Amputation

Vor etwa einer Woche fiel mir auf, dass mein Blog irgendwann im August seinen ersten Geburtstag feiern müsste, nachgucken lieferte den 26. August 2008 als Registrierungsdatum und den Tag, als ich zaghaft meinen ersten Beitrag schrieb. Damals eigentlich selber fest davon überzeugt, dass ich ohnehin nie die magische Grenze von drei Beiträgen überschreiten würde. Aber ich wollte dem Bloggen und vor allen Dingen auch mir, wenigstens die Chance gegeben haben.

Ein Jahr ist seitdem vergangen, die genaue Anzahl der Beiträge kenne ich gar nicht, geschätzt sind es einige mehr als hundert und das Festhalten meiner Gedanken ist für mich ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.

In diesem letzten Jahr hat sich in meinem Leben ungeheuer viel getan. Weniger Dinge, die man wirklich von aussen wahrnehmen könnte, aber in mir hat sich in dieser Zeit viel verändert, weiterentwickelt. Ich habe viel an mir gearbeitet, daran, aus meinen alten Gewohnheiten und Mustern, Ängsten und Zwängen auszubrechen. Häufig vergesse ich selber, wie rasant diese Entwicklung eigentlich vorangeht, werde ungeduldig mit mir selber. In solchen Momenten war mein Blog mir eine große Hilfe, hat es mir gut getan, zurückzublättern und zu sehen, wie kurz manche Dinge erst zurückliegen, wie unabänderlich sie sich angefühlt haben und wie anders sie jetzt sind.

Genauso wichtig ist es für mich geworden, gute Dinge festzuhalten. Schlechte Erinnerungen schießen einem – zumindest mir – von selber durch den Kopf, die vielen glücklichen Momente muss ich mir oft genug bewusst machen, weil sie in trüben Zeiten leider weit unter die Oberfläche geraten. Dabei hilft es mir, sie im Blog festzuhalten. Wenn ich da den deutlichen „ach-guck-mal-da-warst-du-glücklich„-Beweis habe, fällt es mir deutlich leichter mich daran zu erinnern und mich nicht einem alles Murks Gefühl hinzugeben . Und ein bisschen fühle ich mich dabei wie Frederick, die Maus aus der Kindergeschichte, die Sonnenstrahlen für den Winter einsammelt. (:D)

Vor einer Woche, als mir bewusst wurde, dass mein Blog so kurz vor seinem ersten Geburtstag steht, habe ich dann auch wieder mal darüber nachgedacht, den Anbieter zu wechseln. Kulando fand ich anfangs wirklich klasse, weil man sehr viele Einstellmöglichkeiten hatte, aber mich hat schon seit einer Weile gestört, dass es dort überhaupt keinen Support gibt und man mit allen technischen Unwägbarkeiten alleine klar kommen muss und so langsam bekam ich auch Angst, dass ein Anbieter, der seine Nutzer völlig sich selber überlässt und null auf Anfragen reagiert, irgendwann einfach von der Bildfläche verschwinden könnte.  Also hatte ich mir WordPress und noch ein, zwei andere Anbieter angeschaut und wollte eigentlich nur noch rausfinden, ob und wie einfach ich meine alten Beiträge mitnehmen könnte. Sobald diese Woche vorbei wäre und ich etwas mehr Zeit hätte.

*seufz*

Manchmal sollte man seine Ahnungen wohl ernster nehmen und direkt das schützen, was einem schützenswert erscheint. Seit dem Wochenende ist mein Blog und wohl auch der ganze Rest von Kulando nicht mehr erreichbar. Ausser Seitenladefehlern tut sich nichts mehr. Ich hoffe inständig, dass die Seite nochmal wieder erreichbar sein wird, damit ich meine Beiträge in Sicherheit bringen kann. Ich könnte wirklich heulen…

Und ich weiss, dass das eigentlich albern ist. Der Menschheit ist sicherlich nichts verloren gegangen dadurch, dass meine Blogbeiträge im Nirvana verschwunden sind. Aber für mich fühlt es sich gerade an, als hätte mir jemand einen Finger amputiert.

Meine Gedanken, meine Wahrnehmung, meine Erkenntnisse. All das hat für niemanden ausser mich Relevanz. Aber für mich dafür um so mehr. So viel ist in diesem Jahr passiert. So sehr hat sich mein Denken verändert. So sehr zum Guten ging die Entwicklung. Ich will das wiederhaben. Zum Nachlesen, nachfühlen. Als Mutmacher und Tröster, wenn ich wieder mal der Verzweiflung nahe bin.

Tag WordPress, hier bin ich nun mitsamt meinen inneren Schweinehunden sowie ihren Freunden, meinem Garten, meinen Ohrwürmern, meinen Terassentomaten, die kurz davor stehen, die Weltherrschaft an sich zu reissen, meinen gestrickten Socken, meinem Golfi, meinem selbstgebackenen Brot, meiner Erdbeerliebe und vor allen Dingen meinen manchmal merkwürdigen Gedankenverschwurbelungen, primär über mein Leben, manchmal auch über die Welt da draussen. Und vielleicht, wenn ich mir’s fest wünsche, auch irgendwann noch mit den Gedanken des letzten Jahres im Gepäck / Archiv dabei.

Katja