Der Fluch des Selbermachens #2

Sollten meine Selbstfindungs- und -verwirklichungswünsche irgendwann mal den Kram überschritten haben, der aktuell auf der Liste ist, und sich so ambitioniert weiterentwickeln, dass ich über die Übernahme der Weltherrschaft nachdenke [*], so bin ich sicher, dass kein Weg an selbstgemachtem Rotkohl vorbeiführen wird! Wenn man das in ausreichender Menge an die Menschen verteilt und ihnen eine Vollversorgung damit verspricht, sodass sie nie wieder auf Industriekonserven zurückgreifen müssen, kann man sich jegliche Gewaltanwendung/-androhung sparen und alle werden den Status freiwillig anerkennen. Das ist gewiss! Und ein Heer von Rotkrautköchen ist auch viel einfacher und kostengünstiger auszurüsten als ein militärisches.

Rotkraut selber zu machen ist aufwändig (und das Wort mit „ä“ zu schreiben, piekst immer noch in den Augen) – im Vergleich zu „Glas aufschrauben und Inhalt erwärmen“ – das lässt sich leider nicht leugnen. Aber der Aufwand lohnt sich. Ich wäre bei gekauftem tatsächlich nie auf die Idee gekommen, Rotkohl das Attribut „samtig“ zu verleihen. Aber genau das schießt mir jedes Mal bei selbstgemachtem als erste Empfindung beim Probieren durch den Kopf. Ich vermute, die Zeiten wo ich leichtfertig ein Glas Rotkohl öffnen und als Gemüsebeilage zubereiten konnte, sind endgültig vorbei und es wird bei mir deutlich seltener Rotkohl geben als früher, dafür dann aber mit nachhaltigem Eindruck, wo es fast schon egal wäre, ob überhaupt und was es dazu gibt.

Und so geht’s:

Rotkohl

Alle Mengen beziehen sich Pi mal Daumen auf 1 kg Kohl. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, immer 2 Kohlköpfe auf einmal zu besorgen und portionsweise einzufrieren. Ist zwar dann einmal Mehrarbeit, geht bei dem Aufgetauten später ebenso schnell, wie ein Glas aufzuschrauben.

1 kg Rotkohl
3-4 Äpfel
1-2 Zwiebeln (je nach Größe)
2 EL Preisselbeeren (aus dem Glas)
Butterschmalz
mind. 1- 1,5 Liter Rotwein
2 EL hellen Balsamico (oder dunklen oder Rotweinessig oder normalen Essig – ganz nach Belieben)
1 Lorbeerblatt
2-3 Gewürznelken
2 Wachholderbeeren
einige schwarze Pfefferkörner
Salz
Zucker
1 EL Mehl

Vom Kohl die äusseren Blätter entfernen, den Kohlkopf vierteln, den Strunk entfernen und ganz fein schneiden bzw. hobeln. (Das sollte man nicht machen, wenn man am nächsten Tag als Handmodell gebucht ist, weil’s ordentlich abfärbt.) Den feingeschnittenen Kohl am besten über Nacht mit dem Rotwein und Balsamico in einer abgedeckten Schüssel marinieren.

Am nächsten Tag die Zwiebel(n) schälen und würfeln, die Äpfel schälen und würfeln. Das Butterschmalz in einem ausreichend großen Topf oder Bräter erhitzen und die Zwiebel hellgelb andünsten, den Kohl und die Äpfel dazugeben und mit Rotwein auffüllen. Mit Salz und Zucker würzen. Die gröberen Gewürze (Nelken und Co.) packe ich immer in einen Teefilter, den ich mit Zwirn zubinde, dann kann man sie leicht wieder entfernen und kaut nicht auf den Nelken rum. Die kommen natürlich auch in den Topf. Die Preisselbeeren dazugeben und mindestens 2 Stunden lang bei mittlerer Hitze köcheln lassen. (Länger kochen tut dem Ergebnis eher gut als dass es ihm schadet, am nächsten Tag Aufwärmen macht’s noch besser.) Wenn der Wein verkocht ist, neuen nachgießen, damit immer Flüssigkeit im Topf bleibt. Wasser geht natürlich auch, aber wenn’s auf ’nen viertel Liter Wein mehr oder weniger nicht ankommt, schadet der keineswegs. Einen EL Mehl mit 1, 2 EL Wasser verrühren und den Kohl vorm Servieren damit binden (Als ich das beim ersten Mal gemacht hatte, wusste ich endlich intuitiv, was die im TV-kochenden meinen, wenn sie von „schlotzig“ reden. :mrgreen: ). Mit Salz und Zucker abschmecken.

Voilà! Zum Reinsetzen – man kann’s allerdings zur Not auch Essen. :mrgreen:

Katja

[*Disclaimer: just kidding! Das sind rein theoretische Überlegungen und keine ernsthaften zur aktuellen zukünftigen Weltherrscherin konkurrierenden Pläne :mrgreen: ]

19 Kommentare zu “Der Fluch des Selbermachens #2

  1. Ich hab da einen Tipp gegen die gefärbten Finger.
    Nutz einfach diese Einmalhandschuhe, bekannt aus dem Autoverbandkasten…
    Gibt es in der Apotheke oder wahlweise in Discountern, wenn mal wieder Angebotswochen sind.

    Alternativ lassen sich solche Einmalhandschuhe auch zum Schneiden von:
    – Zwiebeln (gegen den lästigen Geruch)
    – Chillie-Schoten (gegen die Schärfe an den Fingern)
    – jegliche färbende Lebensmittel (gegen die farbe halt)
    einsetzen.

    Hat bei meinem mango-Chillie Salat bei den Chillies letztlich gut funktioniert.
    Hab davon noch nen paar Dutzend hier, wenn du Bedarf hast, melde dich (Also Handschuhe eine Chillie-Schoten…)

    gruss
    Armin

  2. Dankeschön für das liebe Angebot! 🙂
    Ich hab die sogar selber im Hunderterpack hier stehen. Der Murks ist, dass ich mich mit Handschuhen so gar nicht anfreunden kann. Egal wie toll und schonend (sogar die teuren extra pflegenden, mit Lotion beschichteten Markenvarianten) die eigentlich wären, mir springen die Hände davon auf (wie auch von zuviel im Staub rumfummeln, zuviel oder den falschen Reinigungsmitteln, häufigem Händewaschen 🙄 ) Ich färbe also sogar ohne Handschuhe die Haare und wenn ich den Garten umgebraben habe, dann sehen meine Hände auch hinterher so aus. 😀
    (Gegen fiesen Geruch zB beim Zwiebelschneiden ist übrigens Kaffeeseife mein absoluter Favorit, gefolgt von der Edelstahlseife, die nicht ganz so wirksam ist.)

    • Hm, vielleicht ne versteckte Latex-Allergie?
      Ich hab hier auch welche aus Nitril. Die sind auch für Allergiker gut geeignet…

      • Äh, hätte sich das nicht auch bei der Verwendung von Kondomen irgendwie geäussert? Die tun mir nämlich nix. Ich hatte bei den Handschuhen immer dieses Pulver (Talkum?) in Verdacht, dass das der Haut Feuchtigkeit entzieht. Die superduper Pflegehandschuhe sprechen aber gegen die Theorie.

        Probieren könnte ich das mit denen aus Nitril aber allemal. Vielleicht liegt es ja doch am Material und so manches Mal (aber eher bei Reinigungsmitteln/-dingen, die ich unangenehm finde, denn beim Kochen – so Rotkohlhände sind ja auch was ehrliches *g*) bedaure ich schon, keine verwenden zu können.
        Wäre das denn sinnvoll, wenn du mir welche davon zum Testen schicktest oder bekommt man die eh an jeder Ecke für’n Appel oder auch zwei und ein Ei und das Porto stünde in keinem Verhältnis zum Aufwand, sie mir zu besorgen?

      • Ich denke nen 100er Pack nur zum Testen zu kaufen steht erst recht in keiner Relation…

        Und am Porto werde ich schon nicht bankrott gehen, muss mir ja keine Brötchen davon kaufen…
        Ich schick also welche, kein Problem … ähm doch Problem. Kommt ein Brief adressiert an „Katja, in dem kleinen Dorf wo soviel los is, mit nem netten Garten und Erbären drin“ denn an? *grübel*

        aprospos, mit fällt gerade ein, ich muss nochn Brot backen sonst is morgen nix mit Essen… *wegflitz*

        gruss
        Armin

      • Neugierig wäre ich ja jetzt schon, ob’s ankäme, aber ich fürchte eher nicht. 😀 Wir haben ja doch so um und bei 10.000 Einwohner.
        Guckst du Mail, findest du, wo mein Haus wohnt! 🙂 (Den dussligen Ohrwurm werde ich nie wieder los *befürcht* *Dedldedei dom, a dedldedei dom* :mrgreen: )

        Ich hoffe, das Brot ist toll geworden! (Hast du eigentlich Rezepte gefunden? Ich habe letztens verwundert festgestellt, dass ich sogar ein Buch mit Rezepten auf den Automaten zugeschnitten habe.)

    • Ist ja auch völlig unspannend, wenn man’s nicht gerade nachbasteln will.

      Ich weiss ja nicht, wie weit deine Pläne fortgeschritten sind, im Zweifel stelle ich die o.g. Methode natürlich gerne zur Verfügung. 🙂

      • Äh, ja. Also im Zweifel stelle ich die o.g. Methode und meine persönlichen Kräfte, Fähigkeiten, meinen Gewürzschrank und mein Kochgeschirr im Einsatz um den selbstgemachten Rotkohl zur Gefügigmachung der Menschheit natürlich gerne zur Verfügung.
        Nur die benötigten Weinfässer müsste dann jemand anderes reinrollen. :mrgreen:

      • Ich interpretiere das als Einverständnis, also werde ich demnächst Deine Aufnahme ins Elite-Team bekanntgeben. Herzlichen Glückwunsch (oder Beileid, je nachdem :mrgreen:)!

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