Verlernt

Nachdem so lange Zeit so viele meiner Gedanken durch die Finger in die Tastatur gepurzelt sind, fühlt es sich komisch (merkwürdig komisch, nicht lustig komisch) an, dass mir das gerade gar nicht gelingen mag. Ich fange an, stocke, kann auf einmal nicht mehr ausblenden, dass – obwohl ich eigentlich ja (fast) nur schreibe, um meinen Kopf zu sortieren – es Menschen gibt, die das lesen, was ich schreibe und auf einmal verunsichert mich das vollkommen. Ich hinterfrage jeden doofen Gedanken auf Gültigkeit, Richtigkeit, ob ich mich damit blamieren könnte, ob ich mich damit angreifbar mache. Ich denke auf einmal darüber nach, was irgendwer – wen ich noch nicht mal kenne – über mich denken könnte und inwiefern das für mich relevant werden könnte. Die Leichtigkeit will einfach nicht zurückkommen, egal ob ich testweise einfach nur in die Entwürfe tippe oder ob ich direkt ’nen Bogen um den Rechner mache, um auf andere Gedanken zu kommen.

Ich weiss nicht, ob das gut ist oder schlecht. Dass das Blog mir so wichtig ist, war, whatever, ist nicht gut, weil es mich so verletzlich und empfindlich macht. Wenn es mir nicht so wichtig ist, wäre, whatever, dient es aber genau dem Zweck – ungefiltert Gedanken aus dem Kopf zu entlassen und während des Schreibens darüber nachzudenken – nicht mehr. Ich fühle mich gehemmt, gefangen, ärgere mich über mich selber, weil mir das so dämlich zusetzt, überlege schon wieder, ob ich das überhaupt veröffentlichen kann, dass es mir so zusetzt oder ob das total übertrieben und doof wirken könnte. Ich kann nicht aufhören, an mir selber zu zweifeln und das frisst mich von innen her auf. Genau wie die ganzen Gedanken, die sich unüberwindbar auftürmen, die sich spiralig wickeln. Mir wird jeden verfluchten Tag wieder auf’s neue bewusst, wie gut mir das Schreiben getan hat und trotzdem sind es verdammt seltene Momente geworden, wo ich mich traue, die Gedanken einfach wieder sprudeln zu lassen – und wenn es nur für mich ist.

Alles fühlt sich anders an, falsch, komisch, verzerrt, wie durch Milchglas. Ich habe viel Vertrauen in mich und meine Wahrnehmung, vor allem die Selbst- eingebüßt und ich bin völlig ratlos, wie ich das wieder loswerden und / oder hinbekommen soll. Und ebenso ratlos, ob ich das überhaupt wieder loswerden und / oder hinbekommen sollte, vergessen, verdrängen, einfach so tun als wäre es nicht gewesen und mich wieder so sehr auf das Schreiben einlassen. Auf die Gefahr hin, dass ich weiterhin solche Schwierigkeiten habe, in der Spur zu bleiben, mich von eigentlichen Kleinigkeiten so umhauen zu lassen.

Es ist echt lange her, dass ich mich in einer Sache innerlich so zerrissen gefühlt habe und es fühlt sich so schleppend an und ich bin so ratlos, wie ich mich damit richtig auseinandersetzen kann, wenn nicht schreibend.

Katja

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13 Kommentare zu “Verlernt

  1. Ach weh, wann und wie ist Dir denn das jetzt passiert? *hug*

    Nennt man das einen Rückfall in ein altes Muster? Liest sich jedenfalls so. Niemand kennt Dich hier in real (denke ich mal) alle sehen nur Dein Blog, lesen was Du schriebt, haben aber keinen direkten Kontakt. Was andere Dir unbekannte/unsichtbare Menschen aufgrund dessen was Du hier schreibst von Dir denken, kann und muss Dir egal sein, diejenigen die hier bleiben und mit Dir zu tun haben wollen, sind hier wegen Dir. Du magst schlechte und gute Tage haben, das gehört dazu, deswegen flüchtet niemand der hier sein will.

    Das Du es kannst, hast Du die letzten Wochen bewiesen. Finde die Ursache warum Du gerade zurückgefallen bist, von alleine und so völlig aus dem Trüben kann so etwas ja nicht kommen, oder?

  2. *rehug* 🙂
    Eigentlich ist mir ja gar nichts passiert, das ist es ja. Aber seit ich mich so angegriffen gefühlt habe, bekomme ich das einfach nicht mehr mit mir selber klar, kann nicht mehr ausblenden, dass es Menschen gibt, die hier lesen (vorher ging das in der Tat phantastisch) und habe bei allem, was ich schreibe Angst, man könnte das ganz anders verstehen als ich’s meine und ich könnte durch dieses unsortierte Gedankenchaos ein völlig falsches Bild von mir vermitteln und das macht mir noch mehr Angst und ich weiss nichtmal so genau weswegen. Vielleicht ist das meine blöde Neigung immer alles verstehen zu wollen und auch selber gerne verstanden zu werden – zumindest nicht komplett anders verstanden zu werden als ich bin. Aber genau darüber bin ich mir nicht mehr sicher. Also über diese Unterschiede darin, wie ich mich wahrnehme und darin wie jemand anderes mich wahrnehmen könnte, das macht mich echt fertig. Besonders, weil ich gar nicht will, dass mir das wichtig ist und trotzdem kann ich’s nicht mehr ausblenden. Oh je. Ich merk’s selber, dass das noch verworrener klingt. Ich bin gerade nicht besonders gut darin, Gedanken aufzudröseln. 😦

  3. *äh ja, das klingt in der Tat etwas kryptisch. Das Vorkommnis hat Dich wohl kalt erwischt.

    Hat Dir früher etwas mehr Abstand in Form von „Zeit“ etwas geholfen, also quasi das Ding (was auch immer es war) mit sich selbst auszusitzen?

    • Genau das ist der Punkt – Dinge aussitzen und hoffen, dass sie dadurch besser werden funktioniert bei mir gar nicht. Entweder ich kann eh nicht aufhören, drauf rumzugrübeln oder ich schiebe sie beiseite und sie erwischen mich dann später mit aller Wucht nochmal. 🙄 Oft genug die Erfahrung gemacht, dass das gar nicht geht.

      Deswegen habe ich es auch so schätzen gelernt, mich schreibend mit den Dingen auseinanderzusetzen. Weil sich da alles viel einfacher aufdröseln lässt als nur denkend. Doof, dass es nun ausgerechnet darum geht. -.-

      • Nun wissen wir aber schon mal, was Du nicht willst. 😉

        Jetzt müssen wir _nur_ die Wertigkeit wieder herstellen, richtig?

        Ein paar Gedanken aus dem Unreinen:

        * Beiträge mit Passwort
        * Beiträge mit Zeitverzug (terminiert) veröffentlichen
        * komplizierte Beiträge in zwei/drei Teile aufteilen

        Ansonsten finde ich die Idee vom Monster auch gut, mit kleinen Sachen wieder anfangen.

      • Hmm, ja. Ich hab nicht mal bemerkt, wie klar da eigentlich steht, was ich nicht will. 🙄
        Über den Passwortschutz hatte ich schon nachgedacht, aber mit dem Gedanken kann ich nicht so richtig warm werden.

        Zeitverzug, um mir den Klick auf „Veröffentlichen“ leichter zu machen?

        Aufteilen könnte ich höchstens beim Veröffentlichen, nicht beim Schreiben respektive Denken, aber das wird nicht leichter durch mehrere Teile *annehm*.

        Hmm, klingt das komisch, wenn ich sage, dass ich eigentlich ja am liebsten wieder so frei schnauze drauflos tippen würde wie früher? Was mir dabei im Weg ist, ist der Kloß im Magen. Ich glaube, den kann ich wirklich nur schreibend wieder loswerden. Vielleicht sollte ich mir in der Tat einfach selber einfach ein paar Tage tägliches Blödsinn bloggen verordnen. *grübels*

      • * Passwortschutz:
        Ist wie ein Filter. Wer sich traut zu fragen, ist interessiert.

        * Zeitverzug:
        Schreiben und 4 Stunden später veröffentlichen. Heißt es ist fertig, dann etwas anderes machen und nicht das Gefühl haben „jetzt gebe ich es online“. Vielleicht ist es auch etwas zu kindisch.

        * tägliches Blödsinnsbloggen geht auch. 🙂

      • Passwortschutz ist, glaube ich, wirklich nichts für mich. Ich würde mich bei den wenigsten Blogs, die ich lese, trauen danach zu fragen. Je schlechter es mir geht/ging, desto geringer ist dahingehend mein Mut. Da hier gelegentlich Menschen landen, die nach Depressionen und dgl. googeln, will ich genau jene nicht aussperren, die vielleicht am dringendsten ein bisschen Mut gemacht brauchen, dass everything will be alright. 🙂

  4. Vielleicht kommst Du leichter wieder ins Bloggen rein, wenn Du eine Zeitlang über lockere Themen schreibst? Also Rezepte, was Du im Garten „getrieben“ hast u. ä.? Zeitlicher Abstand kann vielleicht helfen, aber so kommst Du nicht ganz raus aus der Bloggerei. Dann könnte es nämlich schwieriger werden.
    Über sichere (im Sinne von unangreifbaren) Themen wieder Tritt zu fassen, auch Vertrauen zu Deinen Lesern wiederherzustellen, das ist der Gedanke dahinter. Ich weiß nicht, ob das funktionieren könnte. Aber ein Versuch ist es doch wert, oder?

    • Ja, vielleicht sollte ich mich wirklich dazu zwingen. Den Gedanken hatte ich auch mal, hab aber festgestellt, dass ich mich dann auf einmal völlig banal fühlte – was eigentlich völliger Blödsinn ist, ich hab ja die ganze Zeit auch solche Dinge gebloggt. Vielleicht fühlt sich das für mich immer dann banal an, wenn in meinem Kopf eigentlich so vieles anderes los ist. *grübel*
      Nicht schreiben ist auf jeden Fall keine gute Lösung. Das spüre ich gerade täglich.

  5. Oh, das klingt gerade wirklich nach einem doch recht heftigen Rückfall…

    Ich möchte gerne einige Vorschläge, die ruediger gemacht hat, aufgrteifen.
    Passwortgeschütze Beiträge sind schon mal nicht schlecht, alternativ könnte man auch das Posten von Kommentaren unterbinden. Das schliesst zwardiejenigen mit ein, mit denen durch die Kommentare eine Konversation aufgebaut wird/wurde, aber wäre eine Art „Schutz“ vor dem was du befürchtest.

    Ansonste muss ich auf dem was du geschrieben hast noch ein wenig rumdenken, was gerade nicht so einfach ist.

    gruss
    Armin

  6. @Armin, Rüdiger und Monsterchen:

    Danke wiedermal und vielmals, dass ihr euch mit mir über mein Gedankenchaos auseinandersetzt! Alleine das Nachdenken über eure Kommentare, hilft mir ungeheuer das, was in meinem Kopf los ist, zu entwirren!
    Und es zeigt mir, dass genau das scheinbar doch noch funktioniert – mir in Dingen Klarheit zu bringen – wenn ich mich nur sinnvoll darauf einlasse. Und der für mich sinnvollste Weg scheint nunmal schreibend zu sein. Erstaunlich wie unterschiedlich sich das anfühlt im Vergleich zu dem bloßen drauf rumdenken die ganze Zeit.

    Schön, dass ihr da seid! 🙂

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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