt hatte und schon sagen wollte, dass ich fast alle Bücher mehrfach lese(n kann), fiel mir doch noch eines aus dem letzten Jahr ein, das ich noch nicht erwähnt hatte, aber sehr schlecht fand und von dem klar ist, dass ich es nicht nochmal lesen werde:

„Die Botschaft des Meeres“ von Sergio Bambaren

Ich hatte vor Jahren „Ein Strand für meine Träume“ von ihm geschenkt bekommen (also er hat’s geschrieben, geschenkt hat es mir jemand anderes) und gelesen und das mochte ich. Weil es mich nachdenklich machte, mich zum innehalten brachte und mich wieder mal darauf zu besinnen, was tatsächlich wichtig ist im Leben. Also zumindest für mich.

Da ich das Meer so liebe, wollte ich die Botschaft schon sehr lange gerne haben, in der Annahme, dass das wieder so ein „hach“-Gefühl hervorruft.

Es war aber furchtbar enttäuschend, weil es einfach nur total platt daherkam. Ich hatte beim Lesen dauernd das Gefühl, da sucht jemand mit ganz plumpen Methoden nach den Knöpfen, die es zu drücken gilt, um beim Leser so ein „eins mit dem Universum“-Gefühl hervorzurufen. Dooferweise funktioniert das bei mir gar nicht, wenn ich das Gefühl habe, jemand sucht bewusst nach diesen Knöpfen.

Und seit ich das gelesen habe, traue ich mich nicht mehr, den Strand nochmal zu lesen, weil ich befürchte, mir könnte nur beim ersten Lesen nicht aufgefallen sein, dass das ebenso platt ist. Und das, was es mal ausgelöst hat, mag ich nicht nachträglich kaputt machen.

(Wieso ich hier so gemeine Sachen über ein wehrloses Buch sage und worum es hier insgesamt überhaupt geht, findet sich im 1. Beitrag des Stöckchens. Da stehen auch alle Fragen.)

Katja


Wie beruhigt man eigentlich Wespen?

Manche Menschen reagieren auf manche Themen, ihre persönlichen Reizthemen, gerade so als hätte man mit einem Stöckchen in einem Wespennest rumgestochert. Immer wieder. Bis ich merke und erkenne, dass das ja wieder in die Nähe des Wespennestes ging, ist es meistens zu spät und der Stachel ausgefahren.

Ich muss lernen, das früher zu erkennen. Ich brauche eine Strategie, die zum Stachel einziehen führt. Ich kann nicht erwarten, dass die Wespen, die sich bedroht fühlen und instinktiv aggressiv reagieren, friedlich auf meiner Hand landen, so lange sich an dem Reiz nichts ändert. Für meinen Seelenfrieden, mein Harmoniebefürfnis.

Wie kann ein Reizthema seinen Reiz verlieren, wenn nicht durch Auseinandersetzung damit? Kann/Will ich da auf ewig einen Bogen drum machen? Könnte bewusstes Pieksen irgendwann zu einem Fortschritt führen? (eher nicht) Wieso muss eigentlich immer ich erkennen, draufrumkauen, ändern? (klar, für mein Harmoniebedürfnis)
Für die Infragestellerin, Verstehenwollerin, Schiedsrichterin.

Mist das. *drauf rumdenk*

Katja