Finger weg von meiner Paranoia!

Ich stehe auf Element of Crime. Zwar keine Musik, die ich in jeder Lage hören könnte, aber gerade laufen die bei mir wieder mal seit ein paar Tagen in Dauerschleife. Und nicht mal mein Ohrwurm ist eindeutig gerade. Der schwankt auch schon seit mehreren Tagen zwischen zwei EoC Songs. Deswegen bekommen sie auch beide ihr Plätzchen hier – kann man ja quasi gar nicht oft genug anhören. 😀

Den Film zum zweiten Song kenne ich leider immer noch nicht. Der steht allerdings auf meiner Guck-Wunschliste ganz oben. Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe.

Ein geselliges Tier ist das Schwein
Und das Stachelschwein lieber allein
Ohne dich will ich nicht
Mit dir kann ich nicht sein

Ich muss unbedingt wieder mal in meine deutsche Lieblingsstadt! 

Katja

 

Wachbleibsel 3 und 4

Eigentlich hab ich langsam mal genügend selbstgestrickte Socken. Ich weiss kaum noch, wann ich die alle anziehe sollte. Zudem ich im Sommer gar keine Socken und in Frühling und Herbst keine so warmen tragen mag. Andererseits stricken sich Socken so herrlich einfach und schnell. Ich sollte vielleicht mehr davon verschenken. Wie zB mein Wachbleibsel Nummer 3. Langweilig einfarbig dunkelblau in Größe 45 *ürks*.

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Viel schöner finde ich da das Muster von Nummer 4:

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Zum ersten Mal seit Jahren hab ich das Gefühl, dass meine Sockenwollevorräte doch endlich sein könnten. 😀

Katja

 

Schmacht

Samstag Nachmittag, der Tabak ist alle. Ich schaue zu, wie aus den allerletzten trockenen Bröseln eine halbe, eigentlich unrauchbare Zigarette wird. Es ist nicht mein Tabak und nicht meine halbe, eigentlich unrauchbare Zigarette; ich habe seit über 7 Monaten nicht mehr geraucht. Und trotzdem macht irgendwas im Kopf Klick. Ein Schalter wird umgelegt. Das Gefühl ist da, sehr präsent. Ist meins. Vertrauter Feind. Die Erinnerung ist greifbar, unzählige Male erlebt. Das panische Zusammensuchen von Kleingeld, mitten in der Nacht in die Klamotten springen und die 20 Meter bis zum Zigarettenautomaten zurücklegen, hektisch eine rauchen und wieder ins Bett legen. Endlich schlafen können, weil das beruhigende Gefühl sich einstellt, dass was zum Rauchen im Haus ist, weil endlich die Panik abfällt. Die Erinnerung an die Unruhe ist da. Die Unruhe, die schon eingesetzt hat, wenn ich die vorletzte Kippe aus der Schachtel genommen habe. Später dann, als ich nur noch selber gedreht habe, das panische Durchsuchen aller Taschen, ob nicht doch noch irgendwo Papers zu finden sind. Das Unwohlsein, wenn fast nur noch Brösel am Boden der Tabakdose übrig waren. Vertrauter Feind.

In diesem Moment Samstag Nachmittag war es auf einmal meine Panik, meine Unruhe, mein Gefühl, sehr real, sehr gegenwärtig. Die Hände feucht und zitternd, die heftigste Schmachtattacke in über sieben Monaten. Ich will nicht mehr rauchen und ich betrachte mich meist als stabile Nichtmehrraucherin. Aber dieses Gefühl, der Sucht nicht nachgehen zu können, weil nix mehr zum Rauchen da ist, ist mir noch so vertraut, dass ich wirklich Angst bekommen habe, ich könnte das irgendwann vergessen. Völlig ausblenden, dass ich nicht mehr rauche und es nicht mal merken. Wenn mir in dem Moment am Samstag jemand eine Zigarette unter die Nase gehalten hätte… Ich habe keine Ahnung, wie ich reagiert hätte. Ob ich in dem Suchtflashback gefangen überhaupt realisiert hätte, dass ich ja gar nicht mehr rauche.

"Lass uns ’nen Spaziergang zur Tanke machen" schlug ich vor. Mit Tabak bewaffnet den Rückweg antretend, bin ich die Nervosität endlich wieder losgeworden.
Die Gedanken daran, wie tief die Sucht im Unterbewusstsein verankert ist, wie leicht das Suchtgedächtnis aktiviert werden kann, bin ich jedoch noch nicht wieder losgeworden. Auch nicht die Sorge darüber, ob all mein nicht-mehr-rauchen-zu-wollen letztendlich überhaupt hilft, wenn ich in einem falschen Moment, wenn die Sucht mich so überrollt, der Verstand so ausgeschaltet ist, Zigaretten verfügbar hätte.

Katja