Neulich in der ersten Spanischstunde

Oder um’s mit Rüdigers Worten zu sagen: Und, wie war es?

Erste Eindrücke:

  • Wie erwartet waren 99,9 % meiner Befürchtungen völlig haltlos und übertrieben. Ich habe es überlebt, gut sogar.
  • Die Spanischlehrerin stammt aus Mexico und als sie die ersten Blätter verteilte, fiel mir auf, dass ihre Hände leicht zitterten. Links neben mir saß eine Frau, die so nervös und verschüchtert wirkte, wie es in mir aussah. Beides hat mir direkt gut getan, weil ich gemerkt habe, dass ich ja gar nicht alleine mit Ängsten und Unsicherheit zu kämpfen habe.
  • Ich glaube, mir ist es ganz gut gelungen, die Angst nicht nach aussen zu tragen. Beim Zahnarzt habe ich zwar gute Erfahrungen damit gemacht, direkt damit rauszupoltern, dass ich unter einer Angststörung leide, bei dem Kurs ist es mir aber natürlich lieber, wenn das niemand merkt.
  • Es waren viel mehr Leute im Kurs als ich für das kleine Nachbar-Kaff, in dem er stattfindet, erwartet hätte. Im Nachhinein ist das aber sehr gut so, weil es die Chance erhöht, dass auch für Folgekurse noch genügend Anmeldungen erfolgen. (Wenn ich Spaß dran finde, will ich natürlich auch gerne bis zu einem brauchbaren Niveau weiterlernen.)
  • Die meisten Kursteilnehmer sind in Zweiergrüppchen eingetrudelt / angemeldet. Das hatte ich vorher schon befürchtet. Dass das auch ein Zeichen von Unsicherheit sein kann, sich nicht alleine auf so einen Kurs einzulassen, da musste mich vorhin erst ein Freund drauf stubsen. Ich fühle mich gerade mutig. 🙂
  • Spanisch klingt toll! Und ich glaube, die Aussprache wird einfacher als das Zungengeknote bei meinen Anfängen in Französisch.
    Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mich mittlerweile einfach traue, diese fremdklingende Aussprache auszuprobieren. Ich glaube, 12, 13 war ein denkbar ungünstiges Alter, um in gemischten Klassen, eine neue Fremdsprache zu lernen. :mrgreen:
  • Die Leute machen aus spannenden Motiven Spanischkurse. Am beeindruckendsten fand ich wohl die Frau, die Spanisch lernen will, um die Bücher lesen zu können, die ihr Vater auf Spanisch geschrieben hat. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, ihr Vater ist aber wohl Südamerikaner.
    Und den Mann, der in Peru geboren wurde und 5 Jahre dort lebte bevor er von Deutschen adoptiert wurde und der jetzt auf der Spur seiner Wurzeln auch die Sprache (wieder)erlernen möchte, in der er seine ersten Worte gesprochen hat.
    Erzählt habe ich dort von meinem letzten Urlaub und dass dort niemand Englisch oder Deutsch konnte und dass ich mich ins Land verliebt habe und mich gerne verständigen können möchte. Dass ich damit nicht mal die Hälfte der Wahrheit erzählt habe, hat mich nicht mal gestört. Ich hatte nicht das Gefühl, bei den spannenden Motiven mithalten zu müssen.
  • In VHS-Kursen, das habe ich früher schon beobachtet, wenn ich mal einen gemacht habe, trifft eine überaus bunte Menschenmischung aufeinander. Alleine altersmäßig liegen geschätzte 40 Jahre zwischen ältester und jüngster Teilnehmerin.
  • Wir haben zusammen gelacht, gleich mehrfach. 🙂
  • Ich kann auch solche Situationen ohne Zigarette überstehen, lustigerweise vielleicht sogar besser als mit. Vorher graute mir schon davor, immerhin wollte ich, um sicherzugehen, nicht zu spät zu kommen, ordentlich rechtzeitig losfahren und bei der Erinnerung wie sowas früher war, fiel mir ein, dass ich dann solche Wartezeiten rauchenderweise überstanden habe. Und zwar eine nach der anderen. Hektisch irgendwo im kalten stehend durchgezogen und dann, trotzdem ich so pünktlich war, auf den letzten Drücker eintrudelnd, weil ich ja nur schnell doch noch eine halbe Kippe gegen die Nervosität rauchen musste.
    Gestern war ich fast 15 Minuten zu früh im Raum, habe aber vor lauter „Guten Abend. Ist das der Spanischkurs“-Unterbrechungen, nicht mal mein extra mitgenommenes Buch ausgepackt.
    Kein Herzrasen, von den vielen hektisch gerauchten Zigaretten. Keine Atemnot, von den in letzter Minute hochgestürmten Treppen. Kein Nikotingestank, für den ich mich hätte schämen müssen. Das war ziemlich gut.
  • Das Wissen über eure gedrückten Daumen und die Aufmunterungen vorher, haben echt gut getan und beim selber an mich und vor allem meinen Mut glauben geholfen. Vielen Dank dafür!

Ich bin gespannt wie’s weitergeht!

(Yo me llamo) Katja