Die Rückseite der Medaille

…springt mir beim Nachdenken über das Thema direkter ins Gesicht und natürlich soll sie auch ihren Platz hier bekommen. Allerdings ihren eigenen. Freude über etwas muss manchmal auch mal alleine stehen bleiben dürfen. Und wenn ich das an das Ende der Freude ranhängen würde, käme es mir vor als würde ich die guten Aspekte direkt wieder selber erschlagen wollen. Ist aber nicht so. Daher hier, ganz für sich:

Wie einfach ist es, sich zwischen all den Informationen zu verheddern, Lost in Information statt Translation. Müsste ein neuer Auftrag von Bildungseinrichtungen vielleicht auch das Erkennen von Relevanz sein? Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – das ist ein sehr altes Prinzip. Funktioniert das bei irgendwem ausser Tauben instinktiv und zuverlässig?

Und weiss man Wissen überhaupt noch zu schätzen, wenn es sich so aufdrängt und nicht errungen werden muss? Und ist es überhaupt (noch) nötig, Wissen zu schätzen?

Katja

Danke Internet!

Gerade, nachdem ich die beiden Fotos verbloggt hatte, hab ich erst mal bei Wikipedia nachgeschlagen, ob ich dort was über die unterschiedlichen Bezeichnungen Rotkraut / Blaukraut / Rotkohl finden kann. Ich wurde nicht nur dahingehend fündig, dass ich nachlesen konnte, in welchen Regionen man welche Bezeichnung benutzt, sondern fand zusätzlich noch Informationen darüber, wie es zu den unterschiedlichen Begriffen kommt – was übrigens sehr spannend ist, aber hier gar nicht Thema sein soll. (-> bei Wikipedia nachlesen)

Was mir aber in letzter Zeit in solchen Momenten häufig auffällt ist, wie sehr sich mein Leben – respektive meine Neugier / mein Wissensdurst / mein Interesse – durch das Internet verändert hat.

Wenn ich mich früher im Alltag über irgendetwas gewundert habe, mich etwas gefragt habe, dann blieben die Fragen meist unbeantwortet. Klar, ich hatte ein Lexikon im Regal stehen (Das hab ich nebenbei bemerkt immer noch, weil’s ein sehr alter Brockhaus ist, von dem ich mich aus sentimentalen Gründen nicht trennen mag.) und klar, ich hab da auch häufig reingeschaut, wenn ich die Information wirklich dringend für Schule, Beruf, Uni oder was auch immer gebraucht habe. Ich habe sogar aus bloßem Interesse reingeschaut, wenn ich was wissen wollte. Das allerdings seltener, weil’s einfach unhandlich und umständlich war.

Wenn ich heute über irgendetwas stolpere, das ich nicht weiss und das mein Interesse weckt, dann googele ich. Oder gucke bei Wikipedia. Meist mache ich beides.

Vor einigen Tagen habe ich den Film „Der letzte Kaiser“ gesehen. Eines der Zitate fand ich so beeindruckend, dass ich es hier gerne festhalten wollte. Da ich nicht sicher war, ob ich den Schauspieler mit Peter O’Toole richtig eingeordnet hatte und hier nichts falsches angeben wollte, habe ich den Film bei Wikipedia nachgeschlagen.
Eine Stunde später hatte ich mich durch Artikel zu Kaiser Pu Yi, die verbotene Stadt, den Platz des himmlischen Friedens, Reginals Fleming Johnston sowie Bernardo Bertolucci durchgeklickt und -gelesen und ausserdem bei Google-Maps Peking und die Verbotene Stadt auf dem Satelittenbild angeschaut.

Das alles mache ich in einer ungeheueren Selbstverständlichkeit und ohne weiter drüber nachzudenken. Der Sprung vom Lesen eines einzelnen Eintrags in einem (Papier-)Lexikon hin zu einem interessierten von Artikel zu Artikel Klickens ging bei mir so schleichend voran, dass ich ihn nicht mal mitbekommen habe. Bewusst wird mir dieser immense Unterschied zwischen früher und dem was heute an Informationsbeschaffung normal für mich ist, nur in seltenen Momenten.

Zum Beispiel während meines Urlaubs. Es war ein sehr seltsames Gefühl, nicht mal eben schnell was nachschlagen zu können. Dadurch bin ich überhaupt erst auf diese unglaubliche Veränderung aufmerksam geworden, die tagtäglich so selbstverständlich ist.

Seitdem versuche ich, mich in mein altes Ich reinzuversetzen, mich zu erinnern, wie sich das früher angefühlt hat. Neugier, etwas wissen zu wollen, Informationen ansammeln, staunen, das gute Gefühl, etwas dazugelernt zu haben, verstehen. Früher war das auf so wenige Bereiche, Gebiete, Dinge beschränkt. Heute kann ich jeder Frage, die mir flüchtig durch den Kopf schießt, auf den Grund gehen, Antworten suchen. Das ist ein ungeheueres Geschenk, das mir viel zu wenig bewusst ist und das ich viel zu sehr einfach hinnehme.

Danke Internet! Manchmal bist du wirklich großartig.

Katja

 

 

 

Labyrinth

Brain?

Braindead?

Letzte Bildunterschrift trifft es im doppelten Sinne. Eine Stunde stumpfsinniges Schnippeln = herrliche, meditative Hirnleere. Einzig warum es Gegenden und Zungenbrecher gibt, in denen Rotkraut Blaukraut heisst, ist mir beim Anblick meiner Finger klar geworden.

Katja