Ver*§%$ Unsicherheit

Manchmal erwischt es mich echt eiskalt und ich fühle mich völlig wehr- und hilflos.

Gerade beim Einkaufen, vorm Supermarkt ein Infostand, weit und breit kein hippes Promotionpersonal mit werbebedruckten Shirts und Käppis zu sehen sondern lediglich zwei ältere Herren, die aussehen als hätten sie sich in die Sonntagskluft gehüllt obwohl sie sich im Blaumann sehr viel wohler fühlen, die den Stand betreuen. Neugierig geworden, was da beworben wird, gucke ich zum handgemalten Schild über dem Stand und stelle fest, dass es ein Stand des örtlichen Tierheims ist.

Ich denke an Sammy, daran wie gerne ich wieder einen Hund in mein Leben lassen würde, daran, dass ich selbstverständlich gleich was spenden würde, wenn mich wer anquatscht, muss beim Gedanken an Sammy unwillkürlich lächeln. Einer der älteren Herren guckt mich an „Lachen Sie mich an oder aus, junge Frau?“ Ich lächele tapfer weiter, obwohl ich heftig verwirrt bin, so plötzlich aus meinen Gedanken gerissen worden zu sein, war ich doch noch etliche Meter vom Stand entfernt. „An natürlich.“  – „Ja, ich bin aber verheiratet!“ sagt er grinsend.

BUMM.

Ich spüre, wie mir das Blut ins Gesicht schießt, ringe nach Luft, ringe nach Worten, klappe den Mund auf, wieder zu, stammele hilflos was von „so war das ja nicht gemeint“ und sehe zu, dass ich möglichst schnell am Stand vorbei und in den Laden komme. Erst mal in die Ecke beim Pfandautomaten, durchatmen, warten, dass das Zittern nachlässt.

Jetzt, wieder zuhause, die Einkäufe verstaut, mit ’nem Kaffee vorm Rechner sitzend, lässt mir die Situation immer noch keine Ruhe. Trotz all der Fortschritte, die ich in den letzten Monaten gemacht habe, merke ich, wie schnell man mich noch umhauen kann. Wie schnell ich mich aus dem Konzept bringen lasse, wenn die Situation anders verläuft als ich erwartet hätte.

Oh wie sehr wünsche ich mir in so Momenten meine alte Schlagfertigkeit zurück, die mich mit ’nem lockeren Spruch auf seinen Scherz hätte reagieren und vermutlich ein nettes Gespräch mit den beiden anfangen lassen.

Ich spüre, wie schnell ich immer noch an meinen Grenzen ankomme und welche Wucht solche Ereignisse auf mich ausüben.

Auf dem Weg nach draussen hat der zweite der Herren mich noch angesprochen. Ausser einem verlegenen Lächeln und einem Kopfschütteln habe ich nichts zustande gebracht. Ich ärgere mich über mich selber. Ich hätte wirklich gerne was gespendet, weil’s für’s Tierheim war. Ich hatte ja sogar damit gerechnet, angesprochen zu werden – nur eben nicht so. Und diese kleine Abweichung bringt mich so ins Schleudern. Das ist nicht fair. Bei all der Übung, die ich mittlerweile habe, muss das doch irgendwann auch mal besser werden.

Katja