Sortierversuch Konfliktverantwortung

Immer wieder kehrt ein Teil eines Telefongesprächs gestern in meine Gedanken zurück und irgendwie fühlt es sich an, als wäre der Denkanstoß (Danke dafür! Wiedermal! Und für noch soviel mehr! 🙂 ), den ich da bekommen habe, ein Puzzlestück, das sich auf einmal in eine Sache einfügt. Ich muss das jetzt hier festhalten, damit es mir nicht wieder entgleitet.

Sinngemäß und sehr verkürzt ging es darum, dass derjenige, der einen sichereren Stand (durch mehr Erfahrung, eine bessere Wahrnehmung oder was auch immer) auf einem bestimmten Gebiet (in einer Konfliktsache) hat als ein anderer, da auch mehr Verantwortung übernehmen muss und das geht nur, wenn derjenige sich nicht als kleiner (weniger kompetent) empfindet, als der andere ihn sieht (er objektiv ist?).

Dazu schießen mir die ganze Zeit solche Phrasen durch den Kopf, wie „der Klügere gibt nach“ und auch die Ermahnungen von Eltern an Geschwister, die oft genug von dem älteren Kind erwarten, dass es in einem Streit nachgibt – völlig unabhängig davon, wer im Recht ist und nur alleine aufgrund der Tatsache, dass es (zumindest angenommen) mehr Verständnis aufbringen muss / sollte, aufgrund der größeren Erfahrung / des höheren Alters.

Beim darüber Nachdenken bin ich so hin- und hergerissen, weil das einfach erst mal völlig unfair klingt, wenn nur die generellen Umstände und gar nicht aktuelle / akute Situationen eine Rolle spielen sollen.
Andererseits ist mir aber auch sehr bewusst, dass das tatsächlich, bei verhärteten Fronten, manchmal die einzig sinnvolle oder zumindest vernünftige Lösung ist. Also zumindest im friedlichen / harmonischen Sinne.
Eigentlich also genau das Richtige.

Wenn, ja wenn da nicht noch die andere Seite der Medaille wäre. Der Gedanke ein gerade erst erwachtes „nein. mit mir nicht.“ direkt wieder einzumotten, macht mir ganz schön Angst. Da liegt am Ende genau die Rolle, die ich seit langem endlich abzustreifen versuche. Vermutlich muss ich das gar nicht, aber noch sehe ich nicht, wo der Grat dazwischen verläuft.

Und wo soll ich überhaupt die Geduld hernehmen und die Größe, die es erfordert, da mehr Verantwortung zu übernehmen als sich für mich auf Anhieb als richtig und (er)tragbar anfühlt?

Mist. Da muss ich noch ordentlich drauf rumkauen.

Katja

4 Kommentare zu “Sortierversuch Konfliktverantwortung

  1. m2c:
    „Der Klügere gibt nach“ ist nicht gut. Sich stets zurückzunehmen und immer nachzulassen eigentlich sogar Dreck. Ok, nicht überall und universell. Wenn man weiß, dass man im Recht ist oder es besser kann, man derzeit nicht weiter kommt, ist allenfalls eine Pause der Bemühungen akzeptabel, der Rest ist sich drücken und/oder aus dem Weg“ gehen. Gut, aufgrund schiefer Machtverhältnisse muss man auch mal den Kürzeren zu ziehen. Das ist nicht schön, aber passiert.

    Mein Grad ist grundsätzlich nicht nach-/aufzugeben, es sein denn, ich kann nicht anders oder werde überstimmt? Mit mir nicht ist richtig, nicht überall und universell, aber grundsätzlich richtig. Mit Bedacht nichts gefallen lassen und auch selbst sperrig sein, um sich nicht so einfach aus dem Weg räumen zu lassen.

  2. Ich kann nur wieder mal Danke sagen, dass du dich so häufig auf meine schwierigen und unausgegorenen Themen einlässt, lieber Rüdiger! Ich bin so sehr froh über den Input, den ich dadurch bekomme, weil das ganz oft meine Gedanken aus ihren begrenzten Bahnen rausholt.

    Das passt hier auch wieder mal sehr gut, weil das, was du schreibst, haargenau zu dem widerstrebenden Gefühl passt, das ich bei der Sache in mir habe. Und da ich in dem, was du geschrieben hast, sicheren (Rück-)Halt dafür gefunden habe, kann ich mich gefahrlos mal auf die „Gegenseite“ wagen und da eine klarere Position finden, in der Hoffnung, dass sich dann irgendwann der schmale Grat, der für mich gut und begehbar ist, in der Mitte auftut.

    (Falls das zu verworren ist ( :mrgreen: ), lies bitte einfach das „Dankeschön“ raus. Mir hat es einen wirklich guten Impuls gegeben, über das was du dazu gesagt hattest, zu schlafen und ein bisschen draufrumzudenken.)

    Ich denke derweil einfach mal weiter hier ins Unreine.

    Ein Verhalten oder Denkmuster zu ändern, an dem man schon sehr lange hängt, bedeutet (Um)Lernen. Und das ist oft ein mühevoller Weg, das weiss ich mittlerweile ziemlich gut und wünschte mir häufiger mal ’nen Kippschalter, der mir den abnähme.

    Es ist verdammich schwierig, etwas zu lernen, wenn man sich auf einem Gebiet unsicher fühlt und fürchten muss, Fehler zu machen. Ich glaube, dann verlässt man sich recht schnell lieber wieder auf die altbewährten Muster, die zwar auch nicht gut sind, aber wenigstens zuverlässiger kalkulierbar.

    Heisst das also nicht im Umkehrschluss, dass derjenige, der sich auf diesem Boden sicherer bewegt, schon irgendwie in der Verantwortung ist, einen Raum zu schaffen, in dem der andere, den Mut haben kann, Dinge zu verändern?

    Wenn sich ein Kind beim Fahrradfahren lernen, ungeschickt anstellt, kann ich’s natürlich dauernd umplumsen lassen. Ich kann ihm aber auch Stützräder für’s Fahrrad kaufen. Das ist für mich teurer und ich muss die auch anschrauben. Aber letztendlich wird es sich sicherer fühlen und mutiger losbrausen, anstatt das Rad frustriert in die Ecke zu pfeffern. Hmmm.

    Kann jemand, der in einer Sache unterlegen ist, oder – was in dem Falle viel entscheidender ist – sich unterlegen fühlt und mit dem verzweifelten Gefühl (und der Self-fulfilling prophecy) ohnehin alles falsch zu machen, sich da aus eigener Kraft rausstrampeln? Wo kommt der Impuls dafür her?
    Ist es nicht viel leichter, auf einem Terrain Schritte zu machen, wo man den Boden sicherer spürt?

    Und liegt es nicht doch in der Verantwortung desjenigen, der (vermeintlich) sicherer steht, dafür zu sorgen, dass der andere das auch lernen kann – auch wenn das bedeutet selber erst mal sehr viel verhaltener zu werden?

    *rumdenk*

  3. opus, sry, Deine Antwort ist mir durch die Finger gerutscht.

    Mal sehen, ob ich die Kapriolen mitgehen kann:

    Was ist an einem Fehler schlimmes, außer das man lernt (oder es sollte) es das nächste Mal anders zu machen? Was ist schlimm sich zu versuchen und an neue Situationen und Verhaltensmustern zu messen? Bewusst ein Risiko und einzugehen ist es zu minimieren. Bewusst etwas neues zu versuchen und sich von altem zu lösen heißt flexibel zu bleiben. Flexibel ist biegsam, anpassbar aber nicht dauerhaft formbar.

    Kinder kennen so etwas wie Frust meist nur wenig, die haben schlicht keine Lust mehr wenn „es“ nicht klappt, aber nur um „es“ später wieder und immer wieder zu versuchen. Um beim Fahrrad fahren lernen zu bleiben: Eltern halten die Sättel der Kinder gerne deswegen, fest, weil sie sonst nicht sehen wie sie loslassen und plötzlich doch alleine fahren. 😉 „Vertrau Dir selbst“ ist hier die Botschaft.

    Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, dafür zu sorgen, dass er gut „durch kommt“ und dabei niemanden sonst in Mitleidenschaft zieht. Jeder ist sich selbst der Nächste. Als Vorgesetzter hat man diese Pflicht, als Vorbild zu fungieren und dafür zu sorgen, dass andere etwas lernen. Sonst nicht.

    Das driftet jetzt etwas, oder? 🙂

    • Es driftet nur insofern, dass ich mir so schwer damit tue, das in Bezug auf mein konkretes Anliegen zu beantworten, ohne hier mehr öffentlich zu machen als ich möchte – deine Gedanken dazu sind mir aber, unabhängig davon, wie gut ich darauf antworten kann, sehr wertvoll. 🙂

      Im Grunde sehe ich das alles fast genauso.
      Das Problem ist, dass nicht jeder so tickt und aus Fehlern so einfach lernt. Speziell eben nicht, wenn der Boden, auf dem man sich da bewegt, kein so sicherer ist und dann kann’s eben doch passieren, dass jemand anderes in Mitleidenschaft gezogen wird. In diesem Falle bin ich die Mitleiderin und bevor ich in dieser Sackgasse stecken bleibe und das immer wieder weh tut, probiere ich es wohl lieber mal mit dem Rückschritt. Letztendlich soll der ja hoffentlich genau zu meinem Seelenheil führen. D.h. eigentlich bin ich mir ja sogar selber die nächste, wenn ich deswegen zurückstecke, damit es auf Dauer besser wird. 🙂

      Hmmm. *weiterrumdenk*

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