versöhnlich

Als ich aus dem Urlaub zurückkam hat mich der hessische Herbst voll erwischt. Kalt, grau, dunkel und Regen, Regen, Regen. Heute war hier der erste richtig schöne Tag seit langem und ich hatte zum ersten Mal seit ich zurück bin das Gefühl, irgendwie doch in diesem Herbst ankommen zu können, mich mit ihm anfreunden zu können.

Als ich unterwegs zur Werkstatt war, um Golfi seine Winterschuhe verpassen zu lassen, schoss mir ein Gedicht ins Bewusstsein, das ich in der 8. Klasse gelernt hatte. Unser Deutschlehrer hat uns damals ordentlich getriezt und innerhalb von 2 Wochen, 8 Herbstgedichte auswendig lernen lassen. Bei fast allen Gedichten, die ich während meiner Schulzeit lernen musste, habe ich immer noch einige Fragmente tief in der Erinnerung, auch von den Herbstgedichten. Bis auf eines. Das habe ich in all den Jahren nie wirklich vergessen, sondern konnte es jederzeit abrufen. Vielleicht deswegen, weil der Herbst sich in den wenigen Zeilen so anhört, wie ich ihn gerne immer hätte.

Ich sag ja eigentlich immer nur, dass ich ihn überhaupt nicht leiden kann. Das stimmt so gar nicht. Wenn er freundlich daherkommt, mir immer mal blauen Himmel und Sonnenschein gönnt und nicht nur grau und nass ist, dann finde ich ihn mitsamt seiner Farbenpracht wirklich schön.

 

 

Septembermorgen von Eduard Mörike

Im Nebel ruhet noch die Welt
noch träumen Wald und Wiesen
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt
herbstkräftig die gedämpfte Welt
im warmen Golde fließen

 

Katja

4 Kommentare zu “versöhnlich

  1. Hi Katja,

    Versöhnung mit dem Herbst…und mit dem Winter Freundschaft schließen, eine großartige Idee.
    Wenn wir genau hinsehen, ist überall Schönheit, davon bin ich überzeugt, wobei genau hinsehen hier nicht bedeutet, die Sehschärfe der Augen zu strapazieren, aber du verstehst schon.
    Ich komme gerade aus dem Krankenhaus, deshalb konnte ich nicht schreiben, habe mich aber über deine Grüße gefreut und schicke gleich wieder welche (natürlich nicht die gleichen) zurück.

    Versöhnliche Grüße!
    Maryam

    • Hey Maryam,

      leider klappt das bei mir nur an seltenen Tagen. Heute nehme ich dem Herbst wieder überaus übel, dass es so dunkel und regnerisch ist. Seit mittags habe ich das Licht eingeschaltet und es mir verkniffen, rauszugehen. Dooferweise sollte ich eigentlich genau das machen anstatt mich zu vergraben. Ich muss wohl wieder mal ein paar ernsthafte Worte mit dem Schweinehund reden.

      Herzliche Grüße
      Katja

  2. Hi Katja,

    du hast mein Mitgefühl. Deine Haderei mit dem Herbst, kenne ich nur zu gut.
    Paradoxerweise birgt aber auch er (mit dem Winter), wahrscheinlich gerade durch seine unangenehmen Seiten, die größten Schätze in sich. Ich habe im Herbst wieder zu mir gefunden und in ihm Momente (ok es waren nur ganz kurze, dafür aber umso intensiver) erlebt, die einmalig waren, in denen ich am liebsten selbst zum Herbst geworden wäre oder zu einem dieser wunderbar roten, tau bedeckten Blätter, wenn gerade die Sonne drauf scheint.

    An den meisten Tagen möchte ich jedoch am liebsten ein Bär sein, in seiner Höhle schlafend, bis die Sonne des Frühlings ihn wieder weckt.
    Da nichts davon realistisch erscheint, versuche ich momentan dem kalten Wind ins Gesicht zu lachen, wissend, dass ich es letztendlich nur mir leicht oder schwer mache, dem Wetter wird mein Empfinden herzlich egal sein…

    Mit warmen Grüßen
    Maryam!

  3. „Was juckt es die stolze Eiche, wenn die Sau sich an ihr reibt?“ hat mein Opa häufig gesagt. Du hast ja so recht, Maryam. Ich mache es mir (wieder mal) mit dem Gehadere nur selber schwer. Darin bin ich übrigens hervorragend. Zum Glück allerdings genausosehr in meiner Lernwilligkeit. (Die Lernfähigkeit könnte sich ein Beispiel daran nehmen, ihr muss man mit viel Geduld begegnen.)

    Das Gute an der kalten Jahreszeit ist heisser Tee! Den mag ich nur in in einer Jahreshälfte, was ich im Sommer immer bedauere – gibt es doch so viele leckere Sorten.

    Herzliche Grüße
    Katja

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