Danke Internet!

Gerade, nachdem ich die beiden Fotos verbloggt hatte, hab ich erst mal bei Wikipedia nachgeschlagen, ob ich dort was über die unterschiedlichen Bezeichnungen Rotkraut / Blaukraut / Rotkohl finden kann. Ich wurde nicht nur dahingehend fündig, dass ich nachlesen konnte, in welchen Regionen man welche Bezeichnung benutzt, sondern fand zusätzlich noch Informationen darüber, wie es zu den unterschiedlichen Begriffen kommt – was übrigens sehr spannend ist, aber hier gar nicht Thema sein soll. (-> bei Wikipedia nachlesen)

Was mir aber in letzter Zeit in solchen Momenten häufig auffällt ist, wie sehr sich mein Leben – respektive meine Neugier / mein Wissensdurst / mein Interesse – durch das Internet verändert hat.

Wenn ich mich früher im Alltag über irgendetwas gewundert habe, mich etwas gefragt habe, dann blieben die Fragen meist unbeantwortet. Klar, ich hatte ein Lexikon im Regal stehen (Das hab ich nebenbei bemerkt immer noch, weil’s ein sehr alter Brockhaus ist, von dem ich mich aus sentimentalen Gründen nicht trennen mag.) und klar, ich hab da auch häufig reingeschaut, wenn ich die Information wirklich dringend für Schule, Beruf, Uni oder was auch immer gebraucht habe. Ich habe sogar aus bloßem Interesse reingeschaut, wenn ich was wissen wollte. Das allerdings seltener, weil’s einfach unhandlich und umständlich war.

Wenn ich heute über irgendetwas stolpere, das ich nicht weiss und das mein Interesse weckt, dann googele ich. Oder gucke bei Wikipedia. Meist mache ich beides.

Vor einigen Tagen habe ich den Film „Der letzte Kaiser“ gesehen. Eines der Zitate fand ich so beeindruckend, dass ich es hier gerne festhalten wollte. Da ich nicht sicher war, ob ich den Schauspieler mit Peter O’Toole richtig eingeordnet hatte und hier nichts falsches angeben wollte, habe ich den Film bei Wikipedia nachgeschlagen.
Eine Stunde später hatte ich mich durch Artikel zu Kaiser Pu Yi, die verbotene Stadt, den Platz des himmlischen Friedens, Reginals Fleming Johnston sowie Bernardo Bertolucci durchgeklickt und -gelesen und ausserdem bei Google-Maps Peking und die Verbotene Stadt auf dem Satelittenbild angeschaut.

Das alles mache ich in einer ungeheueren Selbstverständlichkeit und ohne weiter drüber nachzudenken. Der Sprung vom Lesen eines einzelnen Eintrags in einem (Papier-)Lexikon hin zu einem interessierten von Artikel zu Artikel Klickens ging bei mir so schleichend voran, dass ich ihn nicht mal mitbekommen habe. Bewusst wird mir dieser immense Unterschied zwischen früher und dem was heute an Informationsbeschaffung normal für mich ist, nur in seltenen Momenten.

Zum Beispiel während meines Urlaubs. Es war ein sehr seltsames Gefühl, nicht mal eben schnell was nachschlagen zu können. Dadurch bin ich überhaupt erst auf diese unglaubliche Veränderung aufmerksam geworden, die tagtäglich so selbstverständlich ist.

Seitdem versuche ich, mich in mein altes Ich reinzuversetzen, mich zu erinnern, wie sich das früher angefühlt hat. Neugier, etwas wissen zu wollen, Informationen ansammeln, staunen, das gute Gefühl, etwas dazugelernt zu haben, verstehen. Früher war das auf so wenige Bereiche, Gebiete, Dinge beschränkt. Heute kann ich jeder Frage, die mir flüchtig durch den Kopf schießt, auf den Grund gehen, Antworten suchen. Das ist ein ungeheueres Geschenk, das mir viel zu wenig bewusst ist und das ich viel zu sehr einfach hinnehme.

Danke Internet! Manchmal bist du wirklich großartig.

Katja

 

 

 

5 Kommentare zu “Danke Internet!

  1. Pingback: Die Rückseite der Medaille « Gedankensprünge

  2. Die Selbstverständlichkeit wird erst dann bewusst, wenn man mal eben schnell schauen will, es aber man nicht kann. Genau. Ich ertappe mich auch, z.B. wenn die Gattin etwas schaut schaut und ich mit dem Mac Book daneben sitze um Blogs zu lesen, mit einem halben Ohr dann doch zuzuhören und wenn ich dort interessante Fetzen aufschnappe, dann gleich im Web nach mehr Details zu suchen. Kann jetzt kein Beispiel nennen, doch dieses sich selbst mit zusätzlichen Informationen versorgen macht Laune und ist sehr interessant. Und nebenbei lenkt es von möglichen Schwachfuginhalten ab. 😉

  3. Schwachfug? Wo gibt’s denn sowas? Ich besuche ja grundsätzlich nur seriöse Seiten. :mrgreen:

    Mir drängt sich dabei dann auch noch die Frage auf, ob wir als Jugendliche wohl weniger gewusst haben als Jugendliche heutzutage oder doch einfach nur andere Dinge, die es auch ohne langwierige Recherche zu wissen gab. Ich war zB mal voll gut im Seifenkisten- und Baumhausbauen. 😀 Hab ich mit den Jungs in der Nachbarschaft mehrere Sommer lang intensiv geübt und frage mich oft, ob die Kids heutzutage sowas noch können oder ob das Wissen ist, das verschüttet geht, weil’s keiner mehr braucht. Mein 12-jähriger Neffe zumindest zockt lieber am PC als auf Bäume zu klettern und ich hoffe, das holt ihn nicht später mal als Gefühl ein, in seiner Kindheit was verpasst zu haben, was man nunmal nicht so einfach als Erwachsener nachholen kann.

  4. Gibt ja auch keine wirklichen unseriösen Seiten … also kaum. Und die, die es gibt sind gut gekennzeichnet.

    Ich weiß nicht, ob ‚wir‘ (moi +40) mehr wussten. Das Wissen und die Methoden sich dieses anzueignen haben sich schon gewandelt, sind also unterschiedlich. Wenn ich die beste Tochter von allen mal mit mir vergleiche, sie weiß andere Sachen als ich zu meiner Zeit. Das Spielen draußen ist zumindest in der Stadt deutlich weniger geworden. Die Spielplätze sind weniger besucht, die Sportplätze leerer. Man ist für sich zu Hause und nicht mehr in der Gruppe mit seinen Freunden den ganzen Tag auf der Rolle, sondern verabredet sich für ein paar Stunden. Wir gingen einfach rüber und blieben den ganzen Tag zusammen. Ich drifte ab. 🙂 Das Wissen ist zweckmäßiger geworden, spezieller ausgerichtet auf die persönlichen Interessen, weniger universell.

  5. Hmm *überleg* ich hatte, bei mir zumindest, ganz umgekehrt den Eindruck, dass ich mich universeller informiere. Dadurch, dass das so einfach ist, habe ich das Gefühl eben nicht mehr nur auf meinen Steckenpferdgebieten Bescheid zu wissen, sondern auch viel mehr Wissen aus anderen Ressorts anzusammeln. Mir fällt das zB immer wieder ganz krass bei irgendwelchen Geographie-Dingen auf. Hätte ich früher jemanden kennengelernt, der mir erzählt hätte „ich wohne in Hintertupfing“ hätte mir das ein „aha“ oder vielleicht noch ein „wo in etwa liegt das denn?“ abgerungen. Wenn ich sowas heute höre, dann gucke ich bei Google-Maps (und oft genug suche ich mir auch noch weitere Infos). Geographie lag mir wirklich nie und hat mich zu Schulzeiten nicht interessiert, aber dadurch, dass es mir nicht mehr Aufwand als 2 Klicks abverlangt, gucke ich heutzutage nach. Und durch häufiges Gucken bekomme ich einen besseren Überblick. Und der bessere Überblick macht’s für mich zu einem interessanteren Gebiet.

    Das mit dem Rübergehen zum Spielen war bei uns ganz genauso und funktionierte auch komplett ohne Absprachen. Wobei ich natürlich auch Landei bin und in ’nem kleinen Vogelsberger Dorf aufgewachsen.

Platz für eigene Notizen:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.