Gezwitscher in 444 Worten

Ich twittere nicht, hab nicht mal einen Account. Das Gezwitscher von (sehr!) wenigen Menschen lasse ich mir im Feedreader anzeigen. Ohne die Tweets (ich glaube so heisst das), auf die sie sich beziehen ist das zwar manchmal seltsam, aber trotzdem ist es schön, wenn dazwischen dann welche auftauchen, wo man erfährt, was denjenigen gerade beschäftigt oder was diejenige gerade macht. Ein Stück weit am Leben von Menschen teilzunehmen, die ich kenne und von denen ich sonst weniger mitbekäme.

Für mich wäre das nichts. Ich kann mich ja hier schon meistens nicht kurz fassen. Und ich will’s eigentlich auch gar nicht, mir so ein künstliches Korsett überstreifen, die Dinge, die ich zu sagen habe, in 140 Zeichen unterbringen zu müssen. Manche Gedanken entwickeln sich bei mir alleine dadurch, dass ich darüber schreibe. Irgendwie wie so eine Art Fluss, auf dem ich langtreibe.

Hätte ich so ’nen Zwitscheraccount, hätte ich viel zu viel Angst, den dann auch zu benutzen und aufzuhören, meine Gedanken hier rumzuwälzen. Es ist so verführerisch, mal eben schnell losschießen zu können und nicht darauf warten zu müssen, viel Zeit zu haben.

Aber so manchmal. An so Tagen wie heute. Wo ich den Winter, die olle Socke, in seinem Weiss, Weiss, Weiss ja doch ganz hübsch finde. Wo ich den halben Nachmittag über Zettel neben der Tastatur gebeugt war, auf denen ich wild rumgekritzelt habe, was ich in mein Weihnachtsmenü für den Besuch meiner Schwester alles reinpacken könnte und ob das mit den Gängen dann hinhaut mit Kochgeschirr, Herdplatten, Zeiteinteilung, Backofennutzung etc. Und wo ich die Hälfte der Zeit rumüberlegt habe, was für ’nen Nachtisch ich machen könnte. Und wo ich mir jetzt schließlich einen heissen Kakao gekocht habe und ’nen ordentlichen Schuss Amaretto reingekippt habe – weil mir danach war. Weil heute so ein herrlich lümmeliger Wintertag ist und es mir gut geht. Und wo mich das selber ja am allermeisten wundert. Wo’s so kurz vor Weihnachten ist und ich so völlig ungestresst und entspannt bin. Und wo ich mich gleich in die heisse Badewanne hauen werde und in Litamin Glückszauber schwelgen.

Kurz wo ich eigentlich gar nix zu sagen habe. Also zumindest nichts Ernsthaftes, Vorzeigbares oder Gedankenschwurbeliges wofür sich ein Blogeintrag lohnen würde, weil er alles andere als spannend würde – nichts weiter als eine Aneinanderreihung einzelner Sätze.

An solchen Tagen muss ich mich schon  zusammenreissen, mir keinen Account anzulegen, nur um irgendwo rauslassen zu können, dass es mir gerade gut geht und ich heissen Kakao trinke. Und dass ich gerade einen Blogeintrag verfasst habe und mich als er eigentlich schon fertig war, bemüht habe noch einen Satz oder vielleicht auch zwei hintendranzuhängen damit ich statt 4xx genau 444 Worte brauche. Weil’s hübscher ist.

Katja