Selbstwertschätzung, wieder mal

Dienstag in Spanisch war’s so weit. Wir haben Kapitel 2 des Buches erklommen und da kommt ganz am Anfang die Frage nach dem Beruf. Und wie das bei so Kursen vermutlich üblich ist, mussten wir natürlich reihum alle unseren Beruf auf Spanisch nennen (wer das Wort für seinen noch nicht kannte, bekam selbstredend Hilfe der Kursleiterin).

In dem Moment als mir klar wurde, was mir gleich blüht, fing mein Herz an zu rasen und ich hatte fies zittrige Knie und Hände. Verflucht. Diese verschissene kleine Frage, macht mir solche Probleme und solche Angst. Immer, wenn mir die gestellt wird, fühle ich mich wertlos, nutzlos, als Versagerin und merke, dass ich mich immer noch über solche Werte wie den Beruf, die Leistung (also das, was die Gesellschaft darunter nunmal versteht), die Karriere definiere.

Ich mache nix, also bin ich niemand. Ich war mal jemand. War Verwaltungsfachangestellte, dann Verwaltungsfachwirtin, dann Abiturientin, dann Studentin. Ich hab mal was geleistet. Ich war furchtbar ehrgeizig. War bei meiner Ausbildungsbehörde Jahrgangsbeste, hatte das beste Abi meines Jahrgangs, hatte ein Stipendium der Studienstiftung an der Uni. Und dann Bumm.

Ich lerne – zum ersten Mal im Leben – verdammt langsam und spät, dass ich – als Mensch – einen Wert habe, der nichts mit dem ganzen gerade aufgezählten Kack zu tun hat. Dass ich liebenswert bin, weil ich ich bin. Und zum ersten Mal in meinem Leben, entwickele ich sowas, was wohl Selbstwertgefühl und -bewusstsein (im wahrsten Wortsinne) gleichkommt.

Und dann kommt in so ’nem doofen Kurs so ’ne verschissene Frage und alles ist wieder dahin. Ich sitze auf meinem Stuhl und würde am liebsten im Erdboden versinken, als der Zeitpunkt, dass ich dran bin, immer näher rückt.
Am liebsten würde ich mich mit den alten Federn schmücken, rausschreien wer oder eher was ich mal war oder wenigstens sagen, dass ich gerade nicht berufstätig bin, weil ich krank bin. Das würde natürlich überhaupt nicht in den Rahmen passen und so frage ich die Kursleiterin als ich dann dran bin mit brüchiger Stimme, was denn „ich bin zur Zeit Hausfrau“ auf Spanisch heisst.

Ich habe den Abend überlebt und auch mein erster Reflex, dass ich da nicht mehr hingehen kann, weil die ja jetzt alle wissen, dass ich ’ne Vollversagerin bin, hat sich wieder gelegt. Vielleicht (hoffentlich?) haben die ja nicht mal gemerkt, was mit mir in dem Moment los war und finden das nicht mal schlimm, dass ich nicht arbeiten gehe.

Was ich gemerkt habe ist, dass die Baustelle in meinem Empfinden und in meinen Gedanken über diese Wertedefinition noch viel größer ist, als ich mir die meiste Zeit selber eingestehen will.

Gerade fiel mir ein, dass ich bei dem Thema schon vor ’nem Jahr an fast dem gleichen Punkt war und nicht wirklich weitergekommen bin – zumindest nicht in solchen akuten Situationen. Mist.

Katja

16 Kommentare zu “Selbstwertschätzung, wieder mal

  1. Davon abgesehen, dass sich der Wert eines Menschen nicht nach seinem Beruf und seiner Karriere richtet, glaube ich nicht, dass die anderen Kursteilnehmer das irgendwie negativ bewerten. Es geht ja relativ vielen so, Menschen, die arbeitslos sind oder weil sie wg. Nachwuchs Erziehungsurlaub hatten und danach nicht mehr ins Berufsleben zurückkehren konnten (ja, es gibt die Garantie des Arbeitsplatzes, aber ich habe schon beobachten müssen, wie die ausgehebelt wurde) oder wollten.
    Dass bei Dir die Gründe andere sind, wissen die Kursteilnehmer ja nicht…
    In nicht so starker Form kenne ich solche Gefühle aber auch. (Wenn auch in anderen Zusammenhängen.) Ich sage mir dann immer, dass die anderen Menschen das gar nicht so stark wie man selbst registrieren und „begrübeln“ — in einigen Stunden/Tagen denken die eh nicht mehr darüber nach, weil wieder andere Sachen geschehen sind, mit denen sie sich gedanklich beschäftigen. Bei mir hilft das häufig, wenn auch nicht immer. Vielleicht zumindest ein Ansatz… Nächstes Mal habt Ihr andere Themen im Kurs, und dann sind die Hirnzellen der Mitstreiter damit beschäftigt, und wie gesagt glaube ich nicht, dass die überhaupt ein Problem damit haben, dass Du nicht arbeitest.

    • Eigentlich (so mit einigermaßen klarem Verstand betrachtet) glaube ich ja auch nicht, dass sich da irgendwer aus dem Kurs dran stört und empfinde das so, wie du es beschreibst. Dankeschön für die Bestätigung. 🙂
      Das was mich so nervt ist, dass dieser Film trotz dieses Wissens in meinem Kopf abläuft, dass ich mich wertlos fühle und dann in dem Moment auch deswegen denke, alle anderen müssten das auch so sehen.
      Und letztendlich wäre mir das vermutlich sogar egal. Mit Leuten, die den Wert eines Menschen nach seinem beruflichen Erfolg bemessen, würde ich ohnehin nicht näher zu tun haben mögen. Ich käme nie bei jemand anderem auf die Idee, ihn danach zu beurteilen. Nur bei mir selber mache ich das, von mir selber denke ich (immer noch, wie ich in so Situationen merke), dass mein Wert davon abhängt, dass ich etwas leiste, nicht dass ich ich bin.

      Doofe gelernte Muster, doofer weiter Weg vom Erkennen eines schädlichen Denk-(Fühl-)Musters bis zum tatsächlichen Gelingen des Umlernens.

  2. Dass Dich das nervt, kann ich gut verstehen. Da siegt das Gefühl/Unterbewusstsein/angelerntes Muster/sonst was Widerspenstiges über den Verstand, der uns ja sagt, dass man sich auf keinen Fall deswegen wertlos fühlen sollte. Schwierige Sache, das mit dem Umlernen. Dass Dir das alles aber klar ist und Du es auch in sehr deutliche Worte fassen kannst, ist bestimmt schon ein großer Schritt in die Richtung.
    Ich habe mir übrigens das Buch, das Du neulich empfohlen hast („Das heimatlose Ich“) gekauft und denke, dass ich es als nächstes oder spätestens im Urlaub (Juni) in Angriff nehmen werde. Muss mich dafür etwas wacher fühlen, als es zur Zeit der Fall ist…

    • Bis ich die Worte dafür hatte und das gemerkt und auch akzeptiert habe, hat aber in der Tat lange gedauert. Ich weiss auch gar nicht, wieso es genau das ist, was mir so zusetzt. Vielleicht sollte ich da mal gedanklich ansetzen und aufdröseln. Hmmm.

      Das mit dem Buch freut mich immens! Ich bin sehr gespannt, ob du etwas damit anfangen kannst (falls du das dann erzählen magst 🙂 .)

  3. das hast du sehr schön geschrieben … ich glaube diese empfindungen können viele menschen teilen, aber bei weitem nicht erkennen und benennen … das kannst du und richtig anschaulich noch dazu!

    das kapitalistische gsellschaftssystem schaut nur auf leistung und das fazit ist, dass es eben nicht vor dem privaten leben halt macht und nur in der wirtschaft bleibt … es durchflutet alles was wir sind und haben …

    es hilft nur abgrenzung, schotten dicht … all die dinge die wir schon zu zonenzeiten hatten, nur waren die gründe andere, aber konstatiert wurde es uns schon damals … heute wird nur nicht hingeschaut, weil kritik am system das system in frage stellt aber die welt keine alternative bietet, im sozialismus gabs den kapitalismus als gegenargument, aber anders herum funktioniert das nicht …

    keiner hat einen entwurf der funktionieren könnte, also ist jeder zweifler ein frevler besonderen ausmaßes, weil selbst kein gegenentwurf parat ….

    • Hm, es fällt mir zugegebenermaßen ziemlich schwer, das mit meinem Gefühl in Zusammenhang zu bringen. Vielleicht weil es mir so schwer fällt, einzusortieren inwiefern dieses Kopfkino, das bei mir abläuft und diese gefühlte Abhängigkeit des Selbstwertes von der Leistung, etwas mit der Gesellschaft zu tun hat, in der wir leben. Ich habe als Kind schon früh und ausdauernd „gelernt“, dass die Zuwendung meiner Eltern von meinen Schulnoten abhängig war. Und deren Haltung hatte ganz sicherlich nichts mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu tun, meine Mutter würde das nicht mal verstehen. 😉
      Ich frage mich oft, ob ich durch das Leben in dieser Gesellschaft, die nunmal so ist, einen ebensolchen Hau diesbezüglich bekommen hätte, mich ebenso fühlen würde, wenn ich in einem Umfeld aufgewachsen wäre, in dem ich mich – als Mensch und nur dafür, dass ich ich bin – geliebt gefühlt hätte. Oft denke ich, dass man dann ein ganz anderes Selbstbewusstsein für’s Leben entwickeln kann, weil diese Basis des Ich-Seins einem ja – völlig unabhängig von Umständen – immer erhalten bleibt.
      Oder verdrängt man das ebenfalls, wenn der Druck der Gesellschaft nur groß genug ist? Worum es glaube ich – falls ich das einigermaßen richtig verstanden habe, was du meinst – bei dem, was du sagst, geht. Also nur um den Faktor Gesellschaft, von dem ich keine Ahnung habe, wie sehr er mich beeinflusst.

  4. Fellmonster hat recht finde ich.
    Weißt du was? Ruediger hatte doch letztens dieses Berufe-Stöckchen. Ich habe ernsthaft überlegen müssen warum ich das nicht aufnehmen wollte. Es war keine Verpflichtung oder Ähnliches, doch ich habe wirklich überlegt warum nehme ich es nicht. Ich bin dahin gekommen, dass ich das was ich jetzt sage vielleicht hätte erklären müssen und das endlich nicht wollte. Jetzt mache ich es jedoch. Weil ich gerade empfinde, dass es passt.
    Man kann hörgeschädigte Bildung und Lebenswege (und endlich alle Behinderungen auch so) nicht mit nichtbehinderter Bildung vergleichen. Es gibt immer Leute die ausscheren und versuchen ihre Lebenswege anzupassen, doch dass sind oft diejenigen die in Sucht oder anderen psychischen Krankheiten enden. Oder so wie unsere „Hilfskraft“ in der Einrichtung. Der hatte schon studiert und ein Diplom und „darf“ jetzt ab September mit 16-jährigen Erstauszubildenden Kinderpfleger an einer Hörgeschädigtenberufsschule lernen, damit er seine Berhinderung erstmal vernünftig akzeptiert.
    Das wollte ich nicht hauptsächlich sagen.
    Schau mal, ich bin im Erstberuf (und der hat mir Spaß gemacht) Schuhmacherin. Das ist ein typischer „Hörgeschädigtenberuf“ weil er nicht viele Kommunikation braucht. Ich wusste als ich das begonnen habe, dass das endlich was ist, das keiner sucht. Doch das ist mit den meisten Handwerksberufen die von Frauen ausgeübt werden können so. Ich wusste also immer, Abitur hin oder her, Zweisprachigkeit so oder so, es gab enorme Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht lange arbeiten würde. Das hat mir nicht gefallen, weil es nicht zu dem Leistungsprinzip passt das in der Gesellschaft ist.
    Dann kam es: Schuhmacher? – Braucht kein Mensch. Dann habe ich mir überlegt, dass ich das jedoch sehr mochte und vielleicht Entrepreneur werden kann, mit eigener Unternehmung. Ich habe so sehr gern Schuhe gemacht wie du kochst. Ich habe keine Förderung für diese Idee bekommen. Grund: Ich bin praktisch taub, für so Leute gibt es kein Geld so was zu machen in Deutschland. Dann habe ich gesagt was ich sonst machen soll. Und dann hat man zu mir gesagt ich soll studieren. Wollte ich gar nicht. Wenn ich irgendwohingehe und es fragt mich jemand ob ich ein Diplom für meinen jetzigen Beruf habe, dann sage ich das – sonst nicht.
    Ich bin froh, dass ich es habe, weil ich mit meinen Augen heute nicht mehr an die Maschinen könnte ohne eine Gefährdung, doch ich habe es nicht gewählt. Nicht einmal was genau. Ich habe etwas gemacht für das Bedarf da ist. Das ist nicht nichts und es waren harte Bedingungen, doch es ist in etwa genauso viel Wert als ob ich „Hausfrau“ wäre. Weißt du warum? Weil es diese Bedingungen waren und die sieht niemand. Vielleicht sehen die Leute bei dir nur „ah, Hausfrau. Gerade keine Arbeitsstelle?“ Doch fragen sie nach den Bedingungen. Es sind harte Bedingungen mit der Angst, nur das wissen sie nicht, wenn sie es selber nicht haben. Und wenn es jemand verurteilt, dann ist es vielleicht eine Person die sehr unglücklich ist in sich und jeden Tag eine Arbeit tut die nicht gefällt und dabei sich einredet, sie hat einen Superjob und Geld usw. Das ist dann auch nicht mehr wert, wegen der Armut dahinter.

    • Hmm. Speziell, was du am Ende zu den Bedingungen sagst, gibt mir einige Denkanstöße, auf denen ich noch ein bisschen rumdenken muss und die sich beim ersten Lesen nach einer Verbindung anfühlen, vor der ich – in dieser Beziehung – gerne mal die Augen zumache.
      Vielen Dank dafür und noch mehr für den sehr persönlichen Einblick in deinen Werdegang, den du hier gewährst, Charlotta. 🙂

      Ich habe früher sehr gerne StarTrek geschaut (Next Generation, die klassische Serie war mir zu sehr Revolverheldmäßig 😀 ). Ich weiss nicht, ob dir die Serie vertraut ist. Was mir immer am meisten an der Welt gefallen hat war dieser Gedanke, dass es keine Notwendigkeit mehr gab, zu arbeiten – die Bedürfnisse wurden so oder so alle erfüllt und die meisten Aufgaben ließen sich wohl auch auf technischem Wege lösen und erforderten zB keine Muskelkraft mehr – sondern dass dort die Menschen ihrem Job aus Gründen der Selbsterfüllung nachgehen konnten.
      Ich hab mich oft gefragt, auf wieviele Prozent der Gesellschaft das wohl in unserer Welt zutrifft, dass sie tatsächlich das machen können, was sie erfüllt…

      • Nein, ich kenne die Sendung nicht wirklich. Ich kann mit SciFi nichts anfangen. Ich glaube, es ist ein sehr kleiner Prozentsatz der den Job macht der sie erfüllt. Und da sehe ich wieder einen Trennungsstrich (schade, dass er da ist, doch das ist einfach so), weil ich zum Beispiel weiß, dass sehr viel auch gut ausgebildete Menschen mit Behinderungen für Hungerlöhne arbeiten (ein guter Freund von mir in Mannheim arbeitet 40,5 Stunden per Woche und bekommt netto 5 € pro Stunde heraus. Sein Job erfordert ein Studium.), damit sie überhaupt was zu tun haben. Ansonsten würden sie zu Hause sitzen. Zumindest in Deutschland ist es sehr bewusst, dass auf dem Arbeitsmarkt endlich kein Platz für Menschen wie uns ist (ich habe die Stelle, die ich jetzt habe, weil genau diese Arbeit niemand machen will – 7 Tage die Woche, nachts mit im Schnitt 2 freien Tagen im Monat), also ist es irgendwo so etwas wie, dass wir uns das machen weil es uns erfüllt. Vielleicht nicht ganz dasgleiche. Ich kenne jedoch niemand mit gutem Gehör der zu den Konditionen meines Jobs arbeiten würde. Zum Beispiel. (Endlich könnte ich jetzt den Kopf schütteln und sagen „Zu verwöhnt, die Leute“)

      • Dass Akademiker für diesen (Netto-)Lohn arbeiten gibt es tatsächlich schon häufiger, allerdings dann selten auf Stellen, die diesen Ausbildungsgrad erfordern.
        Ich hab mich nie in der rauhen Privatwirtschaft herumschlagen müssen und bin daher vielleicht wirklich dahingehend zu blauäugig. Bei der Behörde, für die ich arbeitete, gab es keine faktische Unterscheidung zwischen behinderten und nichtbehinderten Mitarbeitern und der Prozentsatz lag auch oberhalb des gesetzlich vorgeschriebenen (ich weiss gar nicht, ob es das noch gibt). Aber ich kann mir vorstellen, dass das in der Privatwirtschaft anders war und jetzt erst recht anders ist.

      • Ach, so jemanden (in einer Stellung, die kein Studium erfordert), kann ich dir auch bieten: Eine Freundin zu Hause ohne jegliche Behinderung, die auf Lehramt studiert und unterrichtet hat, dann jedoch schwer depressiv wurde. Nach ihrem Klinikaufenthalt hat ihr dann niemand eine andere Ausbildung ermöglichen wollen (Arbeitsagentur hat sich durch mehrere Instanzen geweigert sie als Rehafall anzuerkennen), sie verkauft jetzt Wein am Telefon.

  5. Als ich gestern diesen Beitrag las, Katja, war das wieder so ein Moment des Wiedererkennens. Mit dem kleinen Unterschied, daß ich es bis heute nicht geschafft habe, einer Arbeit nachzugehen, die zur Abwechslung mal nicht „nur“ ehrenamtlich ist.

    Ich habe mein Studium nach einem Tag geschmissen, weil ich voller Panik war, desorientiert und kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
    Doch mich hat niemand gefragt, was mit mir los sei, nur meine armen Eltern wurden bemitleidet.

    Ich habe vorher eine bescheuerte Lehre geschmissen, weil es der denkbar ungünstigste Beruf war, den ich mir hätte aussuchen können. Also beschloß mein Körper zu streiken, um dem Verstand auf die Sprünge zu helfen.

    Ich habe eine zweite Ausbildung geschmissen, weil es der denkbar ungünstigste Beruf war, den ich (außer meiner ersten Lehre) hätte machen können. Also beschloß mein Körper wieder zu streiken.

    Ich habe heute einen Abschluß als Fachinformatiker. Den habe ich geschafft, weil es eine Umschulung war, mit größtenteils anderen jungen, schrägen Leuten und „Hausfrauen“ und obendrein der so ziemlich günstigste Beruf, den ich mir hätte aussuchen können.

    Ich bin heute trotzdem „nur“ Hausfrau, und ich zögere jedesmal, diesen Begriff in einer online-Umfrage auch nur anzukreuzen, weil es nicht das ist, was ich sein wollte oder sein will.

    Es ist so schlimm wie wahr, daß die Gesellschaft, die Leute im allgemeinen also, einen danach einschätzen, was man KANN und MACHT und HAT und demzufolge IST. Wenn das für die eigene Familie (Eltern, Großeltern) aber auch so ist, dann tut das richtig weh.

    Wenn keiner die Probleme sehen will, die man schon als Kind hatte und alles verdreht wird, nur damit die eigene Welt wieder stimmt, dann kommt man sich ziemlich hilflos vor.

    Ich habe (noch immer) keine offizielle Diagnose für das, was bei mir „nicht stimmt“. Weil es schwer ist, damit irgendwo hinzugehen, weil die meisten „Fachleute“ davon selbst nicht viel Ahnung haben, weil man auch dort (vielleicht) nicht ernst genommen wird.

    Also sitze ich hier, an meinem Rechner, in meinem kleinen Schlafzimmer, obwohl jetzt alle Kinder groß genug und in Kindergarten und Schule sind. Und eigentlich möchte ich auch nichts weiter als hier an meinem Rechner sitzen (wenn es nur nicht so schlecht bezahlt wäre).

    Oh je… ein schwieriges Thema, und es fällt mir verdammt schwer, nur diese paar Zeilen hier zu schreiben…

    Aber grundsätzlich denke ich, es ist so, wie auch Fellmonsterchen schon sagte: die meisten Leute sind viel zu oberflächlich, die denken nicht lange über das nach, was du gesagt hast (was umgekehrt vermutlich ganz anders ist). Und nun hast du es geschafft, Katja, die blöde Frage ist gestellt und beantwortet, und es ist nix weiter passiert, außer, daß du gemerkt hast, „wo du stehst“, nämlich, daß es noch immer schwer für dich ist, dir klar zu machen, daß DU es bist, die wichtig ist, und nicht dein JOB… Und du konntest es hier aufschreiben und ausformulieren, und das ist gut.

    Nach dem Buch werde ich gleich mal schauen, klingt interessant…

    • Liebe Magrat, was du erzählst, berührt mich sehr und ich danke dir dafür, dass du es erzählt hast, weil ich vermutlich gerade genau nachfühlen kann, wie schwer dir das gefallen ist.

      Manchmal denke ich, dass es genau dieses Aussprechen ist, was ich auf diesem Gebiet forscher angehen sollte. Ich hab mich so für die Depressionen geschämt und das offen auszusprechen war gut, um normaler damit umzugehen. Vielleicht ist das bei diesen Berufsdingen tatsächlich ähnlich und ich fände es nicht mehr so schlimm, wenn ich offener (und offensiver) damit umginge. *Schultern zuck* Und vielleicht ist das bei dir und generell ähnlich? Aussprechen, aussprechen, es selber sagen und hören und sich dran gewöhnen, es als normaler empfinden. Weg mit dem Tabu.

      Nur falls du drauf antworten magst: Empfindest du das eigentlich als gut oder schlecht, dass dein Körper dir schnell Warnsignale abgibt? Von aussen betrachtet wirkt das auf mich wie ein sehr guter Mechanismus, weil er verhindert, dass du zu tief in Dinge gerätst, die dir nicht gut tun. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch sehr anstrengend ist, wenn man sich den körperlichen Reaktionen so ausgeliefert fühlt und der eigene Wille so kraftlos erscheint. (So empfinde/empfand ich das zumindest bei Panikattacken.) Noch dazu, wenn man noch nicht richtig deuten kann, was mit einem passiert.

      Zum Buch: Da hatte ich hier etwas drüber geschrieben alle gezwungen, es direkt zu lesen. 🙂

  6. Fange ich mal am Ende an:
    Die Sequenz „,,,dass es keine Notwendigkeit mehr gab, zu arbeiten …“ möchte ich um „Vollzeit zu Tariflohn arbeiten“ ergänzen. Denn spätestens seit eine brauchbare Rentenanwartschaft damit nicht mehr erworben wird, ist das für den, den nicht zu den Power- Shoppern gehört, die Sonntags auch immer noch nach Holland brettern, zum grandiosen Unfug mutiert. Wenn ich soviel Geld, wie eine Familie dringend benötigt doch nun alleine nicht brauche, warum soll ich es mir mit Arbeitskraft erkaufen? »Damit Sie sich davon was kaufen, egal was für`n Müll!!!« höre ich Brüderle schon wettern. Und seine Handlanger, die selbst selten etwas lernten, was einer Exportnation förderlich wäre und nun wiederum Arbeitslose benötigen, damit die selbst was zu tun haben, jubeln ihm zu. Betüddeler eben.

    Die Zahlen sind ja bekannt: Einen €, der bei Arbeitslosen ankommt, begleiten circa 7 weitere, die bei den Betreuungsbanden landen. Als die noch nicht das Land penetrierten, mit ihrem selbst kreiertem „Beratungs“- Unfug das Land übertünchten, gab es seltsamerweise auch keine oder zumindest nur die Sockelarbeitslosen.
    Also erfährt der „Wert“ den wir für DIE haben, materiell nur Geringschätzung. Auch die Funktion als Lohndrücker schlägt bei Hartz IV nicht zubuche.
    Denn anders als es Plasberg & seine Betschwestern es (für`s Regime der Ausbeuter) vorgaukeln müssen, wissen diese es längst besser. Denn die „Wert“schätzung, die sie den Mitarbeitern 2 Dekaden lang vortäuschen mussten, indem die Fließbandarbeit durch sinnvollere Tätigkeiten ersetzt wurde, erfährt den Roll-back, da so ausreichend und billig das Personal lange nicht zu haben war. Nur lässt die neue Taktdichte am Band das Grübeln über den Selbstwert nicht zu. Den taxieren dann Amtsärzte, manchmal -kann aber nur eine Ausnahme sein-, also bitte!- zu Ungunsten der Lohnempfänger- Wracks. Die werden dann wieder zu Beratern gejagt.Aber die waren ja oben schon dran. 😎

    Eine weiteren Großnutzen aus der Haltung von nicht oder gering Entlohnten (könnte auch ein Schlachthofbegriff sein) haben weitere dem Brüderle nahe stehenden Anbieter auf dem Immobilienmarkt. Vermieter wäre hier eine nicht zulässige Verniedlichung. Die mit dem 4 Wohnungshaus meine ich auch nicht.
    Denen spült doch ol`Hartzy knapp die Hälfte von dem, was bei Plasberg & Co. „Sozialleistung“ heißt, direkt in ihre Schwarzgeldkassen. Anstrengungslos. Denn dass deren Bauten i.d.R. nicht den Anforderungen an Wärmeschutz genügen, weiß selbst Sarazzin. Sanierung oder Neubau verschiebt einerseits aber den Profit nach hinten, wird aber sicher ins Auge gefasst, wenn die völlige Freizügigkeit in der EU greift. Dann fällt auch der blöde Baumindestlohn. Der –so Brüderle– hemmt ja alles! /Außer Ausbeutung, so ich.

    Also Katja, nur weil Dein Provinzblättchen wie auch die dicken Zeitungen unfähig (Werbekunden!!!) sind, den wahren Wert darzustellen, den man durch lärmarmes Rumsitzen bei günstiger Ernährung für die Allgemeinheit hat, sollten auch Gedankenkeimlingen einer eingeredeten „Nicht-so- Nützlichkeit“ nicht noch selbst gedüngt werden. Das machen doch schon genug Schnullis.
    Und keiner stoppt sie, keiner.
    Aber ich stoppe, wg. Nierchen (Tipp hier: Du stoppst dafür nie!?) warten…

    • Hmm, also das was du da von mir zitierst, war auf eine Science-Fiction-TV-Serie bezogen, nicht auf die Gesellschaft, in der wir leben.
      Dass ich mich im Web fast nie auf politischen Themen und Diskussionen einlassen möchte, hat seine Gründe und ich möchte das auch – und gerade – in meinem Blog nicht ändern. Deswegen lasse ich das ansonsten mal einfach so stehen. 🙂

  7. Pingback: Mut, nachträglich empfunden und nachgetragen « Gedankensprünge

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