Twilight

Heute Abend, nach einem Blick aus dem Küchenfenster, musste ich die Kamera schnappen und rausflitzen. Fünf Minuten später war der Zauber auch schon wieder verflogen.

Flüchtigkeit, ins Bild gebannt:

Katja

Hasenfuß, einsamer

Mein Kopf ist so voll, dass er sich irgendwie schon wieder wie leer anfühlt. Ich versuche, meine Gedanken zu Blog zu bringen und merke, wie ich mich verheddere, schon nach wenigen Sätzen bei einem ganz anderen Thema lande, wie mir ein positiver „alles ist besser als vor einigen Jahren“-Beitrag durch die Finger flutscht und ich auf einmal über Einsamkeit schreibe, die der Preis dafür ist, dass ich versuche, meine Priorität von der virtuellen in die echte Welt zu verschieben, versuche, wieder besser Fuß in meinem Leben zu fassen.

Es fühlt sich so paradox an.

Auf der einen Seite sind meine Tage nicht nur viel voller, sondern auch sehr viel erfüllter. Die Dinge, mit denen ich meine Zeit fülle, fühlen sich größtenteils gut an. Ich habe endlich das Gefühl mich selber wieder mehr zu spüren, zu merken, was gut und richtig für mich ist.

Auf der anderen Seite laufen mir gerade die Tränen über die Wangen, wenn ich daran denke, wieviel Zeit ich vor einigen Jahren im IRC verbracht habe, immer in Gespräche mit Menschen verwickelt, die mir lieb und wichtig waren und sind und wie sehr ich diese Menschen vermisse. Ich versage mir ganz oft, irgendwelche Chatprogramme zu starten, habe Angst, dass ich ansonsten, ohne es zu merken, wieder in die Routine rutschen könnte, ganztägig vor dem Rechner zu sitzen. Und wenn ich dann mal da bin, dann fühlt es sich an als sei ich irgendwo „zu Besuch“ und ich gehöre nirgendwo mehr dazu. Dazu kommt mein schlechtes Gewissen, weil ich mich so rar mache; auch weil ich genau weiss, wie traurig mich das gemacht hat, wenn jemand, mit dem ich über Monate oder Jahre hinweg viel Zeit verquatscht habe, einfach verschwunden ist.

Ich habe das Gefühl, nicht beides nebeneinander haben zu können, nicht kontrolliert damit umgehen zu können, nur stundenweise Zeit im Chat zu verbringen. Wenn ich jetzt mal eines der Programme öffne dann ist das meist eine tagesfüllende Angelegenheit, so wie früher, und ich bin im Taumel, endlich wieder mal mit meinen Lieben zu reden. Vielleicht fehlt mir noch der ausreichende Halt und Fuß und Anker oder was weiss ich auch immer im echten Leben, damit ich mich nicht direkt im Web verliere.

Und manchmal frage ich mich, was das überhaupt soll. Was zur Hölle will ich überhaupt in diesem echten Leben, in dem ich so alleine bin? Und trotzdem weiss ich tief in mir drin, dass ich lernen muss, mich in diesem verfluchten echten Leben, das so kompliziert ist, zurechtzufinden. Wo ich so aus der Kontakt- und Kommunikationsübung bin, dass ich statt mit schlagfertigen Sprüchen wie im Chat, meist nur mit verlegenem Grinsen wortlos bleibe, wenn mir irgendwer ’nen Spruch reindrückt.

Einer meiner sehnlichsten Wünsche – jemanden in der Nähe zu haben, mit der/dem ich gelegentlich mal ’nen Kaffee trinken gehen könnte und einfach ’nen Nachmittag verquatschen – ist gleichzeitig eine meiner größten Ängste, weil ich gar nicht mehr richtig weiss, wie man das macht, reale Freundschaften pflegen oder auch nur knüpfen. Und dann hab ich Angst, dass ich alles falsch machen könnte, was man nur falsch machen kann, weil ich mich so ungelenk und ungeübt auf dem Gebiet, das früher mal eines der normalsten für mich war, fühle, was zu noch mehr Unsicherheit führt, wodurch ich mich davor fürchte, mich noch seltsamer zu verhalten. In Summe führt das dazu, dass ich es überhaupt nicht wage, Kontakt zu der Freundin aufzunehmen, die hier in der Gegend wohnt.

Es ist doch völlig paradox, sich etwas einerseits so sehr zu wünschen und es andererseits so zu fürchten.

Und mindestens genauso paradox ist es, darauf zu hoffen, den Umgang mit Menschen in Trockenübung vom eigenen Garten aus lernen zu können, ohne dafür mit Menschen umzugehen.

Und dann fühle ich mich wie ’n oller Hasenfuß, weil ich mir wieder mal mit meiner doofen Angst selber im Weg stehe.

Katja, die sich mal präventiv dafür entschuldigt, dass das so sehr nach Jammern klingt. Anfühlen tut es sich eher nach Kopf an die Wand schlagen, denn nach jammern. Und Jammern ist sowieso murks und doof und ich mag das nicht. Schon gar nicht an Stellen, wo ausser mir ohnehin niemand etwas ändern kann. Also lest am besten überhaupt nicht. Also falls ihr zufällig unten angefangen habt und nicht eh schon gelesen habt. :mrgreen:

Morgen wird alles wieder gut und die Sonne scheinen. Ommm.