Auf den zweiten Blick

Auf den ersten Blick erscheint mir mein innerer Schweinehund immer fies, gemein und nutzlos, mit seiner doofen Art, mir dauernd im Weg rumzustehen, mich am Hosenbein festzuhalten oder simpel auf mich einzureden und mir damit in manchen Dingen ungeheuere Überwindung abzuverlangen, etwas bestimmtes zu tun.

Vorhin ist mir aufgegangen, dass ich ihm mit dieser Einschätzung vielleicht doch unrecht tue. Wie gut es sich anfühlt – manchmal wirklich bis zum Hochgefühl gesteigert – den Schweinehund wieder mal überwunden zu haben und genau das, was er mit aller Gewalt verhindern wollte, getan zu haben, ist manchmal wirklich unvergleichlich und kann mir gelegentlich selbst an furchtbar trüben Tagen dann doch noch ein Lächeln abringen.

Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie es wohl Menschen gehen mag, die ohne Antriebsprobleme alle Dinge einfach anpacken. (Gibt es die überhaupt?) Hat man dann trotzdem ein Erfolgserlebnis, weil man etwas geschafft hat? Braucht man das überhaupt in der Stärke, wenn es keinen Einfluss darauf hat, wie gut man den Schweinehund beim nächsten Mal überwinden kann? (Das wird ja leichter, wenn man in so ’nem Erfolgserlebnisdingensrun erst mal drin ist.)

Ich denke auf jeden Fall drüber nach, mich mit meinem inneren Schweinehund zu versöhnen. So langsam dämmert mir echt, dass er ja nur in guter Absicht handelt, gar nicht damit ich scheitere, sondern damit ich ihn überwinde. So Sparringspartnermäßig.

Ist es eigentlich sehr beknackt, seine Antriebslosigkeit zu vermenschlichen als wäre sie eine Waschmaschine? 😕

Katja

4 Kommentare zu “Auf den zweiten Blick

  1. Beknackt ist es nicht, es schimpft sich leichter und schneller, ist den ein Schuldiger gefunden, wenn der denn einen Namen hat. 😉

    Was nicht umgehend erledigt werden muss oder soll, darf sich der Schweinehund gerne drum kümmern, die wichtigen und zeitkritischen Geschichten lässt der dann schon von selbst in Ruhe. So gehe ich mit ihm um, er wird gnadenlos dominiert und wenn es klappt, darf er auch mal gehörigen Auslauf nehmen. Das Gefühl etwas aufgeschobenes dann letztendlich geschafft zu haben, ist aber auch nicht schlecht. Es ist das alte Geben-und-Nehmen Spiel, es funktioniert.. meistens. 🙂

  2. Eigentlich ist das ja aber gar kein Schimpfen sondern sogar eher dem Wauli gegenüber versöhnlich gemeint. Schizophren fühlt es sich in diesem Falle an, weil ich ja eigentlich über einen Teil, eine Schwäche, eine Charaktereigenschaft von mir selber so in der dritten Person rede.
    Wobei das ja insofern schon seine hm Berechtigung hat, dass ich häufig dem Gefühl der Machtlosigkeit den eigenen Denkmustern, Ängsten oder dgl. gegenüber ankämpfe und wirklich ordentlich strampeln muss, um sie (oder doch wieder den Schweinehund als Oberbegriff?) zu überwinden.

    Ach Mist. Ich sollte ins Bett gehen. Fühlt sich gerade so verheddert an. :mrgreen:

    Das mit der Dominanz bekomme ich bei meinem Schweinehund auf jeden Fall nicht hin. Das ist mehr ein Rangeln, wer gerade den Ton angeben darf. Allerdings steigt meine Siegquote in letzter Zeit an.

    Wenn deiner bei wichtigen Dingen erst gar keine Chance hat und du die direkt erledigen kannst, fühlt sich das hinterher überhaupt _richtig_ gut an? So sehr ich es manchmal hasse, so kämpfen zu müssen, so sehr würde mir vermutlich ohne die Kämpfe etwas fehlen.

  3. Das mit dem Verheddern ist nachvollziehbar. 🙂

    Ich sage nicht, dass es leicht war bzw. noch ist, es hat viel Zeit gebraucht, zu irgendwas muss die zunehmende Lebenserfahrung dann doch mal gut sein. Auf der anderen Seite ist man selbst der Boss, und im Haustierterminus zu bleiben, man selbst hat den Dosenöffner, also hat er sich zu fügen oder zu verduften. Und ja es fühlt sich recht gut an, etwas aufgeschobenen dann doch irgendwann erledigt zu haben, sprich wenn der Schweinehund sich dann nicht mehr drum kümmern mag. Er findet dann schon wieder etwas anderes. 🙂

    Kämpfe kosten immer Kraft. Es ist gut für das eigene Erfolgserlebnis, aber es kostet Kraft. Manchmal mehr als man hat, ergo kämpft man lascher und gibt auch schneller auf. Was ist dann besser? Richtig nicht kämpfen sondern bestimmen und kontrollieren. Das ist mein Weg des geringsten Widerstands.

  4. Speziell deinen letzten Absatz finde ich extrem spannend und muss noch ein bisschen drauf rumdenken und mal der Frage nachgehen, ob und wenn ja wo ich bei mir diese Auswahlmöglichkeit (Kampf vs. Kontrolle) übersehe bzw. so tief vergraben habe, dass ich mich oft unweigerlich dem Kampf ausgeliefert und ohne Alternative fühle.
    Hab Dank für den Input!

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