Frühlingswochenende in der kleinen Stadt

Samstag Früh um halb 4 stellt der Nachbarshund sein herzzerreissendes Jaulen ein. Jaulen, das macht er immer, wenn die Nachbarn nicht da sind, ausdauernd und ohne Pause. Tagsüber macht’s mir nichts wenig aus – ich hatte selber mal so ’nen Hasenfuß, der sein Unglück in die Welt fiepte, wenn Frauchen nicht in seiner Nähe war – tagsüber, da verliert es sich auch im Alltagslärm. Wenn die Nachbarn ihn aber nächtelang alleine lassen, finde ich das nur noch halb so lustig. Bis halb 4 lag ich überwiegend wach, hätte das arme Wauli am liebsten befreit/gerettet/entführt/an mich gedrückt, damit er aufhört zu Jaulen. Dann endlich: Schlaf.

Pünktlich um halb 7 fängt Nachbar Nummer 2 an, mit Möbeln durch’s Treppenhaus zu rumpeln und sich rufenderweise mit seinem mithelfenden Sohn zu verständigen. Ich bin wach. Danke.

Eine neue Küche bekommt er. Zur Hälfte steht sie noch auf dem Hof. Die andere Hälfte stellen sie gerade unter ohrenbetäubendem Bohrerlärm auf.

Die Flucht mit Kaffee und Buch bewaffnet in den Garten endet nach wenigen Seiten abrupt, weil der Bikerladen in der Parallelstraße heute sein großes Saisoneröffnungsfest feiert. Ich mag das Geräusch von Harleys wirklich. Ich mag’s nur nicht, wenn Dutzende davon nichts anderes zu tun haben als Runde um Runde zu drehen, direkt an meiner Sonnenliege vorbei.

Bei allem Optimismus und immer möglichst das Beste draus machen wollen und die guten Seiten sehen, fällt mir gerade nicht ein, wie ich aus diesem vermurksten Lärmgenervezitronendings Limonade herstellen soll. Stattdessen bin ich genervt, unausgeschlafen und quengele mich selber voll. Wieso genau nochmal wohne ich in so ’ner kleinen Stadt, die eigentlich ein besseres Dorf ist? Alles doof heute.

Katja

5 Kommentare zu “Frühlingswochenende in der kleinen Stadt

  1. 6.30 Uhr sind bei allem Respekt für Stress wegen Küche eine Frechheit. Wach ist man den eh, und doch gäb es da ein paar warme Worte von mir. *tob*

    Ach weh, trotz Sonne und allem doof, ist doppelt doof. Hoffentlich wird wenigstens der Nachmittag besser

    Harleys sind die neues Kärcher? 😉

    • Ich glaube, der Harley-Sound wummert dann doch noch angenehmer in meinen Ohren als der eines Kärchers. Wobei der Kärcher noch besser ist als Metallflexen, was die Nachbarn von schräg gegenüber vor gar nicht so langer Zeit in einer Ausdauer betrieben, dass ich dachte, es sei ihr neues Hobby. 😀

      Der Nachmittag machte sich dank des selbstverordneten Brötchenbackens noch! Alles wieder gut. 🙂

  2. glaub mir, das alles ist keine besonderheit einer kleinstadt …

    hier in der großstadt sind es busse, pkws und krankenwagen die für permanente „untermalung“ sorgen 😦

    ich wünsche dir, lass dir die gute laune nicht von äußerlichen einflüssen vermiesen!

    • Das war auch ironisch gemeint. Ich wohne ja absichtlich in so ’ner Fast-Dorf-Stadt, um Ruhe zu haben. 😉

      Heute Morgen ging es übrigens weiter: Gegen 9 Uhr klingelte der Küche-montierende-Nachbar an der Tür (und uns aus dem Bett), um schonmal im voraus darauf hinzuweisen, dass er gestern nicht mit dem Küchenaufbau fertig geworden sei und um sich schonmal zu entschuldigen, weil er nun sonntags weiterbohren wollte. Äh ja. Um kurz vor 11 hat er angefangen zu bohren. Ist natürlich wichtig, dass man das zwei Stunden vorher ankündigt, damit die Nachbarn auch genügend Zeit haben, sich mental drauf einzustellen. Äh. Oder so. 🙄

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