Und täglich grüßt…

Heute ist Murmeltiertag! Nicht, dass es zwingend einen Anlass bräuchte, um wieder mal ’ne olle Kamelle rauszukramen, aber ohne den Murmeltiertag wäre ich nicht drauf gekommen, mir wieder mal eine sehr junge Cher anzugucken. (Hat die eigentlich noch die gleiche Nase wie damals?)

Katja

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Leseempfehlung! (Depressionen verstehen)

Leseempfehlung: Holger Reiners – Das heimatlose Ich

Müsste ich aus allen Büchern, die ich bisher in meinem Leben gelesen habe, ein einziges herauspicken, das zu Lesen ich Menschen in meinem Umfeld ans Herz legen darf, so fiele meine Wahl auf dieses.

Gelegentlich, wenn ich ein Buch oder einen Text gelesen habe, hatte ich das Gefühl zu ahnen, was der Autor damit meint und sagen will. So wie man bei bestimmten Liedern denkt, nachfühlen zu können, wie sich der Musiker beim Schreiben des Songs gefühlt  hat.
Bei diesem Buch war das anders. Ich hatte nicht den Eindruck, zu wissen, was der Autor meint – ich habe mich von dem Buch respektive seinem Autor verstanden gefühlt. So als wäre da jemand in der Lage, in mich reinzusehen und viele meiner Ängste, meine Traurigkeit und meine Kämpfe nachzufühlen und sie in Worte und Sätze zu fassen. Und das in einer so überwältigenden Schlichtheit, die das um die Ecke Denken oder zwischen den Zeilen lesen, unnötig macht. Geradeheraus. Direkt aus meinem Kopf und Bauch in dieses Buch.

Holger Reiners hat selber über 20 Jahre seines Lebens unter Depressionen gelitten. Er beschreibt seinen eigenen Weg in die Krankheit hinein, durch die Krankheit, aus der Krankheit.

Ich habe einiges zum Thema Depressionen gelesen – ich vermute das bleibt bei niemandem aus, der länger daran erkrankt ist. Die meisten Dinge habe ich nicht mal zu Ende gelesen. Was zur Hölle bringt es mir, wenn ich in meinem Leben am absoluten Tiefpunkt stehe und irgendein Psychologe will mir erzählen, dass das alles gar nicht so schlimm sei und dass ich ja nur dieses und jenes berücksichtigen müsse?

Holger Reiners Buch ist anders. Da guckt niemand von aussen auf die Krankheit drauf, der sich, so umfassend seine Ausbildung auch gewesen sein mag, nicht tatsächlich in die Lage reindenken kann. Der zwar wissen sollte, aber vermeintlich um Mut zuzusprechen, ignoriert, dass „mach mal eben und ändere dich“, wenn man tief in der Krankheit steckt, keine gangbare Option ist, weil man nicht mal weiss, wie man das anstellen sollte.

Stattdessen guckt da jemand von innen, mittlerweile gesund genug, um wieder sein Leben zu leben und es nicht ohne sich stattfinden zu lassen, mit dem nötigen Abstand, aber ohne vergessen zu haben, wie es sich innen anfühlt, tief drin im Sumpf.
In kurzen Kapiteln widmet er sich den verschiedensten (Lebens-)Bereichen, analysiert menschlich, was mit ihm geschehen ist, wo die Fallstricke lagen, was ihm persönlich geholfen hat und warum und auch was nicht geholfen hat und warum. Holger Reiners mag Laie sein, was eine psychologische / psychiatrische Ausbildung angeht, er ist keiner auf dem Gebiet der Krankheit, als Betroffener. Das macht das Buch so menschlich und greifbar.

Der Buchrückentext gibt ein Zitat des Autors wieder. Dort sagt er u.a.:
„Wie die sagenumwobene Hydra haben Lebensillusionen viele Köpfe. Erst wenn sie alle abgeschlagen sind, ist die Bedrohung gebannt. Wie das Messer dazu beschaffen sein muss, versuche ich in diesem Buch zu beschreiben.“

Das Magische beim Lesen des Buches war, dass ich mich schon bei Lesen der Kapitelbezeichnungen fragte, wo da denn die Kapitel kämen, wo drin steht, wie man raus kommt, aus der mistigen Krankheit, wie das mit dem Messer funktioniert und auch noch in den ersten paar Kapiteln ging es mir so. Irgendwann während des Lesens wurde mir klar, dass aber genau das dieses Buch so einzigartig macht: Es gibt genau das nicht, ein explizites „Tu dieses oder jenes“ wie es Ratgeber an sich haben. In den Kapiteln (bei denen es zugegebenermaßen thematisch gelegentlich ein bisschen heftiger durcheinandergeht als ihre Titel erst mal vermuten ließen) taucht stattdessen in die Lebensbereiche, um die es geht, eingewoben auf, was das beim Autor ausgemacht hat. Erfahrungsweitergabe, keine Ratgabe.

Die Krankheit greift bei schwerer Depression umfassend in alle Lebensbereiche ein, wie simpel erscheint mir gerade der Gedanke, dass dann ja auch die Lösung in diesen Bereichen verborgen liegen muss – und nicht irgendwo losgelöst.

Das Buch macht Mut, mehr als alles andere, was ich zu dem Thema gelesen habe.

Es macht mir recht deutlich, wo ich gerade stehe. Was hinter mir liegt, aber auch was noch vor mir liegt. Es fasst in Worte, was ich schon seit einer Weile spüre, aber nicht so schlicht hätte benennen können. Seit einiger Zeit habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, in mir anzukommen oder wie Holger Reiners es nennt, meinem Ich eine Heimat zu geben. Die ist längst noch nicht fertig, aber das Buch gibt mir soviel Hoffnung, dass das endlich der richtige Weg ist, den ich beschreite.

Bitte, lest das Buch! Ich kann es jedem, der selber nicht frei von Traurigkeit, Ängsten, Depressionen ist, wirklich ans Herz legen. Es macht auf einfache Art verständlich, was man selber vielleicht noch gar nicht in Worte fassen kann.
Ich mag es aber auch (und vielleicht speziell) all jenen empfehlen, die in ihrem Umfeld, Menschen mit Depressionen begegnen. Es hilft beim Verstehen einer Krankheit, die man eigentlich nur verstehen kann, wenn man selber von ihr betroffen ist.

Ich weiss, dass das sehr pathetisch geraten ist. Seht’s mir bitte nach. Es ist einfach so faszinierend nach so langen Jahren mit dieser Krankheit zum ersten Mal das Gefühl zu haben, nicht erklären zu müssen, sondern verstanden zu werden. Und das von einem Buch. 😉

Katja

Wachbleibsel 18, 19 und 20

Warme Ohren, noch und nöcher.

Aus den Wollresten von meiner Mütze hab ich mir ein Calorimetry gestrickt. Das ist extrem praktisch, weil ich mich damit nicht so bemützt fühle. Ich mag nämlich Mützen eigentlich gar nicht. Also zumindest nicht an mir.

Gleiches dann auch nochmal für meine Lieblingsschwester aus den Mützenwollresten:

Zugegebenermaßen hat der Orang Utan nicht so ’nen Mützenkopf wie meine Eule, aber dafür hat er längeres Haar, das zumindest ahnen lässt, wie das Calorimetry getragen aussieht. :mrgreen:

Und damit meine Schwester ihre Mütze auch mal selber tragen darf, bekommt mein Neffe jetzt seine eigene, die hat er sich gewünscht:

Katja (die gerade noch dran gedacht hat, den Kram vorm Päckchen packen zu fotografieren)