Begegnung

Heute Nachmittag, beim Verlassen des Supermarktes, nur für einen Sekundenbruchteil begegnen sich unsere Blicke und es durchzuckt mich wie ein Blitz. Dann macht sich im Bauch ein warmes, wohliges Gefühl breit, so als wäre der Wildfremde ein lieber alter Freund. Sehr vertraut, sehr strange. Sowas ist mir noch nie passiert und bevor ich richtig verstanden hatte, was da überhaupt passiert, war der Augenblick und der Blickkontakt schon wieder vorbei.

Stunden später hat die Erinnerung an diesen Moment mir nochmal ein Lächeln auf die Lippen gemalt.
Und die Phantasie erspinnt ein Paralleluniversum, ohne Hemmungen und Schüchternheit,  mit anderen gesellschaftlichen Normen, wo es das Normalste auf der Welt gewesen wäre, einen Schritt weiter auf den Fremden zuzugehen, „Hallo“ zu sagen und ihn auf einen Kaffee einzuladen…

Katja

3 Kommentare zu “Begegnung

  1. Liebe Katja,
    vielen Dank für deinen Kommentar! Anscheinend muss ich mich wirklich mit dem Wegzieh-Gedanken anfreunden. Wie hast du das mit deinen alten Schriften gemacht. Mitgenommen? Neu angefangen?

    Deine Begegnung im Supermarkt hört sich spannend an. Das sind so kurze Augenblicke, in der die Welt still zu stehen scheint. Und ich frag mich auch oft, wie es wäre, wenn wir alle mehr mehr wie Kinder wären, ohne diese doofe Angst sich unpassend zu benehmen, abgewiesen zu werden und dem Gedankenkrach „was denkt denn der andere, wenn…“
    Viel Spaß beim Träumen wünsch ich noch
    mit lieben Grüßen!
    Maryam

    • Hey Maryam 🙂
      Ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, die alten Beiträge zurückzulassen und sie damit der Gefahr auszusetzen, im Nirvana zu verschwinden. In meinem Leben hat sich sehr viel getan seit ich angefangen habe zu bloggen und für mich ist es – speziell, wenn ich das Gefühl habe, auf der Stelle zu treten und nicht voranzukommen – total wichtig, nicht nur meine in dem Moment verfärbte Erinnerung bemühen zu können, sondern genau nachlesen zu können, wie es in mir einige Zeit vorher ausgesehen hat.
      Kulando hat leider keine Exportfunktion, also habe ich jeden Eintrag einzeln per Hand kopiert… Ob es eine externe technische Lösung irgendwo im Web gibt, weiss ich nicht. Ich habe vor einiger Zeit bei meinem Umzug keine gefunden, drücke aber die Daumen, dass ich nur zu blind war und es auch einfacher gegangen wäre.

      Zur Begegnung: Ich glaube, ich hätte das nicht mal als Kind gekonnt, so unbefangen auf jemanden zuzugehen. Ich bin in einer „geh nicht zu dem Hund, der beisst – wasch dir die Finger – was sollen bloss die Nachbarn denken“-Familie aufgewachsen und habe ordentliche Kämpfe auszutragen, wenigstens einige der Zwänge abzuschütteln.

      Lieben Gruß und gutes Gelingen für den Umzug (so er denn schon ansteht)
      Katja

  2. Hi Katja,

    nochmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Mit meinen Blogs gehts mir ähnlich, seid dem ich schreibe , sehe ich viel klarer, als früher. Es ist, eine Chance sich selbst aus einer gewissen Distanz zu betrachten, ein Ventil und eine Möglichkeit neue Ansichten, frischen Wind von anderen zu erfahren.
    „Per Hand“ wäre nicht so ein Problem für mich, da ich noch eine überschaubare Menge an Texten habe. Aber ich würde sie gerne in ein Archiv packen, mal sehen, ob und wie das geht.

    Das negative Erbe unserer Kindheit abzuschütteln, scheint oft fast unmöglich, Verhaltensmuster, die zu tief eingraviert sind. Ich war als Kind sehr offen, aber konnte das nur bedingt in die Erwachsenenwelt rüber nehmen. Die Angst auf Ablehnung zu stoßen, lässt uns alle vorsichtig sein und hunderte Masken aufsetzen.

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