Mit der Wand geredet

Eigentlich ärgere ich mich gar nicht nachhaltig über Dinge, weil das meistens eh nichts bringt, ausser dass ich mir selber den Tag damit vermiese.

Gerade ärgere ich mich allerdings doch. Und das schon seit Samstag. Da habe ich mit meinem 12-jährigen Neffen telefoniert, der gerade für 6 Wochen in einer Kurklinik ist. Am Morgen des selben Tages hatte der Postbote ein Paket mit einem Modellbausatz, seiner aktuellen Leidenschaft, hier abgeliefert, das ich noch mit ein paar Keksen, Gummibärchen und so Dingen ausstatten wollte und dann heute zur Post bringen, um es ihm als Trostpflaster für die lange Zeit, die er in der Kur bleiben musste, zu schicken. Davon wusste mein Neffe nichts und das sollte er natürlich auch nicht wissen – Überraschungen sind ja viel schöner.

Umso überraschter war ich, als er mich am Telefon mit den Worten „Du Katja? Die Mama hat doch gesagt, du wolltest mir ein Paket schicken und ich wollte mal fragen, wann du das denn nun machst.“ begrüßt hat. Dass ich die Überraschung nicht mehr retten kann, war dann spätestens klar, als er mir erzählte, die Oma hätte ihm das aber auch gesagt, dass ich ihm etwas schicken wolle.

Ich bin wirklich sprachlos über die Gedankenlosigkeit meiner Schwester und meiner Mutter. Von meiner Schwester brauchte ich die Adresse, daher wusste sie das überhaupt, aber ich hatte ihr deutlich gesagt, dass ich nicht wisse, wann ich dazu komme, meinem Neffen zu schreiben, daher sollte sie ihm nichts verraten. Meine Mutter wusste es dann von meiner Schwester und sie sprach mich drauf an und ich sagte ihr deutlich, sie solle ihm nichts verraten. Und beide setzen sich einfach so darüber hinweg und vermasseln sowohl meinem Neffen als auch mir die Freude.

Szenario 1: Neffe bekommt überraschend Paket von Tante -> Überraschung, Freude

Szenario 2: Neffe weiss, dass Paket von Tante kommen soll und wartet. Und wartet noch ’nen Tag. Und noch einen. Fragt dann nach. Wenn das Paket dann ankommt ist das ein „na endlich“ Gefühl. Nix Überraschung. Freude vermutlich schon, hoffe ich zumindest. Aber das eben alles mit dem „jetzt musste ich aber ganz schön lange drauf warten“-Gefühl.
Mir ist die Freude echt verdorben und mein Neffe kann überhaupt nichts dafür. Dass der neugierig und ungeduldig geworden ist, ist nachvollziehbar. Er ist 12.
Aber wie können zwei erwachsene Frauen so kurzsichtig sein, sich diese beiden Szenarien nicht vorher mal auszumalen?

Ich schenke wirklich von Herzen gerne und gerade meinen Neffen beschenke ich gerne, aber heute das Paket zur Post zu bringen, hat einen echt schalen Beigeschmack.

Katja

9 Kommentare zu “Mit der Wand geredet

  1. das kann ich aber sehr gut verstehen, dass du dich darüber geärgert hat, schenken auf anfrage rockt so gar nicht … und von familie erwartet man etwas anderes

  2. .. vor allem, wenn doch eigentlich beiden menschen das wohlergehen des kleinen am herzen liegt… ist ja nicht so, daß sie pflegepersonal wären, sondern sie sind familie ^^.

  3. Mein erster Gedanke war: Typisch Familie. Weil ich solche Dinge schon zu oft erlebt hab. Erst am Wochenende wieder:

    Unsere Große (11) und unser Mittlerer (6) singen gemeinsam „Mein kleiner grüner Kaktus“ für ihren Papa, der Geburtstag hat. Sie haben geübt, sie singen wunderschön, hoch konzentriert (für beide eine Herausforderung). Derweil hopst unser Jüngster (3) in der Stube auf der Couch herum und singt ganz laut mit (falsch-lustiger Text, und in der Stube, weil er sich ja eigentlich schämt).

    Was macht meine Mutter? Macht „Pssst!“ zu den beiden Großen und tut ganz begeistert, weil der Kleine ja so schön singt, und die beiden stehen da wie bestellt und nicht abgeholt.

    Und ich so: „Aaaargh!!!“ und hätte platzen können.

    Also: Typisch Familie. Ärgerlich, wenn erwachsene Menschen so gedankenlos sind.

    Aber bestimmt freut sich dein Neffe trotzdem über das Geschenk, Katja… 🙂

  4. Tjaaa, dann heißt es mal eben, die „echte“ Überraschung folgen zu lassen. Ein neues Päckchen schnüren und den Inhalt bei Schwester und Mutter abgreifen. Wenn sie das wieder verraten, so lange wiederholen, bis es sitzt. Sagt man ja 12jährigen auch immer: Aus Erfahrung klug werden!

  5. Genau, wie Blinkfeuer und Rüdiger schon sagten: Dein Neffe ist ja noch eine Weile dort (ich hoffe, es war nix Ernstes? 😦 ) und über ein zweites, kleines, völlig überraschendes (!) Päckchen freut er sich bestimmt… 😉

  6. @alle: Danke! Ich bin echt beruhigt, dass ihr meinen Ärger nachvollziehen könnt. Ich habe schon gegrübelt, ob ich mich da irgendwie zu sehr anstelle – für die beiden schien es ja gar nicht überlegenswert sondern natürlich es rauszuplaudern. So manchmal ist man dann ja froh, wenn man die Bestätigung bekommt, dass man gar nicht selber spinnt, sondern es die anderen sind.

    Die Idee mit dem zweiten Päckchen finde ich gut, ich glaube das mache ich so. 🙂

    @Blinkfeuer: Meinen Ärger haben sie schon abbekommen, das reicht mir. Mich da nochmal auseinanderzusetzen ist mir die Energie zu schade.^^

    @Magrat: Wie gemein! Große Geschwister haben’s ohnehin nicht leicht, wenn da auf einmal jemand ist, der viel leichter im Mittelpunkt steht.

  7. Das kenne ich auch gut. Es ist möglich, dass ich derzeit vor einem ählichem Problem stehe: Als meine Mutter letzte Woche hier wusch habe ich ihr gesagt, sie soll nichts verraten, ich hätte eine Regenjacke für meinen Vater (also nicht meinen leiblichen Vater, sondern ihren zweiten Mann, den ich sehr leiden mag) zum Geburtstag an Ostermontag besorgt. Er wünscht sich sehr eine Regenjacke. Ich habe ihr das erzählt mit der Absicht zu erfahren ob er mittlerweile eine hat, damit ich gegebenenfalls noch umtauschen und etwas Anderes besorgen kann. Ich bin sehr gespannt ob er wenn ich zur Feier geht schon weiß was im Päckchen ist…

    • Ich drücke ihm und dir die Daumen, dass deine Mutter nichts verraten hat und die Überraschung gelingt! 🙂

      Eigentlich wirklich ätzend, dass man so wenig auf die Dichthaltefähigkeit der eigenen Familie vertrauen kann, dass man darüber überhaupt nachdenken muss.

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