Horizonte

Da verbrachte man den größten Teil seines Lebens in fast krankhaftem Ehrgeiz, machte irgendwann das jahrgangsbeste Abi, hatte während des Studiums ein Stipendium der Studienstiftung – immer in der sehnsüchtigen Suche und Hoffnung nach Aufmerksamkeit und Anerkennung der eigenen Mutter gefangen… und dann erzählt man beiläufig in ’nem Telefonat, dass man gerade Nudelteig ausrollt und bekommt ein "Ach Kind, was bin ich stolz auf dich. Du bist so eine richtig gute Hausfrau geworden. Was du alles selber machen kannst!" zu hören.

Ich bin heilfroh, dass so Worte von ihr mittlerweile am Rande der Bedeutungslosigkeit abprallen. Sonst wäre ich vermutlich wirklich versucht, meinen Geist einzumotten, mich auf ihren Horizont einzustellen und Hausarbeit als Inhalt und nicht mehr als Mittel zu empfinden.

Zwischen Grinsen und Kopfschütteln
Katja (Nudelfee :D)

Die Sache mit der Wahrnehmung

Manchmal ist es gar nicht so leicht zu bemerken, wenn die Wahrnehmung aus der Spur gerät und ich habe das Gefühl, mir wenigstens vor Augen halten zu müssen, wie schnell das scheinbar passieren kann. Vielleicht hilft es ja dabei, wachsam zu bleiben und die Wahrnehmung gelegentlich einem scharfen Blick zu unterziehen.

Gestern habe ich etwas angepackt, was mir aus der Situation heraus – sowohl der aktuellen gestern Nachmittag als auch meiner augenblicklichen Lebenssituation – total normal vorkam und wo ich mir vorher gar nicht weiter Gedanken drum gemacht habe. Als ich in der Situation drin war, hab ich ordentlich schlucken müssen und die alten Ängste waren für einen kurzen Augenblick wieder sehr präsent. Tief durchatmen und die Entschlossenheit, da jetzt nicht zu flüchten, sondern es durchzuziehen, haben mich letztendlich durch die Situation gebracht. 

Aber statt dass ich stolz darauf war, es geschafft zu haben, hab ich ’ne ordentliche Weile dran zu kauen gehabt, dass es mir so schwer gefallen ist.

Und das ist der Punkt, wo mir hinterher aufgegangen ist, wie verschoben das eigentlich ist. Vor ein paar Monaten wäre der gestrige Nachmittag komplett undenkbar gewesen. Ich hätte niemals den Mut dazu aufgebracht. Seitdem ist nicht viel Zeit vergangen und das Angehen von Dingen ist mir gerade so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich vorher nicht mal mehr drüber nachdenke. Aber statt mich drüber zu freuen, reagiere ich reflexartig mit Frust, dass ich’s nicht lächelnd bewältigt habe, sondern es mir schwer fiel. Das ist doch krank, diesen kleinen Haken dran eher zu bemerken als den großen Teil auf den ich stolz sein kann – es mir überhaupt zugetraut und letztendlich ja auch geschafft zu haben. Wenn auch nicht ganz ohne Kampf.

Ich muss da wohl echt ein bisschen an meiner Wahrnehmung arbeiten.

Katja